SCHADENFALLSTATISTIK
Gülle, Abfälle, Benzin: Was die Ausserrhoder Umwelt im letzten Jahr verschmutzt hat

Im Vergleich zum Vorjahr gab es in Ausserrhoden 2020 mehr Schadenfälle, wie die neue Schadenstatistik des Amts für Umwelt zeigt. Gülle und Abfälle führten am häufigsten zu Schadenfällen. Im siebten Jahr in Serie kommt es im Kanton zu einem Fischsterben.

Yann Lengacher
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2020 ereignete sich im siebten Jahr in Serie ein Fischsterben in Appenzell Ausserrhoden.

2020 ereignete sich im siebten Jahr in Serie ein Fischsterben in Appenzell Ausserrhoden.

Bild: Hans Mathys

29 Schadenfälle verzeichnete der Schadendienst des Amts für Umwelt für das Jahr 2020. Die kürzlich erschienene Schadenstatistik weist damit vier Fälle mehr als im Vorjahr aus. Als Schadenfälle gelten ausserordentliche Ereignisse, welche die Umwelt gefährden können. Dazu zählen Verschmutzung von Luft, Boden oder Wasser.

Als «Andere» gelten Ereignisse unbekannter Herkunft wie Verfärbungen, Trübungen oder Schaumereignisse in Fliessgewässern. Zudem fallen natürliche Ereignisse wie Hangrutsche in diese Kategorie.

Als «Andere» gelten Ereignisse unbekannter Herkunft wie Verfärbungen, Trübungen oder Schaumereignisse in Fliessgewässern. Zudem fallen natürliche Ereignisse wie Hangrutsche in diese Kategorie.

Quelle: Amt für Umwelt AR

Landwirtschaft verursacht am meisten Schadenfälle

19-mal kam es im vergangenen Jahr zu einer Gewässerverschmutzung. Das sind drei Fälle mehr als 2019. Wie lange ein Gewässer durch eine Verschmutzung geschädigt bleibt, ist unterschiedlich und hängt auch vom Schadstoff ab. Setzt sich beispielsweise ein Insektizid langfristig im Sediment eines Bachs ab, schadet dies dem Gewässer und den Fischen massiv und langfristig.

Mit acht Schadenfällen hat 2020 die Landwirtschaft am meisten Schadenfälle verursacht. Industrie und Gewerbe standen zusammen siebenmal als die Verursacher fest. Ebenfalls siebenmal konnte kein Verursacher identifiziert werden. Je später ein Schadenfall entdeckt wird, desto schwieriger wird für die Behörden die Identifikation der Ursache. Wer eine Verschmutzung feststellt, meldet dies der Kantonspolizei. So ist es am wahrscheinlichsten, den Ursprung zu finden und den Schaden einzudämmen.

Fischsterben-Serie setzt sich fort

Besonders bei Fischsterben bleibt die Ursache oft ungeklärt. Bei 13 der 23 Fischsterben, die sich seit 2004 im Kanton ereignet haben, war dies der Fall. Seit 2004 waren Industrie und Gewerbe in rund 160 Fällen für Gewässerverunreinigungen oder Verstösse gegen das Gewässerschutzgesetz verantwortlich. Rund 100-mal konnte man Gewässerverschmutzungen der Landwirtschaft zuordnen, in 50Fällen führte alkalisches Betonabwasser oder Bohrschlamm zu einer Verschmutzung. Die Zahl der Fischsterben ist im Vorjahresvergleich von vier auf eins gesunken. Wer auf die Zahlen der vergangenen Jahre blickt, wird aber feststellen: Seit 2014 kommt es jedes Jahr mindestens einmal zu einem Fischsterben. Zwischen 2004 und 2013 weist die Statistik nur in drei Jahren Fischsterben aus.

Warum es in den vergangenen sieben Jahren häufiger zu Fischsterben kam, könne man nicht abschliessend beantworten, heisst es beim Amt für Umwelt. Möglicherweise schaue man heute einfach genauer hin: Die Fischereiaufsicht wurde in den letzten Jahren intensiviert und die Bevölkerung sei sensibilisiert. Fischsterben können neben Verschmutzungen durch den Menschen natürliche Ursachen wie Krankheiten oder zu hohe Temperaturen haben.

Sensibilisierungskampagne sei dringlich

Dass es in den letzten Jahren immer wieder zu Fischsterben gekommen ist, hat man beim Kanton aber registriert. In der im Vorjahr erschienenen Fliessgewässeruntersuchung schreibt er, dass eine Sensibilisierungskampagne wegen der häufigen Fischsterben dringlich erscheine. Auf die Frage, ob eine solche Kampagne geplant ist, verweist das Amt für Umwelt darauf, dass Sensibilisierung eine Daueraufgabe sei. Man gelange über die Medien und Newsletter an die Bevölkerung.

Aktuell plant die Gemeinde Herisau via Lokalzeitung auf das Thema Gewässerverschmutzung aufmerksam zu machen. Grund dafür ist die Häufung der Schadenfälle in der Glatt. So ereignete sich das Fischsterben 2020 in der Glatt bei Herisau. Im September fand man damals 60 tote Bachforellen. Ursache für deren Ende war vermutlich ein Autowaschmittel, das über die Meteorwasserkanalisation in den Fluss gelangen konnte.

Dass der Klimawandel Extremwetterereignisse wie Trockenheit wahrscheinlicher macht, gilt als gesichert. So stellt sich die Frage, ob die Fischsterben der letzten Jahre auch durch den Klimawandel begünstigt wurden. Fische sind in wärmeren Gewässern oder bei geringer Wasserführung durch Trockenheit empfindlicher für Verschmutzungen. Dies trifft insbesondere auf die Bachforelle zu, die in den Ausserrhoder Fliessgewässern lebt. Sie ist auf kühles und sauerstoffreiches Wasser angewiesen. Ob ein Zusammenhang mit dem Klimawandel bestehe, ist gemäss Kanton noch offen. Obwohl es in den letzten Jahren häufiger zu Fischsterben gekommen ist, habe sich der Zustand der Gewässer zwischen 2013 und 2019 verbessert.