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Die Ironie des Francisco Sierra

Jeweils im Dezember vergibt die Ausserrhodische Kulturstiftung Werkbeiträge. Die Appenzeller Zeitung stellt die ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler in einer losen Serie vor. Heute: Francisco Sierra.
David Scarano
Bei Francisco Sierras Bild «Im Park» steckt der Teufel im Detail. (Bild: pd)

Bei Francisco Sierras Bild «Im Park» steckt der Teufel im Detail. (Bild: pd)

COTTERD/HERISAU. Mit seinen 210 x 290 cm ist «Im Park» das grösste Werk des frisch ausgezeichneten Malers Francisco Sierra. Das bisher unveröffentlichte Ölbild zeigt eine junge rothaarige Dame in einem blauen Kleid, die in einem Park auf eine überdimensionierte Meringue mit Skelettarmen blickt. «Im Park» ist insofern typisch für den 34jährigen Künstler, weil er dem Betrachter seinen hyperrealistischen Malstil vor Augen führt. Ein Jahr lang hat der Maler, wie häufig, ausgehend von einer Fotografie akribisch am Bild gearbeitet. Der Hintergrund ist fast nicht von der Vorlage zu unterscheiden.

Hello Kitty und «Mein Kampf»

«Im Park» zeigt aber auch Sierras ironischen Blick auf die Welt. Der Künstler spricht von Galgenhumor. «Ohne jetzt depressiv klingen zu wollen: Wenn ich sehe, zu was der Mensch zuweilen fähig ist, kann ich darüber nur lachen», sagt er. Als Persiflage auf eine gängige Marotte der Kunstszene hat er im Ölgemälde seiner einäugigen Meringue ein Hitlerschnäuzchen verpasst. Der Künstler geht jedoch einen Schritt weiter. In der Hand hält die Meringue, die auf einem roten Teppich liegt, ein spezielles Buch: Hello Kittys «Mein Kampf». Wie die Skulptur gibt es den Teppich wirklich. Gewoben hat ihn seine jüdische Grossmutter. Mit diesem surrealen Stillleben bringt Francisco Sierra die liebliche, harmonische Sonntagnachmittagsatmosphäre «zur Implosion», wie der Künstler sagt. Mit dieser Ambivalenz, zwischen Schönheit und Abgrund, spielt er in seinen Bildern gerne.

Geiger und Maler

Francisco Sierra ist schweizerisch-chilenischer Doppelbürger, sein Vater ist Chilene, die Mutter Luzernerin mit ungarischen Wurzeln. Mit neun Jahren zog die Familie in die Schweiz, genauer nach Herisau, wo der Vater, Professor für Chemie, bei der Hänseler AG eine leitende Stelle fand. Der Wechsel fiel Francisco Sierra nicht leicht. «Ich kam mir vor wie ein Ausserirdischer», sagt er. Er brauchte relativ lange, bis er sich in seiner neuen Heimat wohl fühlte. In Santiago de Chile war er behüteter aufgewachsen. So besuchte er die Schweizer Schule, in der die Mutter als Lehrerin tätig war. Auch wegen der gefühlten Entwurzelung fand er in der Malerei Rückhalt. «Bereits in Chile konnte ich stundenlang zeichnen und mir eine eigene Welt erschaffen», sagt er.

Die Malerei ist für ihn jedoch keine Therapie. Der traumatische Umzug in die Schweiz prägt ihn heute aber insofern noch, als dass er den Begriff Heimat für sich neu definiert hat. «Heimat ist für mich nicht ortsgebunden, sondern dort, wo die Personen leben, die ich liebe», sagt er. Trotzdem reist er demnächst nach dreizehnjähriger Absenz in sein Heimatland Chile, um seiner Freundin «sein verlorenes Paradies zu zeigen».

Leben von der Malerei

Nach der Kantonsschule stand Francisco Sierra vor der Entscheidung: Musik- oder Malerei-Studium. Wie seine Grossmutter bildete er sich zum Geiger aus, die bildende Kunst gab er aber nicht auf. «Es war der logische Schritt. Ich wusste, es ist einfacher, zuerst das Konservatorium zu besuchen und dann auf die Malerei zu setzen, als umgekehrt» sagt er. Zurzeit lebt Francisco Sierra in Cotterd im Waadtland. Die Malerei, die er sich autodidaktisch beigebracht hat, ist mittlerweile sein Haupterwerb. Der Geiger greift nur noch für spezielle Projekte zum Instrument. Der Werkbeitrag aus dem Ausserrhodischen freut ihn. Er betrachtet ihn als Bestätigung, die zeigt, dass Menschen an ihn glauben. Der Werkbeitrag reiht sich in die bereits ansehnliche Liste seiner Auszeichnungen ein. Der Maler erhielt unter anderem den Kiefer-Hablitzel-Preis, den Eidgenössischen Preis für Kunst sowie ein Atelierstipendium von Landis & Gyr. Zu seinen grösseren Ausstellungen gehört in diesem Jahr seine Teilnahme an der Gruppenschau «Merets Funken. Surrealismen in der zeitgenössischen Schweizer Kunst» im Kunstmuseum Bern. Wegen einer fehlenden Plattform wird Francisco Sierra in seinem ehemaligen Ausserrhoder Wohnkanton weiterhin nicht öffentlich zu sehen sein. Auch diesen Umstand nimmt er mit Humor: «Immerhin gibt es in der Herisauer Wohnung meiner Mutter eine Dauerausstellung meiner jugendlichen Frühwerke.»

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