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«Die heftige Kritik hat mich überrascht»

Für Regierungsrat Alfred Stricker sind die personellen Wechsel in seinem Departement Bildung und Kultur nichts Aussergewöhnliches. Trotzdem will er die Empfehlungen der StwK umsetzen. Eine Aufgabe steht dabei im Vordergrund.
Monika Egli, Jesko Calderara
Alfred Stricker wurde 2015 in die Regierung gewählt. Er setzte sich damals unter anderem gegen Monica Sittaro durch. (Bild: CAL)

Alfred Stricker wurde 2015 in die Regierung gewählt. Er setzte sich damals unter anderem gegen Monica Sittaro durch. (Bild: CAL)

Unangemessenes Führungsverhalten, Verzögerungen bei der Erarbeitung des Volksschulgesetzes und ein falsches Management bei Personalkonflikten: Die Staatswirtschaftliche Kommission (StwK) übt in ihrem Bericht 2017 scharfe Kritik an den Vorgängen im Departement Bildung und Kultur. Dessen Vorsteher, Regierungsrat Alfred Stricker, nimmt zu den Vorwürfen Stellung, und erklärt, welche Lehren er daraus zieht.

Alfred Stricker, der StwK-Bericht erweckt den Eindruck grosser Probleme in Ihrem Departement. Haben Sie es noch im Griff?

Ja, das habe ich. Die Entscheide werden zuverlässig umgesetzt. Die personellen Engpässe von 2017 werden bis zum Sommer behoben sein. In meinem Departement wird nach den Vorgaben gearbeitet, die auch die StwK formuliert hat und die mir wichtig sind, nämlich Rechtmässigkeit, Zweckmässigkeit und Wirksamkeit.

Hat Sie die heftige Kritik der Kommission überrascht?

Ja. Als Mitglied der Regierung liegt es aber nicht an mir, die StwK öffentlich zu beurteilen. Diese hat als Kommission die Oberaufsicht über die Regierung und die Verwaltung – nicht umgekehrt.

Der Bericht sei politisch motiviert, kritisierten die Parteiunabhängigen, denen auch Sie angehören, im Kantonsrat. Was ist Ihre Meinung dazu?

Das muss man jene fragen, die das gesagt haben, aber sicher nicht mich.

Dann ist es für Sie kein Thema, dass die StwK-Präsidentin Monica Sittaro 2015 für die Regierungsratswahlen kandidierte und gegen Sie verlor?

Nein, das ist kein Thema.

Drei von sechs Mitarbeitenden aus der Abteilung Volksschule sind 2017 gegangen. Weshalb war die Fluktuation so hoch?

Von einer Abteilung auf das ganze Departement zu schliessen, ist falsch. Im Departement Bildung und Kultur arbeiten in der Verwaltung sowie den beiden Schulen BBZ und Kanti Trogen knapp 300 Personen. Im Amt für Volksschule und Sport gab es 2016 Wechsel wegen Pensionierungen und als Folge davon eine interne Reorganisation. Dass sich Mitarbeitende bei Reorganisationen nach neuen Stellen umschauen, ist nicht ungewöhnlich.

Trotzdem war es in der Abteilung Volksschule die Hälfte der Mitarbeitenden.

Das stimmt und man kann dies werten, wie man will. Aber ungewöhnlich ist es nicht. Manchmal geht es auch um Alterskonstellationen, um die Art und Weise, wie man Tätigkeiten neu aufteilt, und in der Folge, um Bedürfnisse von Fachkompetenzen.

Was fast noch schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass in Ihrer dreijährigen Amtszeit nebst den Abgängen in der Abteilung Volksschule auch ein Departementssekretär und seine Nachfolgerin gegangen sind.

Man kann das interpretieren, wie man will, aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Eine Abteilung und das Departementssekretariat muss man auseinanderhalten.

Trotzdem: Zwei Departementssekretäre in drei Jahren ist viel.

Das kann man so anschauen. Das eine war eine Kündigung nach elf oder zwölf Jahren zuverlässiger Arbeit. Der Weggang der Departementssekretärin war keine Kündigung, weder von ihrer noch von unserer Seite. Es war eine Trennung im gegenseitigen Einvernehmen.

Im Zusammenhang mit der Departementssekretärin hat die StwK den Ausdruck «unangemessenes Führungsverhalten» gebraucht. Das wirft Fragen auf.

Ja, das ist so.

Sie glauben nicht, dass die Abgänge mit Ihrem Führungsstil zu tun haben?

Nach meiner Einschätzung sind die Abgänge hauptsächlich eine Folge der Reorganisation.

Aber «unangemessenes Führungsverhalten» kann schlimme, unangebrachte Vorkommnisse bedeuten.

Stimmt, aber dazu muss man wie gesagt die StwK fragen.

Sie wissen nicht, worauf die StwK anspielte?

Ich kann nur mutmassen. Der Begriff ist nun einmal so formuliert. Auch deswegen hat mich der StwK-Bericht überrascht.

Welcher ist Ihr Führungsstil?

Es gibt verschiedene Arten von Führungsstilen. Am besten gehen Sie zu meinen Kaderleuten und fragen sie.

Im StwK-Bericht fällt der Ausdruck «rigider Führungsstil». Das bedeutet streng, in diesem Zusammenhang ist autoritär vielleicht treffender.

Ich wurde zu diesen Ausdrücken nicht befragt.

Aber würden Sie sich selber als autoritär einschätzen?

Nein.

Also eher kooperativ?

Ich bin dieser Ansicht, ja. Ich führe kooperativ, beziehe meine Leute mit ein und will mit ihnen auf gutem Weg sein. Das ist mein Führungsstil. Offensichtlich sieht die StwK das anders. Der Begriff rigid ist mir auch aufgefallen. Eine Uni in Deutschland formuliert dazu andere Begriffe: konsequent und durchsetzungsstark. In unserem Sprachgebrauch hat rigid einen schalen Beigeschmack.

Kommen wir noch zum Volksschulgesetz. Die Departementssekretärin hat bei diesem Gesetzesentwurf auf Mängel hingewiesen und der kantonale Rechtsdienst hat diese nachher bestätigt; er hat den Entwurf zurückgewiesen. Trotzdem hat man sich von ihr getrennt. Warum?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das steht so auch nicht im StwK-Bericht. Ich betone nochmals: Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt.

Was ist bei diesem Gesetz falsch gelaufen? Wieso hat man es durchgezogen, obwohl es diese Bedenken gab?

Man hat es nicht «durchgezogen». Die Führung eines Gesetzgebungsprozesses liegt grundsätzlich in den Händen des Departementssekretariats, weshalb man juristische Fachleute anstellt. Aufgrund verschiedener Beurteilungen schien es mir sachdienlich, im Sinne einer Standortbestimmung den Rechtsdienst der Kantonskanzlei einzubeziehen, um Fragen zu klären.

Ist es nicht vorgesehen, dass der Rechtsdienst zu einem früheren Zeitpunkt einbezogen wird?

Ich habe ihn einbezogen, als es mir angezeigt erschien. Die Grunderarbeitung eines Gesetzes liegt in der Hand des Departements. Deshalb braucht jedes Departement juristisches Wissen. Erst danach wird der Rechtsdienst beigezogen.

Wie geht es weiter bei der Erarbeitung dieses Gesetzes?

Die Schulen unseres Kantons, das möchte ich betonen, funktionieren auf der Basis des aktuellen Gesetzes rechtskonform. Handlungsbedarf besteht insbesondere bei Begrifflichkeiten. Der Zeitplan wird im neuen Aufgaben- und Finanzplan Ende November im Kantonsrat publiziert.

Gibt es Lehren, die Sie aus dem StwK-Bericht ziehen?

Die Kritik habe ich gehört! Die Aufforderung der StwK zur kritischen Selbstreflexion ist meiner Ansicht nach eine selbstverständliche Aufgabe jeder Person mit Führungsaufgaben.

Und wurde dies bis anhin praktiziert?

Das macht zwingend jeder für sich, wir tun das aber auch im Dialog. Ich werde diese Themen offensiv in internen Kaderweiterbildungen bearbeiten. Wir werden uns Raum schaffen, um uns den Elementen der Führungssensibilität zu widmen.

Das setzen Sie in naher Zukunft um?

Wir haben schon vor Erscheinen des StwK-Berichts Lehren aus diesen Erfahrungen in unseren Alltag eingebaut. Und reichern diese - wo nötig - mit den Erkenntnissen aus der StwK an.

Was ist jetzt das Dringendste?

Das Volksschulgesetz hat oberste Priorität. Im Departement läuft es gut. Ein StwK-Bericht ist ja stets retrospektiv und fusst auf subjektiver Wahrnehmung. Beim Volksschulgesetz habe ich möglicherweise die Menge und Komplexität etwas unterschätzt, ich war auch gar optimistisch beim Zeitplan. Aber ich habe kein Problem damit, das einzugestehen.

Der Inhalt des Berichts war happig. Nimmt einem das nicht die Freude am Amt?

Es sind herausfordernde politische Situationen. Ich habe als Regierungsrat kandidiert, weil ich für die Kantonsbevölkerung gute Arbeit machen will. Diese Freude lasse ich mir nicht so schnell nehmen. Meine Aufgabe ist es, ein guter Regierungsrat zu sein.

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