Ausserrhodern Industrie will in der Energiepolitik Impulse setzten - Zusammenarbeit mit Hochschule Rapperswil geplant

Der Dachverband der Wirtschaft startet zusammen mit der Hochschule Rapperswil ein Energie-Impulsprogramm.

Jesko Calderara
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Wie am Beispiel der Arcolor AG in Waldstatt bieten die Dächer der Industriefirmen viel Potenzial für die Gewinnung erneuerbarer Energie.

Wie am Beispiel der Arcolor AG in Waldstatt bieten die Dächer der Industriefirmen viel Potenzial für die Gewinnung erneuerbarer Energie.

Bild: PD

Mit der Energiestrategie 2050 strebt der Bund ehrgeizige Ziele an. Gleiches trifft auf den Kanton zu, denn die Vorgaben im neuen Regierungsprogramm zur Energiepolitik sind nicht weniger ambitiös. Noch ist unklar, wie diese erreicht werden sollen. Bereits einen Schritt weiter ist die lokale Wirtschaft. So startet der Dachverband Industrie AR in Partnerschaft und Zusammenarbeit mit der HSR Hochschule für Technik Rapperswil ein Impulsprogramm und Projekt unter dem Namen ENIA (Energie Impuls Industrie Appenzellerland).

Dessen Ziel ist es, messbare Akzente und Impulse im Bereich erneuerbarer Energie und Energiemanagement in der Industrie und darüber hinaus zu setzen. «Wir wollen vorwärtsgehen und nicht auf die Politik warten», sagte Urs Alder, Präsident der Industrie AR, an der gestrigen Medienorientierung in den Räumlichkeiten der Firma Arcolor in Waldstatt.

Fokussierung auf Energie und Digitalisierung

Die Industrie AR führt im Rahmen der Aktivitäten ihrer drei Schwerpunktbereiche Bildung, Energie und Digitalisierung einen regelmässigen Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedsunternehmen durch. Da-raus ist die Idee und das Bedürfnis entstanden, die Bereiche Energie und Digitalisierung kombiniert anzugehen, die praktischen Erfahrungen und Kräfte zu bündeln und in gemeinsames Handeln abzuleiten. So wird die Industrie AR nun unter Nutzung der eigenen, breiten Erfahrungen im Energiebereich, ihres starken Netzwerks sowie des Know-hows der HSR Hochschule für Technik Rapperswil das Projekt ENIA starten. Einen Schwerpunkt wird dabei das Potenzial der grossen industriellen Dachflächen zur Erzeugung erneuerbarer Energie bilden. Dabei soll primär der Eigenbedarf der beteiligten Firmen durch eine koordinierte Nutzung und Speicherung der erzeugten Energie in lokalen Perimetern gedeckt werden. Als Beispiel erwähnte Alder den Wärmeverbund Bissau in Heiden, bei dem das Unternehmen Sefar eine wichtige Rolle spielt.

Parallel dazu soll im Rahmen des Projekts über den Einsatz von digitalen Mitteln und Daten das Energiemanagement optimiert oder gar ausgebaut werden. Es bringe nichts, Energie zu produzieren, die dann nicht richtig genutzt werde, betonte Alder. Angestrebt werden dabei messbare Ziele zur Steigerung der Energieeffizienz und CO2-Reduktion gemäss den Vorgaben der Eidgenössischen Energieagentur EnAW. Bekanntlich hat die Wirtschaft mit bereits umgesetzten Massnahmen die Zielwerte der ersten Etappe 2022 im Rahmen der Umsetzung der Energiestrategie 2050 bereits frühzeitig erreicht. In die Vorgespräche sind verschiedene Unternehmen und Partnerverbände involviert gewesen. Auch das kantonale Amt für Wirtschaft wurde frühzeitig einbezogen. Es sei erfreulich, dass auch der Kanton und der Bund das Projekt ENIA im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) unterstützen würden, betonte Alder.

Das Vorhaben wird ab Januar 2020 gestartet und wird alle drei Kantonsbezirke einbeziehen. Für die Projektleitung konnte Boris Meier, Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSR, gewonnen werden. Er wird dabei unterstützt durch Roman Hänggi, Professor und Leiter Digital Lab an der HSR, sowie Markus Friedl, Professor und Leiter des Instituts für Energietechnik. Die Steuerung des Projekts liegt bei der Industrie AR, namentlich bei Präsident Urs Alder, Vizepräsident Jörg Müller und Geschäftsführer Bruno Eisenhut. Im Sinne eines Vorprojekts werden die ersten Monate für vertiefte Vorabklärungen und zur weiteren Planung genutzt.

Impulse über die Industrie hinaus geben

Das Projekt ENIA wird gemäss Alder bewusst offen sein für Innovationen und wissenschaftliche Erkenntnisse. Vor allem aber möchte die Industrie AR auch Impulse über die Industrie hinaus geben. So geniesst der Einbezug der lokalen Gewerbebetriebe und Unternehmen eine hohe Priorität – sei es bei Installationen, bei Informatiklösungen oder energiebezogenen Schulungen. Ausserdem sollen über die Schulen auch die Jugendlichen einbezogen werden. (pd/cal)