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Inländer wollen keine Arbeit im Gastgewerbe

In vielen Gastrobetrieben geht schon bald die Sommersaison los, und noch immer fehlen Arbeitskräfte. Die Wirte beklagen sich, dass ihnen der Gesetzgeber bei der Personalsuche Steine in den Weg legt.
Karin Erni
«Beim Inländervorrang muss nachgebessert werden», sagt Walter Höhener. (Bild: Karin Erni)

«Beim Inländervorrang muss nachgebessert werden», sagt Walter Höhener. (Bild: Karin Erni)

Seit letztem Sommer ist in der Schweiz die Stellenmeldepflicht in Kraft. Sie ist eine Folge der Masseneinwanderungsinitiative, die im Februar 2014 angenommen wurde. Mit dieser Massnahme sollen in Branchen mit hoher Arbeitslosigkeit die inländischen Arbeitssuchenden einen Informationsvorteil erhalten. Während fünf Tagen bleibt die Einsicht in die Stellenausschreibung denjenigen vorbehalten, die bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gemeldet sind. Erst wenn diese Frist abgelaufen ist, darf der Arbeitgeber die Stelle auch anderweitig ausschreiben.

«Das funktioniert in unserer Branche leider nicht», sagt Stephan Sutter, Präsident von Gastro AI. «Es melden sich nicht die richtigen Leute. Auf diesem Weg finden wir kein qualifiziertes Personal. Wer eine Berufsausbildung hat und arbeiten will, ist vermutlich nicht beim RAV gemeldet.» Weil viele Schweizer nicht bereit sind, am Abend und am Wochenende zu arbeiten, sei das Gastgewerbe auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen, so Sutter.

Geringe Arbeitslosenquote als Problem

Marco Seydel, Leiter des Arbeitsamtes von Appenzell Innerrhoden, findet die Stellenmeldepflicht grundsätzlich ein gutes Instrument.

«Sie bringt Arbeitgeber und das RAV in Kontakt. Dadurch gelingt es immer wieder, Stellensuchende dauerhaft in den Arbeitsprozess zu integrieren, und das ist unsere Aufgabe.»

Problematisch könne es bei einer tiefen Arbeitslosenquote werden. Und genau das sei in Innerhoden der Fall. «Wenn wenig Arbeitssuchende vorhanden sind, können wir den Arbeitgebern nicht immer passende Kandidaten liefern. Dass sich unpassende Stellenbewerber selbst melden, könne damit zu tun haben, dass die gemeldeten, freien Stellen auch von den registrierten Stellensuchenden eingesehen werden können. «Manch einer fühlt sich vielleicht genügend qualifiziert und bewirbt sich.» Kleine RAVs hätten zudem nicht die Kapazität, auch in anderen Kantonen nach passenden Bewerbern zu suchen. Ebenfalls schwierig zu besetzen seien befristete Stellen, etwa für die Fasnacht, wenn diese bereits Monate im Voraus dem RAV gemeldet werden, so Seydel. «Es macht wenig Sinn, Stellensuchende im Oktober für eine befristete Anstellung von drei Wochen Ende Februar zu vermitteln. Die Stellensuchenden benötigen eine längerfristige, unbefristete Beschäftigung.»

GastroSuisse kämpft für Verbesserungen

Weil die Arbeitslosenquote in der Gastronomie und Hotellerie schweizweit über 8 Prozent liegt, gibt es in der Branche kaum eine Stelle, die nicht gemeldet werden muss. «Dabei spielt es keine Rolle, ob wir einen Hilfskoch, einen Pizzaiolo oder einen Küchenchef suchen. Sie laufen alle unter Küchenpersonal», sagt Walter Höhener. Der Gastgeber der «Krone» in Urnäsch ist im Vorstand von GastroSuisse. «Die Berufsnomenklatur muss verfeinert werden. Der Verband engagiert sich stark in dieser Sache und es ist schon bald mit Erfolgen zu rechnen.» Eine weitere Ursache für den Personalmangel sieht Höhener in der Abwanderung.

«Betriebe aus anderen Dienstleistungsbranchen ziehen unser Fachpersonal ab, ohne selber welches auszubilden.»

Er plädiert für mehr Ausbildungsplätze. Einzelne Kantonalverbände hätten bereits Initiativen ergriffen, um den Berufsnachwuchs zu fördern. Es gebe konkrete Projekte, den Kindern die Gastronomie näherzubringen. Auch sollen Lehrstellen für die kommenden geburtenstärkeren Jahrgänge geschaffen werden. Weiter sollen bürokratische Hürden bei der Ausbildung verschwinden, damit mehr Köche ausgebildet werden können, so Höhener.

Auch Stephan Sutter möchte ein besseres Image der Branche erreichen. «Die Arbeitszeiten der Gastroberufe haben durchaus Vorteile. Wir können auch einmal unter der Woche zum Skifahren oder zum Shopping gehen oder am Nachmittag in der Badi liegen.»

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