Nachbarschaftshilfe für Risikogruppen: Grosse Solidaritätswelle im Appenzellerland

Im Appenzellerland sind verschiedene Angebote entstanden, um der Corona-Risikogruppe unter die Arme zu greifen.

Karin Erni
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Janine Baldamus und ihr Mann möchten den Leuten helfen, die in Not geraten.

Janine Baldamus und ihr Mann möchten den Leuten helfen, die in Not geraten.

Bild: Karin Erni

Die Corona-Krise hat auch positiven Seiten. Die Solidarität wächst und an mehreren Orten haben sich spontan Initiativen gebildet, die Personen aus Risikogruppen oder solche, die unter Quarantäne stehen das Einkaufen abnehmen wollen. Derzeit besteht zwar noch wenig Bedarf danach, wie es auf Anfrage bei den Anbietern heisst. Das könnte sich jedoch bald ändern, wenn die Zahl der Infizierten weiter steigen sollte.

Sie habe im Eingangsbereich ihres Mehrfamilienhauses einen Anschlag gemacht, sagt Janine Baldamus aus Herisau. «Mein Mann und ich machen derzeit beide Home-Office und haben Zeit, Leuten, die in Not geraten, zu helfen.» Bis jetzt habe zwar noch niemand das Angebot in Anspruch genommen. Sie vermutet, dass die Hemmschwelle noch zu gross ist:

«Doch es gab verschiedene Nachbarn, die sich bereits für unsere Initiative bedankt haben.»

Es hätten sich auch schon weitere Bewohner in die Liste eingetragen, um selber Hilfe anzubieten.

Nebst dem analogen Anschlag auf Papier gibt es auch digitale Lösungen. Die App «Five-up» des Schweizerischen Roten Kreuzes und der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft bietet die Möglichkeit, freiwilliges Engagement zu koordinieren.

Im Gegensatz zu Gruppen auf WhatsApp und Facebook sehe man bei «Five-up» direkt, wo es noch Hilfe brauche und wo sich bereits Personen gemeldet haben, teilt die Organisation mit. Bei «Five-up» seien die Daten geschützt, gelangten nicht an die IT-Giganten und würden nicht an Dritte verkauft. «Five-up» kann über den App Store oder bei Google Play heruntergeladen werden.

Student ruft auf Facebook Gruppe ins Leben

Der Gaiser Student Elias Pfändler hat auf Facebook die Gruppe «Corona-Einkaufshilfen AR und AI» ins Leben gerufen. Deren Ziel ist es, online eine wachsende Community zu bilden, um Helfende und Hilfesuchende zusammenzubringen. Unter der E-Mail-Adresse einkaufshilfen.sg.ar@gmx.ch können sich Freiwillige und Hilfsbedürftige melden. Die Pro Senectute von Appenzell Ausserrhoden verfüge über Freiwillige aus dem Bereich Alltagshilfe, die man theoretisch für solche Aufgaben einsetzen könnte, sagt Geschäftsführer Markus Gmür. «Doch viele von ihnen gehören ebenfalls zur Risikogruppe.» Derzeit werde intensiv nach Lösungen gesucht. In Notfällen seien sie stets bereit, den Betroffenen individuell zu helfen. Die Migros biete mit Menu Casa auch einen Mahlzeitendienst, der gut funktioniere, so Gmür. «So kommt sicher einmal pro Tag eine vollwertige Mahlzeit auf den Tisch.»

Einkaufshilfe gehört zu den Leistungen im Bereich Hauswirtschaft bei der Spitex Appenzellerland. Sie seien derzeit personell ausreichend aufgestellt und könnten die anfallenden Aufgaben bewältigen, sagt Geschäftsleiterin Susanne Schäfer. «Falls es zu personellen Engpässen kommen sollte oder der Arbeitsanfall stark ansteigt, ist denkbar, dass für gewisse Arbeiten Freiwillige eingesetzt werden könnten. Auch treffen wir Absprachen mit den Kundinnen und Kunden, in welchen Situationen allenfalls eine Reduktion der Einsätze in Frage kommt.»

Derzeit seien die Mitarbeitenden in vielen Fällen zusätzlich damit beschäftigt, Unsicherheiten bezüglich des Corona-Virus bei den Kunden aufzufangen und auf die strikt einzuhaltenden wichtigen Verhaltensweisen gemäss Bundesrat hinzuweisen, so Schäfer. «Wir haben teilweise bereits Angebote von Freiwilligen erhalten. Um für die nächsten Wochen weiterhin über genügend Kapazitäten zu verfügen sind wir froh, wenn sich diplomiertes Pflegepersonal oder Fachpersonen Gesundheit mit Kapazitäten melden.»

Die Pro Senectute AR organisiert als Ergänzung zum bestehenden Angebot ebenfalls einen Einkaufsdienst für über 65-Jährige. Die erste Wahl soll wenn möglich die Nachbarschaft sein, teilt die Pro Senectute mit. Interessierte Senioren können sich telefonisch unter 0713535039 oder 0713535030 informieren und anmelden. Telefonate werden von 8.30 bis 11.30 Uhr entgegengenommen. Es besteht zudem die Möglichkeit sich per E-Mail unter info@ar.prosenectute.ch anzumelden. Die Pro Senectute arbeitet mit der App «Five-up» zusammen.

Auch Frauenvereine bieten Hilfe an

Verschiedene Frauenvereine sind ebenfalls aktiv geworden: Jener von Lutzenberg/Wienacht bietet ab sofort und bis voraussichtlich Ende April einen kostenlosen Heimlieferservice an. Für den Einkauf werden möglichst lokale Geschäfte berücksichtigt. Die Lieferung erfolgt jeweils am Freitagnachmittag. Bestellhotline Montag bis Donnerstag, zwischen 9 bis 17Uhr, unter 0793199013, 0786411231 oder per E-Mail unter heimlieferdienst@gmx.ch

Die Frauengemeinschaft Haslen-Stein bietet ab sofort bis voraussichtlich Ende April für ältere Menschen ab 65 Jahren und Risikopersonen von Haslen einen kostenlosen Heimlieferservice an. Betroffene Personen können sich telefonisch bei folgenden Kontaktpersonen melden: Karin Rechsteiner Tel.: 0793295048 oder 0713332880, Roswitha Fässler Tel.: 0713333093.

Die Gemeinde Schwellbrunn hat in Zusammenarbeit mit den örtlichen Detaillisten ein Angebot erarbeitet, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Der Dorfladen 0713517007, die Metzgerei Ochsen 0713513232 und der Dorfbeck 0715583925 nehmen Bestellungen entgegen, es existiert keine Mindestbestellmenge.

Die Gemeinde Wolfhalden macht in einer Mitteilung darauf aufmerksam, dass die Bäckerei Hecht im Dorf (Tel. 071 891 12 03) und die Metzgerei Heis im Maxi Quartierladen im Mühltobel (Tel. 0718886620) neu zusätzlich einen Heimlieferservice anbieten. Diese Lebensmittelgeschäfte wie auch der Dorfladen Volg sind weiterhin geöffnet. Volg verfügt über einen Onlineshop (www.volgshop.ch). Wer Medikamente aus einer Apotheke oder Drogerie benötigt, die keinen Lieferdienst anbietet, kann die Gemeindeverwaltung (071 898 82 70) kontaktieren. Sie bietet in Zusammenarbeit mit den Landfrauen Wolfhalden Unterstützung an.

Corona-Krise: Ausserrhoden richtet Hotline ein

Wer Fragen zur Pandemie hat, kann sich in Appenzell Ausserrhoden ab Montagmittag an eine kantonale Hotline wenden.  Die Bewohnerinnen und Bewohner erhalten zudem einen Informationsflyer per Post