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Die Frau mit den drei Augen

«Konfuzius hätte sich hier wohl gefühlt», sagt Yu Hao. Die Wahlurnäscherin mit chinesischen Wurzeln ist eine Alleskönnerin. Bei ihrem ersten Besuch im Appenzellerland glaubte sie sich in einem Märchenland.
Christa Wüthrich

ZÜRICH/URNÄSCH. Eigentlich hat die Chinesin Yu Hao drei Augen. Ihre zwei dunklen, freundlich blitzenden und das ihrer Kamera. Zu dritt sind sie seit Jahren ein eingespieltes Team, eine unzertrennliche Einheit. Denn die Filmemacherin und Wahlurnäscherin hat ihre Filmkamera immer und überall dabei: sei es bei einer Vernissage in der chinesischen Provinz oder beim Alpaufzug im Appenzeller Hinterland. «Bis heute habe ich an die 180 Filme mit Impressionen aus dem Appenzellerland und China gefüllt. Nun verarbeite ich sie zu einem Film über die beiden Kulturen. Ende 2013 sollte er fertig sein», erklärt die 35jährige Chinesin.

Ob Aufnahme, Schnitt oder Drehbuch – Yu Hao zeigt sich als Alleskönnerin. Erworben hat sie diese Fähigkeiten während ihrer Zeit beim chinesischen Staatsfernsehen. Sie war damals nicht nur verantwortlich für verschiedene Programme, sondern auch hinter der Kamera aktiv. «2002 reiste ich für eine Reportage über Davos, Zürich und das Appenzellerland in die Schweiz», erinnert sich Yu Hao. «Die Freundlichkeit der Leute, die unberührte Natur und die Vielfalt der Kultur haben mich tief beeindruckt. Für mich war es wie ein Besuch in einem Märchenland», blickt Yu Hao zurück. So tief, dass sie Urnäsch zu ihrer Wahlheimat machte.

Kopfzerbrechen und Bauchweh

Doch wie tief sitzen der Kulturschock und das Heimweh, wenn man von der Millionen-Metropole Peking ins 2000-Seelen-Dorf Urnäsch zieht? Yu Hao lächelt und nippt an ihrem Tee. «Die Menschen und ihre Kultur kann man nur verstehen, wenn man ihre Sprache spricht», erklärt sie in perfekter Schriftsprache. Das Appenzellerland biete für sie die Chance, enorm viel zu lernen – und diese Möglichkeit möchte die Chinesin auf keinen Fall verpassen. Direkte Kommunikation ist nun möglich und bereitet ihr kein Kopfzerbrechen mehr. Auch das anfängliche Bauchweh ist verschwunden. Denn Yu Haos Magen war sich weder Salat noch Käse gewohnt.

Ob kulinarisch oder kulturell – Urnäsch und Peking seien zwei verschiedene Welten. Doch Heimweh hat die Asiatin keines. «In Urnäsch fühle ich mich wohl. Vielleicht weil viele Aspekte der chinesischen Philosophie im Appenzellerland noch gelebt werden: Ein Dasein im Einklang mit der Natur, Respekt dem Leben gegenüber, aber auch Zufriedenheit, Einfachheit, «Verwurzelt-Sein». «In China vermisse ich diese Ruhe, diese Harmonie. Es fehlt die Zeit, innezuhalten, zu überlegen – oder in den Worten von Konfuzius gesagt: <Von Natur stehen die Menschen einander nahe, durch Übung entfernen sie sich voneinander.> Konfuzius hätte sich im Appenzellerland sicher wohl gefühlt.»

Kultureller Austausch

Seit 2006 ist Yu Hao Kuratorin im Haus Appenzell in Zürich. Der kulturelle Austausch zwischen dem Appenzellerland und China und die gegenseitige Inspiration von einheimischen Künstlern stehen im Zentrum ihrer Arbeit. Vor vier Jahren wurden Scherenschnittkünstler und Künstlerinnen aus China ins Appenzellerland eingeladen. Entstanden sind unzählige Werke; feinste Scherenschnitte aus chinesischer Hand, welche Silvesterchläuse, Alpaufzüge oder die Fronleichnamsprozession darstellen. Kulturaustausch und Perspektivenwechsel in einem. Die Arbeiten wurden 2009 im Rahmen der Ausstellung «Wenn Ost und West sich begegnen» in Zürich präsentiert und 2010 auch in Peking und Hangzhou gezeigt.

Für Yu Hao steht im Moment jedoch die nächste grosse Ausstellung im Fokus. «Landleben gemalt» zeigt Bauernmalerei aus verschiedenen Provinzen Chinas, dem Toggenburg und dem Appenzellerland. «Die Ausstellung befasst sich mit der Welt der Bauern. Sie versucht, Gemeinsamkeiten, aber auch Gegensätze zwischen der Volkskunst aus China und derjenigen rund um den Säntis aufzuzeigen. Technik und Darstellung könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch findet man Parallelen», erklärt die Kuratorin. Gezeigt werden ab dem 26. Oktober 2012 im Haus Appenzell an die 160 Bilder von rund 40 einheimischen und chinesischen Malern.

www.hausappenzell.ch

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