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«Die Hauptgefahr ist jeder selbst»

Nachgefragt
Peter Diener, Rettungschef der SAC-Rettungsstation Wildhaus-Amden. (Bild: Ralph Ribi)

Peter Diener, Rettungschef der SAC-Rettungsstation Wildhaus-Amden. (Bild: Ralph Ribi)

Einmal Frümsel, einmal Selun, ­gang. Trotz seriöser Vorbereitung und guter Ausrüstung, vor einem Ausrutscher ist niemand sicher. Der Rettungschef der SAC-Rettungsstation Wildhaus-Amden, Peter Diener, nimmt Stellung-

Die Churfirsten sind ein beliebtes Wandergebiet. Mussten Sie diese Saison schon oft ausrücken? Ich musste zweimal ausrücken, einmal am Selun und das andere Mal am Frümsel. Beide Male sind Menschen verstorben.

Am 23. Juli rutschte ein 57-Jähriger in einem Couloir auf dem Weg vom Frümsel zum Selun aus und stürzte ab. Einige Tage später, am 1. August, rutschte ein 58-jähriger Mann über einer Grasflanke am Selun aus und stürzte eine Felswand hinunter.

Werden die Churfirsten oft von Wanderern unterschätzt?

Das kann ich nicht beurteilen, da es keine Zahlen der Wanderer auf die Churfirsten gibt. Unterschätzt werden ganz im Allgemeinen oft die schwierigen Verhältnisse, zum Beispiel wenn Schneereste vorhanden sind oder es frisch geschneit hat. Auch nach längeren Regenperioden wird das Gelände oft zu positiv eingeschätzt.

Wandern liegt im Trend. Verstärkt wird dieser auch durch Fernsehsendungen wie die «Sommertour» auf TVO. Vermitteln die Sendungen vielleicht ein falsches Image?

Ich finde es gut, wenn das ­Wandern im Trend ist. Es freut mich, dass auch viele jüngere Leute und Familien das Wandern für sich entdecken. Denn es braucht keine allzu teure Ausrüstung und die Berge sind kostenlos für jedermann. Aus meiner Sicht ist die Sommertour eine seriöse, gute Sendung. Victor Rohner weist zeitweise auch auf Gefahren hin und ist auch bei schlechter Witterung unterwegs. Die Hauptgefahr ist jeder selbst. Wer wandert, handelt in eigener Verantwortung. Was auch gut ist, nur sollte sich jeder darüber im Klaren sein.

Was ist vor einer Tour zu beachten?

Eine Wanderung sollte seriös ­geplant werden. Entspricht meine Wanderung meinen und vor allem den Fähigkeiten aller Teilnehmer? Wie sind die Verhältnisse, wie wird das Wetter, stimmt meine Ausrüstung, entspricht mein Schuhwerk den Anforderungen, stimmt mein Zeitplan und wann kehre ich besser um? Beim Schuhwerk nützt es nichts, wenn jemand, der sich nicht gewohnt ist, im schneefreien und trockenen Gelände mit schweren steifen Bergschuhen unterwegs ist. Dann ist die Gefahr höher, dass diese Person stolpert.

Eine Statistik des SAC zeigt die Zahl der tödlichen Bergunfälle von 1984 bis heute. Die Zahl bewegt sich immer im selben Bereich, zwischen 88 und 152 Todesfällen. Erstaunlich, denn heute sind bestimmt mehr Leute in den Bergen unterwegs.

Ja, es halten sich bedeutend mehr Menschen in den Bergen auf. Die frühe und schnelle Alarmierung über das Smartphone trägt heutzutage zu einer schnelleren ­Rettung bei und damit zu oft- mals positiveren Ausgängen eines Unfalls. Ich glaube, der grösste Teil der Menschen ist sehr vernünftig und meistens bei idealen Bedingungen unterwegs.

Was ist die Hauptursache?

Nach wie vor ist Sturz oder Absturz die Hauptunfallur­- sache. Das hängt oft mit dem eigenen Verhalten zusam- men. Wenn man überfordert ist, lässt die Konzentration nach. Ablenkung, abnehmendes Gefahrenbewusstsein, man- chmal ungeeignetes Schuhwerk oder Stöcke, die einen mehr behindern als nützen, werden zur Gefahr. (dh)

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