Die Hema gehört den Gewinnern

Hema-Zeit, Glücksspiel-Zeit: Wenn Aussteller Kunden mit Wettbewerben ködern, kann sich bisweilen auch ein Pechvogel wie ich wie ein kleiner Hans im Glück fühlen. So betrete ich am Samstagnachmittag zusammen mit Fotografin Martina Basista voller Hoffnung das Messegelände.

Merken
Drucken
Teilen
Das Glücksrad beim Landi-Stand. Für uns setzt es nur einen Kugelschreiber ab. (Bilder: Martina Basista)

Das Glücksrad beim Landi-Stand. Für uns setzt es nur einen Kugelschreiber ab. (Bilder: Martina Basista)

Hema-Zeit, Glücksspiel-Zeit: Wenn Aussteller Kunden mit Wettbewerben ködern, kann sich bisweilen auch ein Pechvogel wie ich wie ein kleiner Hans im Glück fühlen. So betrete ich am Samstagnachmittag zusammen mit Fotografin Martina Basista voller Hoffnung das Messegelände. Unsere Mission: Bei jedem Wettbewerb mitmachen und gewinnen, gewinnen, gewinnen.

*

Beim Eingang fixieren meine Augen den Roller in der Tombola-Preisauslage – der Hauptpreis wäre Entschädigung genug für entbehrungsreiche Jahre bei Preisausschreibungen, SMS-Verlosungen und Bingo-Abenden. Wenn ich den gewinne, dann würde ich, frei nach Stixi und Sonja, weinen vor Glück. Dass das Herisauer Schlager-Paar vis-à-vis der Tombola-Preise an einem Tisch der Festwirtschaft sitzt, werte ich als gutes Omen.

*

Erwartungsvoll betreten wir die gutbesuchte Ausstellungshalle. Vorbei an Betten und Fensterläden der neuesten Generation und an Versicherung Nr. 1, die nur Bonbons und Kugelschreiber verschenkt. Gleich daneben liegt der Stand der Stiftung Best Hope – zu Deutsch «Beste Hoffnung». Bester Hoffnung sind auch wir und rechnen fest damit, zumindest einen MP3-Player zu gewinnen.

*

Beim Stand von Versicherung Nr. 2 dann endlich eine Herausforderung: Wir füllen den ersten Wettbewerbs-Teilnahmeschein des Tages aus und sind zuversichtlich, dass wir das Ski-Wochenende in Zermatt auf sicher haben. Am selben Stand gibt es ein Computerspiel, bei dem man durch Balancieren Schmetterlinge fangen soll. Ich bin stolz auf meine 14 Zähler, bis die Fotografin 15mal punktet. «Der Rekord liegt bei 24», erklärt uns eine der jungen Damen am Stand, was unsere Euphorie verfliegen lässt.

*

Der Stand eines Fitnesscenters zieht uns magisch an: Wir haben soeben ein Glücksrad ausgemacht. Ich peile die aufgeklebte 100-Franken-Note an und drehe hoffnungsvoll. Dass das Rad unbedingt beim Nieten-Feld neben dem Hunderter stehen bleiben muss, ist Frust pur. Und dass es Fotografin Martina Basista auch nicht besser ergeht, hebt die Laune ebenso wenig.

*

Eine zweite Chance gibt uns aber der Landi-Stand gleich nebenan. Auch hier gibt es ein Glücksrad. Nach einem Schluck «Vollgas», den der umtriebige Standbetreiber unbedingt an den Mann bringen will, treffe ich allerdings schon wieder die Niete. Martina Basista hat Mitleid mit mir und schenkt mir den Kugelschreiber, den sie soeben gewonnen hat. Dann füllen wir beide noch den Wettbewerb aus, ohne überhaupt zu wissen, was es zu gewinnen gibt.

*

Eine Bank will wissen, wie viele Miniaturhäuschen sich in den transparenten Röhren bei ihrem Stand stapeln. Wenn hier einer von uns beiden gewinnt, dann werde ich das sein – mit 200 hat Martina Basista nämlich viel zu tief getippt. Ich freue mich schon auf die Gewinn-Benachrichtigung, denn die Bank verspricht Gutscheine im Wert von mehreren Hundert Franken.

*

Wir gönnen uns eine Pause und wohnen der Aerobic-Show des TV Säge Herisau bei. Die junge Tombola-Los-Verkäuferin kommt uns gerade recht: Martina Basista kauft zwei, ich drei Lose. Beim Öffnen schlägt der Puls höher: «Artikel 7» steht da und ich wähne mich schon als grossen Gewinner. Doch weil alle anderen Lose dieselbe Aufschrift tragen, kann es sich nur um einen Trostpreis handeln – weit gefehlt: Beim Umtausch stellen sich die Lose als Nieten heraus. Auch die Nachkäufe bringen nichts ein.

*

Frustriert machen wir uns auf zum Ausgang und sehen schon den Roller mit einem hämischen Glitzern in seinem Scheinwerfer-Auge vor uns. Doch dann bemerken wir den Stand von Versicherung Nr. 3. Hier gibt es ebenfalls einen Wettbewerb. Und wer einen Talon einwirft, darf erst noch ein Los ziehen. Darauf steht eine Nummer, die man beim Tresor eingeben kann. Prompt schaltet das Lämpchen auf Grün: Ich habe zwei Kinogutscheine gewonnen. Das entschädigt mich für all die Enttäuschungen auf unserem Rundgang und ich weine doch noch vor Glück. Die Hema ist eben etwas für Gewinner.

Johannes Wey