Ausserrhoder Regierungsratswahl: Die Frauen bleiben aussen vor

Mit Yves Noël Balmer und Hansueli Reutegger sind zwei offizielle Kandidaten für die Regierungsratswahlen bekannt. Von Frauenkandidaturen ist indes weit und breit nichts zu sehen. Die Enttäuschung – bei den Frauen – ist gross. Die Ratlosigkeit auch.

Bruno Eisenhut
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Derzeit sieht es danach aus, dass im Jahr 2019 keine Frau in den Ausserrhoder Regierungsrat gewählt wird. Marianne Koller-Bohl (2. v. l.) dürfte somit die bisher letzte Frau in der Exekutive bleiben. (Bild: Ralph Ribi (8. Mai 2017))

Derzeit sieht es danach aus, dass im Jahr 2019 keine Frau in den Ausserrhoder Regierungsrat gewählt wird. Marianne Koller-Bohl (2. v. l.) dürfte somit die bisher letzte Frau in der Exekutive bleiben. (Bild: Ralph Ribi (8. Mai 2017))

Der Ausserrhoder Regierungsrat; ein reines Männergremium. Zumindest ist er dies seit dem Rücktritt von Regierungsrätin Marianne Koller und der darauffolgenden Wahl von Volkswirtschaftsdirektor Dölf Biasotto im Jahr 2017. Als die FDP bei den Ersatzwahlen für Marianne Koller keine Frau präsentierte, war der Aufschrei gross. Hüben wie drüben waren sich die politischen Akteure im Appenzellerland einig, dass eine Ausserrhoder Regierung ohne Frau ein «No-Go» sei. FDP-Präsidentin Monika Bodenmann machte damals keinen Hehl daraus, dass sie innerhalb der Partei zahlreiche Frauen angefragt und aus verschiedenen Gründen Absagen für eine Kandidatur bekommen hätte. Anders sah es bei der SVP aus. Die Partei präsentierte mit Ingeborg Schmid eine Kandidatin und zielte mit dem Wahlslogan «Unser MANN für Ausserrhoden» gar auf die bevorstehende Vakanz der Frauen in der Regierung ab. Der Ausgang jener Wahlen ist bekannt: Gewählt wurde mit Dölf Biasotto ein Mann. Bei den Kantonalen Gesamterneuerungswahlen im Februar 2019 komme der Zeitpunkt um das Fehlen der Frauen in der Regierung zu korrigieren, hiess es danach.

Mit den Nominationen von Yves Noël Balmer (SP) und Hansueli Reutegger von der SVP würden zwar zweifelsohne engagierte und fähige Kandidaten aufgestellt, heisst es seitens der Frauenzentrale AR. «Aber bedauernswerterweise wieder keine Frauen», betont Jennifer Abderhalden, Vorstandsmitglied einer der grössten Ausserrhoder Frauenorganisationen. Die Gründe für die fehlenden Frauenkandidaturen eruiert Jennifer Abderhalden nicht in erster Linie bei den Parteien, sondern bei den Frauen. Insbesondere den jüngeren Frauen fehle es an Vorbildern, die es geschafft haben Politik, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Weiter gibt Abderhalden – die beruflich als Stabschefin der Direktion Inneres und Finanzen der Stadt St. Gallen tätig ist – zu bedenken, dass gut ausgebildeten Frauen auch als Teilzeit-Angestellte oftmals besser bezahlte Alternativen in der Arbeitswelt als in der Politik zur Verfügung stehen würden. «Und nicht zuletzt», so die Vertreterin der Frauenzentrale AR «ist eine Kandidatur von der jeweilig herrschenden Lebenssituation abhängig.»

Hin und her gerissen zeigt sich FDP-Präsidentin Monika Bodenmann nach Bekanntwerden der männlichen Kandidaten. Die FDP anerkenne den Sitzanspruch von SP und SVP innerhalb der Regierung, so die Parteipräsidentin. Und auch über die Fähigkeiten der beiden Kandidaten äusserst sich Bodenmann nicht negativ. Viel mehr ist es die Kritik, welche vor zwei Jahren seitens anderer Parteien an die Adresse der FDP getätigt wurde, an der sich Bodenmann stört. Es zeige sich jetzt, dass auch die kritisierenden Parteien Mühe bekunden, um gewillte Frauen zu präsentieren. Ob die FDP zu den bekannten Kandidaten eine Alternative bieten wird, werde an der Delegiertenversammlung im November entschieden, so Monika Bodenmann.

Schon jetzt schliesst die CVP eine Kandidatur kategorisch aus. Deren Präsidentin Claudia Frischknecht betont zwar, dass eine Frauenkandidatur wünschenswert wäre, letztlich aber – unabhängig vom Geschlecht – fähige Leute in den Regierungsrat gehören. Derzeit stehen in der CVP AR keine potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten bereit.

SVP ohne Verständnis, SP mit Kampagne

Wenig Verständnis für die Frauendebatte hat SVP-Präsident Anick Volger. Vor zwei Jahren habe seine Partei mit Inge Schmid eine Frau präsentiert. Das Stimmvolk habe sich jedoch für einen Mann entschieden, das Thema sei somit vom Tisch, so Volger. Nicht vom Tisch ist das Thema Frauenkandidatur bei der SP. Wie schon vor zwei Jahren akzeptiere die Partei auch trotz der Kandidatur eines SP-Mannes den frauenlosen Zustand in der Ausserrhoder Regierung nicht, erklärt SP-Vize-Präsident Jens Weber. Gleichzeitig sagt er, dass die SP momentan nicht über eine passende Kandidatin verfüge. Vor zwei Jahren habe sich die SP selber den Auftrag erteilt, Frauen politisch zu fördern. Im Vorfeld der Nomination seien denn auch mit mehreren Frauen Gespräche geführt worden, letztlich hätten aber alle abgesagt. Mit einer Kampagne versuche die SP, den Frauen die Politik schmackhaft und möglich zu machen. Es sei aber zu erwarten, dass sich der Erfolg dieser Kampagne erst mittelfristig einstelle, so der SP-Vize-Präsident.

Als weiterer politischer Akteur ist der Verein der Parteiunabhängigen (PU) zu nennen. Auch dessen Präsident Andreas Zuberbühler stört sich an den fehlenden Frauenkandidaturen. Er gibt aber auch zu bedenken, dass das Geschlecht nicht das einzige Kriterium für eine Kandidatur sein könne. Ob die PU eine Frau ins Rennen schicken wollen, kann Andreas Zuberbühler derzeit nicht beurteilen. «Dies hängt davon ab, ob sich eine parteiunabhängige Frau am aktuellen Zustand stört und kandidieren will», so der PU-Vereinspräsident.