Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die Heimat zu Papier gebracht: Kantischülerin aus Herisau realisiert illustrierten Kurzgeschichtenzyklus

Lisa Scherer aus Herisau hat im Rahmen ihrer Maturaarbeit an der Kantonsschule Trogen Kurzgeschichten zum Thema Heimat geschrieben – und diese selber illustriert. Die 17-Jährige über Viehschauen, Schreibblockaden und warum es sich lohnt, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.
Claudio Weder
Für die Illustration «Kuh mit Ohrmarken» stand ein Herisauer Exemplar Modell. (Illustration: Lisa Scherer)

Für die Illustration «Kuh mit Ohrmarken» stand ein Herisauer Exemplar Modell. (Illustration: Lisa Scherer)

«Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.» Dieser Satz stammt von der amerikanischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck – er könnte aber genauso gut von Lisa Scherer stammen. Die 17-jährige Herisauerin hat im Rahmen ihrer Maturaarbeit an der Kanti Trogen einen illustrierten Kurzgeschichtenzyklus erschaffen. Dass sie genau jene Kunst beherrscht, von der Pearl S. Buck einst sprach, beweist der thematische Schwerpunkt ihrer Arbeiten: Den Stoff für die Geschichten und Bilder suchte sie nämlich nicht in der grossen weiten Welt, sondern fand ihn quasi vor der eigenen Haustür.

Drei Kurzgeschichten und drei Illustrationen, die sich unter dem Thema Heimat zu einem Gesamtkunstwerk vereinen – ein ambitioniertes Vorhaben für eine Maturaarbeit. Tatsächlich war der Weg zum Endprodukt ein steiniger, wie die Maturandin erzählt. Begonnen habe sie bereits in den vergangenen Sommerferien: «Um in Schreibstimmung zu kommen, las ich viele Kurzgeschichten, hörte Podcasts oder Hörbücher.» Doch trotz anfänglicher Euphorie liessen die zündenden Ideen auf sich warten. Und auch die Lektüre berühmter Kurzgeschichten brachte statt der erhofften Geistesblitze nur Verunsicherung mit sich. «Ich fragte mich: Kann ich das wirklich? Oder habe ich mir zu viel vorgenommen?»

Das Appenzellerland als Inbegriff von Heimat

Der Schreibfluss stockte, das Papier blieb leer. «Nach den Herbstferien konnte ich mich aber nicht mehr länger davor drücken», sagt die junge Künstlerin. Gespräche mit ihren Eltern, Freundinnen sowie ihrer Betreuerin halfen ihr schliesslich, die Schreibblockaden zu überwinden. Zudem habe sie versucht, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen. Denn:

«Die wunderbarsten Geschichten spielen sich meist unmittelbar vor unseren Augen ab. Wir müssen nur entsprechend aufmerksam durch das Leben gehen, um sie wahrzunehmen.»

So entstand eine Kurzgeschichte nach der anderen – Momente, die sie selber erlebt, gehört oder beobachtet hatte, brachte Lisa Scherer zu Papier. Für ihre Protagonistin in der Geschichte «Die Ohrmarken» etwa – ein Bauernmädchen, das sich die Namen ihrer Kühe anhand der Ohrmarken merken kann – liess sie sich von einer Viehschau-Broschüre inspirieren.

In den Kurzgeschichten werden unterschiedliche Formen von Heimat thematisiert. In der eingangs erwähnten Geschichte arbeitet die junge Autorin etwa mit traditionellen Heimatklischees. Sie stellt darin Heimat als einen Ort dar, der nicht näher umschrieben wird, aber mit seinen grünen Wiesen, Kühen und Bauernhöfen stark an das Appenzellerland erinnert. Dieses stellt für Lisa Scherer, die in Herisau aufgewachsen ist, so etwas wie den Inbegriff von Heimat dar.

Was Heimat für die Kantischülerin bedeutet, wurde ihr paradoxerweise immer dann bewusst, wenn sie weit weg von der eigenen Heimat war, etwa auf zahlreichen Reisen, die sie gemeinsam mit ihrer Familie unternommen hatte.

«Auch wenn ich es jedes Mal schön fand, in der Ferne zu sein, habe ich mich immer wieder darauf gefreut, nach Hause zu kommen.»

Lisa Scherer, Geschichtenschreiberin und Illustratorin aus Herisau. (Bild: Claudio Weder)

Lisa Scherer, Geschichtenschreiberin und Illustratorin aus Herisau. (Bild: Claudio Weder)

Illustrationen als Lektürehilfen

Als es darum ging, ein Thema für die Maturaarbeit zu finden, war für Lisa Scherer von Anfang an klar, dass sie keine theoretische Büffelarbeit machen wollte. Vielmehr wollte sie «etwas schreiben, schaffen, kreieren». Ebenso klar war für sie, dass sie ihre beiden Leidenschaften, Literatur und Kunst, verbinden möchte. So entstanden parallel zu den Kurzgeschichten drei Illustrationen.

Diese sind jedoch nicht bloss Visualisierung des Erzählten: Sie ergänzen den Text, indem sie einen zentralen Aspekt der Handlung herausheben und veranschaulichen. «Eine Art Schlüssel zum Text also.» Die Illustrationen, die fast genauso viel Zeit beanspruchten wie die Geschichten, erstellte Scherer auf Basis von selbst gemachten Fotografien. Sie sind allesamt in schwarz-weiss gehalten und wurden mittels Punkt-Strich-Technik angefertigt.

Auf ihre Kuh-Illustration (siehe Bild) sei sie besonders stolz. Für diese habe sie schon Angebote von interessierten Käufern erhalten – aber nicht angenommen:

«Ich will meine Bilder nicht verkaufen, da sie mir zu sehr am Herzen liegen.»

Die weiteren Kurzgeschichten handeln davon, dass sich die Definition dessen, was Heimat ist, im Laufe des Lebens verändern kann. Lisa Scherer möchte nach der Matura Germanistik studieren. Zuvor will sie jedoch einen Sprachaufenthalt machen, um ihr Französisch zu verbessern. Wer weiss, ob das Appenzellerland für sie die einzige Heimat bleiben wird.

Hinweis

Diese und weitere Maturaarbeiten werden am 8. und 9. Februar an der Kantonsschule Trogen vorgestellt. Die Präsentationen sind öffentlich.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.