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Die Fuchsräude breitet sich aus

Rund um das Toggenburg gab es bereits erste Fälle der hochansteckenden Fuchsräude. Wildhüter und Jäger versuchen, die Ausbreitung im Zaum zu halten. Sie raten Tierbesitzern, ihre Katzen und Hunde in nächster Zeit genau zu beobachten und allenfalls den Tierarzt aufzusuchen.
Martina Signer

REGION. Die Räudemilbe «Sarcoptes scabiei» gräbt sich in ihren Wirt unter dessen Haut und legt dort ihre Eier ab. Die Krankheit, bei der sich die Milben in ihrem Träger ausbreiten, führt bei Füchsen innerhalb von drei Monaten zum qualvollen Tod. Unter den Füchsen verbreitet sich die Milbe rasant, ganze Populationen würden dahingerafft, wenn Jäger nicht eingreifen und die Tiere erlösen würden. Im Toggenburg sind bis anhin noch keine Fälle von Fuchsräude bekannt, doch die Krankheit ist nicht weit entfernt. Laut Köbi Rutz, Präsident der Jägervereinigung Toggenburg, sind erste Fälle im Rheintal, sogar schon in Grabs und Gams aufgetreten. Auch in der Bodenseeregion bis fast zur Stadt St. Gallen wurden schon mehrere Tiere erlegt, die von Räude befallen waren.

Juckreiz als Hauptsymptom

Die Fuchsräude kann sich nicht nur innerhalb der Fuchspopulationen ausbreiten, sondern auch auf Hunde und Katzen übergreifen. Werner Scherrer, Leiter der Tierklinik Au in Bütschwil, rät, Stubentiger und Co. genau im Auge zu behalten. «Wenn die Haustiere sich plötzlich ständig kratzen, sollte man den Tierarzt aufsuchen.» Das deute auf eine allergische Reaktion hin. Ob es nun tatsächlich Räude sei, könne unter dem Mikroskop untersucht werden. Dafür entnimmt der Tierarzt beim betroffenen Hund oder der Katze ein Hautgeschabsel. Die Milben sind unter dem Mikroskop deutlich zu erkennen. Die Ausscheidungen der Milben unter der Haut verursachen bei den Füchsen und Haustieren extremen Juckreiz. Bei früher Erkennung der Räude kann die Krankheit bei Hunden und Katzen gut behandelt werden. Das Wildtier Fuchs hingegen stirbt meist rasch an den Folgen der Räude. Die juckenden Stellen entzünden sich durch das Beissen und Kratzen der Füchse, die Milben breiten sich immer weiter aus. Sie ernähren sich von Hautzellen ihrer Wirte und setzen Kot ab. Es kommt zu Haarausfall und das Tier wird immer schwächer.

Laut Werner Scherrer sind geschwächte Tiere bei Räude-Epidemien vermehrt in Siedlungen anzutreffen, da sie nicht mehr die Kraft aufbringen können, ihr Futter selbst zu erbeuten. In Menschennähe sei die Futterbeschaffung einfacher. «Sollte jemand Füchse beobachten, die schwach wirken und allenfalls bereits Haarausfall haben, muss dies unbedingt dem zuständigen Wildhüter oder der ortsansässigen Jagdgesellschaft gemeldet werden», betont Köbi Rutz. Nichts sei wirksamer, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, als wenn man die betroffenen Tiere so früh wie möglich erlösen könne. «Ich rate den Findern von toten Füchsen ausserdem, die Tiere nicht anzufassen.» So unglaublich es nämlich auch klingen mag, die Räudemilbe kann auch auf den Menschen übergehen. Man spricht dabei von Krätze.

«Wenn wir bei Haustieren Räude diagnostizieren, fragen wir immer gleich nach, ob es in der Familie auch jemanden juckt», so Werner Scherrer. Ein besonderes Augenmerk sollten Hunde- und Katzenbesitzer bei ihren vierbeinigen Lieblingen auf den Gesichtsbereich der Tiere legen. Oft sind hier erste Symptome zu erkennen. Generell gilt: Dort, wo die Tiere schwach behaart sind, setzen die Milben wahrscheinlich zuerst an.

Hunde an der Leine behalten

«Wenn man weiss, dass die Fuchsräude umgeht, kann man Vorkehrungen treffen», so Werner Scherrer weiter. Auch er weiss, dass die Krankheit hochansteckend ist und rasch überhandnehmen kann. Es gibt aber zum Schutz von Hund und Katze ein Parasitenmittel, das direkt auf die Haut der Haustiere aufgetragen werden kann. Es schützt gleichzeitig vor anderen Milben, Läusen und Flöhen.

Impfen kann man gegen Räude nicht. Gerade bei Jagdhunden sieht der Tierarzt ein erhöhtes Risiko für Räude. Hunde, die in einen Fuchsbau geschickt werden, kommen mit dort nämlich dem Brutherd der Milben in Kontakt. Ebenfalls rät er, Hunde beim Spaziergang an der Leine zu halten.

Bejagung wird intensiviert

Sollte die Fuchsräude ins Toggenburg überschwappen, ist man in der Region vorbereitet. Vor rund drei Jahren hat es laut Köbi Rutz bereits Fälle von Fuchsräude im Toggenburg gegeben. Nur das schnelle Eingreifen der Jäger konnte eine Ausbreitung der Epidemie verhindern. «Wenn bei uns Fälle auftauchen, intensivieren wir die Bejagung der Füchse», so der erfahrene Jäger. Im Toggenburg spricht er von Hunderten von Füchsen, die sonst elend sterben würden. Die Dichte der Fuchspopulation spielt in der Übertragung der Krankheit eine wesentliche Rolle. Und im Toggenburg ist die Population laut Köbi Rutz im Moment sehr hoch.

Füchse seien zwar relativ standorttreu, doch ihr Revier erstreckt sich dennoch über grosse Flächen, was die Eindämmung der sich rasch ausbreitenden Krankheit zusätzlich erschwert. Da aber im Fall der Fuchsräude keine Meldepflicht besteht, sind die Jäger auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. «Wer verdächtige Füchse sieht, meldet es uns lieber einmal zu viel als einmal zu wenig», macht Köbi Rutz eindringlich klar.

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