Die «Histoire du Soldat» in Appenzell

Am Samstag wird in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell Igor Strawinskys singuläres Musiktheaterstück «Histoire du Soldat» aufgeführt. Die Aufführung findet passend zur aktuellen Ausstellung «Lied der Stille» über Strawinskys Sohn Théodore statt.

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In der Inszenierung des Stücks von Klaus Ortner spielt die Schauspielerin Isabel Karajan sämtliche Rollen. (Bild: pd)

In der Inszenierung des Stücks von Klaus Ortner spielt die Schauspielerin Isabel Karajan sämtliche Rollen. (Bild: pd)

APPENZELL. Gleichzeitig mit der Eröffnung der Ausstellung «Lied der Stille» über Théodore Strawinsky wird in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell mit der «Histoire du Soldat» das singuläre Musiktheaterstück seines Vaters Igor Strawinsky aufgeführt. Die Inszenierung des Regisseurs Klaus Ortner mit Isabel Karajan als Schauspielerin und einem hochkarätigen Instrumentalensemble unter der Leitung von Cristoforo Spagnuolo ist am Freitag um 20 Uhr zu Gast.

Not lehrt Einfachheit

Entstanden 1918, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, ist die «Histoire du Soldat» ein dramaturgisch straffes Stück für Sprecher, Tänzer und sieben Instrumentalisten. Not lehrt Einfachheit. Dies erfuhr Igor Strawinsky in den Kriegsjahren 1917/18, als er in Morges am Genfersee Monate bewältigte, «die zu den schweren gehören, die ich durchgemacht habe»: Die russische Revolution zerriss die Verbindung zur Heimat; viele Theater, vor allem die für Strawinsky wichtigen Tanztheater, hatten schliessen müssen; die allgemeine Not ging auch in der neutralen Schweiz um. Selbsthilfe war geboten: Eine Wanderbühne, die auf gut Glück durchs Land zieht und mit einem Minimum an Mitwirkenden ein Spiel mit Musik aufführt, das gelesen, gespielt und getanzt wird. Mit zwei Freunden fasste Strawinsky diesen Plan: mit dem waadtländischen Erzähler Charles Ferdinand Ramuz und dem Mathematiker und Dirigenten Ernest Ansermet, dem nachmaligen Gründer und jahrzehntelangen Chef des Orchestre de la Suisse Romande. Es entstand «Histoire du Soldat», welches am 29. September 1918 in Lausanne uraufgeführt wurde, unter beträchtlichen Schwierigkeiten und zunächst ohne den erhofften Erfolg. Die Geschichte eines Soldaten, der dem Teufel seine Geige und damit auch seine Seele verkauft, basiert auf den russischen Erzählungen «Vom Soldaten und dem Teufel» von Afanasjew.

Schauspielerin in allen Rollen

In der Inszenierung von Klaus Ortner spielt die Schauspielerin Isabel Karajan sämtliche Rollen. Dabei erweist Karajan dem grossen Namen ihres Vaters alle Ehre. Zur Wahl des Instrumentariums schreibt Strawinsky: «Ich sah also keine Lösung, als mich auf eine kleine Anzahl von Instrumenten zu beschränken, eine Besetzung, in der von den instrumentalen Gruppen jeweils die repräsentativen Typen, die hohen wie die tiefen, vertreten sind: von den Streichern also Violine und Kontrabass; von den Holzbläsern die Klarinette – weil sie das grösste Register hat – und das Fagott; vom Blech Trompete und Posaune und endlich Schlaginstrumente, soweit sie von einem Musiker bedient werden können, das alles wohlverstanden unter der Leitung eines Dirigenten.» (pd)

Karten erhältlich unter: Telefon 071 788 18 60 Fax 071 788 18 61 oder info@kunsthalleziegelhuette.ch