Die Gewässer als Energiequelle

Wasserkraft wird seit Jahrhunderten genutzt. Im Toggenburg sind 21 Kleinkraftwerke am Netz und liefern zusammen erneuerbaren Strom für über 10 000 Haushalte. Das Potenzial der Wasserkraft ist jedoch noch nicht ausgeschöpft, so bestehen in Ebnat-Kappel Pläne für ein neues Kraftwerk.

Jesko Calderara
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TOGGENBURG. Bis ins Jahr 2034 soll alle im Toggenburg verbrauchte Energie aus erneuerbarer Quelle stammen und im Tal selbst produziert werden. Dabei spielt die Wasserkraftnutzung bereits heute eine zentrale Rolle. «Diese Form der Stromerzeugung hat wie in der gesamten Schweiz auch in der Region eine hohe Bedeutung», sagt Martin Eigenmann, Geschäftsleitungsmitglied von Energietal Toggenburg. Es sei nebst Biomasse fast die einzige vorhandene und auch genutzte Energiequelle. «Photovoltaik und Geothermie dagegen spielen erst eine kleine Rolle», ergänzt er. Insgesamt 22 Wasserkraftwerke sind entlang der Thur und deren Nebenbächen in Betrieb. Zusammen liefern sie rund 43,2 Millionen Kilowattstunden Strom und versorgen so über 10 000 Haushalte (siehe Kasten).

Martin Eigenmann betont die Vorteile der Wasserkraft: «Im Vergleich zur Sonnenenergie etwa ist diese Energieform konstanter vorhanden.» Zudem sei deren Nutzung auf effiziente Art und Weise möglich. Erst letzte Woche hat ein Konsortium aus der SAK (St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG) und der ENG (Erneuerbare Energie Nutzungs-Gesellschaft AG) ihr gemeinsames Vorhaben für ein neues Wasserkraftwerk beim Wasserfall Rücht, zwischen Krummenau und Ebnat-Kappel, vorgestellt.

Vorteil für grössere Anlagen

Grundsätzlich gibt es laut Martin Eigenmann im Toggenburg noch zusätzliches Potenzial für den Ausbau der Wasserkraft. «Dieses umzusetzen ist aber aufgrund der heutigen politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen schwierig und gerät schnell in Konflikt mit anderen Schutzinteressen.» Jedoch gibt es auch wirtschaftliche Gründe, die der weiteren Nutzung der Wasserkraft im Wege stehen. Es gelte die Faustregel, dass ein Kraftwerk um so günstiger Strom produziere, je grösser es sei, sagt Martin Eigenmann. «Aufgrund der heutigen billigen Energiepreise ist der wirtschaftliche Betrieb kleinerer Wasserkraftwerke schwierig.» Mögliche Standorte für grössere Anlagen dagegen werden bereits heute weitgehend genutzt.

Sanierung der Wasserkraftwerke

Neben dem Neubau ist die Optimierung bestehender Kraftwerke eine weitere Möglichkeit, die Stromproduktion zu erhöhen. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Einerseits der Austausch veralteter Turbinen und anderseits die Erhöhung des Staudamms. In den letzten zehn Jahren sind im Toggenburg einige Wasserkraftwerke erneuert oder saniert worden, wodurch sich die Energiegewinnung steigern liess. Noch im Gang ist etwa die Sanierung des Kraftwerks Stadtbrücke in Lichtensteig. Dank der Erhöhung des Wehres um einen halben Meter, produziert das Kraftwerk künftig deutlich mehr Strom.

Diesen Schritt bereits hinter sich hat das oberhalb Nesslau gelegene Wasserkraftwerk der Robert Fuchs AG. 2010 und 2011 ist die bestehende Anlage durch einen Neubau ersetzt und gleichzeitig der dazugehörige Stausee verdoppelt worden. Dank der Sanierung produziert das Kraftwerk heute 10 Prozent mehr Energie. Laut der Robert Fuchs AG war die Nachhaltigkeit der Stromproduktion zu steigern und gleichzeitig das Berggebiet zu schützen, aufgrund der restriktiven Vorgaben, eine grosse Herausforderung. Heute arbeitet das Wasserkraft aufgrund der vorgeschriebenen Restwassermenge mit 30 Prozent wenige Wasser als eigentlich möglich wäre.

Mehr Strom mit neuen Turbinen

Auch die Kraftwerk Trempel AG als Betreiberin des grössten Toggenburger Wasserkraftwerks in Krummenau investierte in die Sanierung ihrer fast 90jährigen Anlage. Durch die umfassende Erneuerung 2007 konnte die Produktion auf 8 Millionen Kilowattstunden mehr als verdreifacht werden. Den gleichen Effekt erzielte vor zwei Jahren die Regionalwerk Toggenburg AG als Besitzerin des Wasserkraftwerks Mühlau in Bazenheid. Mit moderneren Turbinen und wegen eines halben Meters mehr Stauhöhe stieg die Energiegewinnung gegenüber des früheren Zustands um das Dreifache an.

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