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Die Heilerin vom Bodensee

Der Kinofilm «Die Gabe zu heilen» porträtiert fünf heilpraktisch tätige Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine davon ist die gebürtige Mongolin Ojuna Altangerel-Wodnar.
Karin Erni
Der nahe Bodensee erinnert Ojuna Altangerel-Wodnar an den Baikalsee in ihrer Heimat. (Bild: Karin Erni)

Der nahe Bodensee erinnert Ojuna Altangerel-Wodnar an den Baikalsee in ihrer Heimat. (Bild: Karin Erni)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Die studierte Ärztin Ojuna Altangerel-Wodnar, die in Walzenhausen lebt und praktiziert, verbindet komplementäre westliche Medizin mit Akupunktur und schamanischen Techniken ihrer Heimat. Sie ist eine der fünf Protagonisten des Kinofilms «Die Gabe zu heilen» von Regisseur Andreas Geiger.

Schon ihre Grossmutter sei eine Heilerin gewesen, sagt Ojuna Altangerel. Die gebürtige Mongolin hat im deutschen Halle studiert, in Berlin ihren späteren Ehemann kennen gelernt und drei Kinder grossgezogen. Über das süddeutsche Tübingen kam sie in die Schweiz. Sie lebt und praktiziert in Walzenhausen. Ojuna Altangerel entstammt dem mongolischen Volk der Burjaten, das am Baikalsee lebt. Die «begeisterte Nomadin» pendelt zwischen Walzenhausen und Wien, wo sie noch eine zweite Praxis betreibt. Im Haus Grimmenstein in Walzenhausen ist sie nicht zufällig gelandet. Der Ort, an dem sie ihre Praxis eröffnen sollte, wurde ihr von einer persönlichen Lehrerin empfohlen. Diese war Mathematikerin und hat exakt errechnet, wo sich die richtige Stelle ­befindet. Hier, hoch über dem unteren Rheintal, fühlt sich Ojuna Altangerel an ihre Heimat erinnert, auch wenn der Bodensee 60-mal kleiner ist als der Baikalsee. Sie ist seit acht Jahren in der Schweiz wohnhaft und hat sich gut angepasst. «Man muss nach den Gesetzmässigkeiten des jeweiligen Landes leben, in dem man ist, aber man darf nie vergessen, woher man kommt.»

Die seelischen Hintergründe der Krankheit

Im Gegensatz zu den anderen vier Protagonisten des Films «Die Gabe zu heilen», die allesamt medizinische Laien sind, hat Ojuna Altangerel Medizin studiert. Auf die anschliessende Weiterbildung zur Fachärztin habe sie zu Gunsten ihrer mehrdimensionalen Ausbildung verzichtet. «Die Frauen in meiner Heimat, die mir das nötige Wissen vermitteln konnten, waren damals schon sehr alt. Wenn ich zu lange gewartet hätte, wären sie dazu vielleicht nicht mehr am Leben gewesen, und die Informationen wären verlorengegangen», ist sie überzeugt. Trotz des Medizinstudiums sucht Ojuna Altangerel bei ihren Patienten nicht primär nach körperlichen Ursachen einer Krankheit, sondern fokussiert auf die seelischen Hintergründe. «Krankheit ist nichts anderes als Unordnung: im Menschen, in der Familie und in der Heimat», ist sie überzeugt. Diese drei Begriffe verwendet sie im Gespräch immer wieder. Es seien die drei Juwelen, die jeder in sich trage. Um die Ordnung wiederherzustellen, arbeitet sie vor allem mit kombinierten homöopathischen Mitteln. Eine wichtige Rolle spielt dabei das persönliche Gespräch mit den Patienten. Krankheit sei eine Aufforderung zur Versöhnung. «Ich sehe mich als Stewardess, die die Patienten auf ihrem Weg begleitet. Heilung kann man nur begleiten, man kann sie nicht bewirken.» Im Trailer zum Film sieht der Zuschauer Ojuna Altangerel, wie sie in traditionellen Kostümen ein schamanisches Ritual durchführt. «Ich habe mich lange dagegen gesträubt, dass diese Szene im Film gezeigt wird, doch die Produzenten haben darauf bestanden. Der Grund für die Zurückhaltung: «Diese Rituale haben wenig mit dem zu tun, was ich in der Praxis mache. Es könnte beim Publikum ein falscher Eindruck entstehen. Schamanische Praktiken dienen dazu, meine eigenen Energiereserven wieder aufzufüllen.» Das Heilen koste sie sehr viel Kraft. Orte zur Regeneration finde sie im Appenzellerland. Der Alpstein mit seinen Wassern, Tieren und Pflanzen bilde ihren Kraftort. «In der Natur übe ich mich in Demut. Ich verneige mich vor dem kleinsten Käferchen.»

Werbung hat Ojuna nach eigenen Angaben nicht nötig. Es gebe genug Menschen, besonders Kinder und junge Eltern, die sie als letzte Hoffnung aufsuchen. «Ich bin immer voll ausgebucht.»

Der Kinofilm «Die Gabe zu heilen» wird am Montag, 27. März, um 20.15 Uhr im Kinotheater Madlen in Heerbrugg gezeigt. Ojuna Altangerel-Wodnar wird persönlich anwesend sein.

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