Die Frauenkirche und der Kuchen

Fremde Städte hinterlassen Eindrücke. Mit Dresden ist das nicht anders. Elbflorenz, wie Dresden nicht umsonst auch geheissen wird, ist zwar am 13./14.

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Fremde Städte hinterlassen Eindrücke. Mit Dresden ist das nicht anders. Elbflorenz, wie Dresden nicht umsonst auch geheissen wird, ist zwar am 13./14. Februar 1945 fürchterlich zerbombt worden, erstrahlt heute aber wieder in jenem Glanz, den es ganz wesentlich dem kunstsinnigen Kurfürsten August dem Starken verdankt. Ihm begegnet man auf Schritt und Tritt: Er grüsst von Sockeln herunter und blickt einem in den Galerien aus manchen Gemälden entgegen.

Und etliche der im üppigen sächsischen Barock errichteten Prachtbauten wie die in jeder Hinsicht alles überragende Frauenkirche, der Zwinger, die Hofkirche oder das Taschenbergpalais verdankt Dresden zu guten Teilen August dem Starken. Dass ihm als ein dem weiblichen Geschlecht sehr zugetaner Bonvivant auch noch andere Hinterlassenschaften nachzuweisen sind, sei ihm unbenommen und tut im übrigen der Fülle der architektonischen Kostbarkeiten, die unter anderen auch noch die weltberühmte Semperoper oder das Albertinum ergänzen, keinen Abbruch.

Ein Aufenthalt in Dresden lässt sich also gleichsetzen mit permanentem Staunen. Kommt dazu, dass auch das Muffige aus DDR-Zeiten kaum noch wahrzunehmen ist und dass Dresden in kulinarischer Hinsicht über beste Adressen verfügt.

Aber noch anderes hat uns aufmerken lassen. Auf den Tramwagen entdeckten wir beispielsweise Schilder mit der Aufschrift «Hoch hinaus mit den Dresdner Bergbahnen». Dresden und Bergbahnen? Doch, es gibt sie.

Eine Schwebebahn überwindet am Stadtrand eine Höhendifferenz von sage und schreibe 84 Metern, und nebenan bringt es eine Standseilbahn gar auf 96 Meter. Und dann waren da noch diese Reklamereiter in der Innenstadt, aufgestellt von einer Grossbäckerei. «Ein Leben ohne Kuchen ist möglich, aber sinnlos», wurden wir belehrt. Wir haben dieser Sinnlosigkeit zu begegnen gewusst.

Martin Hüsler