Die Figur als Mittelpunkt

Die Ausserrhodische Kulturstiftung vergab 2010 an zehn Kunstschaffende insgesamt 80 000 Franken in Form von Werk- und Förderbeiträgen. Wir stellen die Kunstschaffenden vor. Heute: Die Autorin Rebecca Christine Schnyder.

Markus Fässler
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Wald/Bern. Irgendeine Tätigkeit, die mit Sprache zu tun hat, wird es wohl werden. Einen solchen oder ähnlichen Gedanken könnten die Eltern von Rebecca Christine Schnyder gehabt haben. Denn ihre Tochter konnte bereits im 1. Kindergarten lesen und schreiben. So entstanden in der 1. Primarschulklasse die ersten Gehversuche der späteren Theaterautorin. «Während die anderen schreiben lernten, habe ich Geschichten geschrieben, damit es mir nicht langweilig wird», sagt Rebecca Christine Schnyder. So hätten dann auch immer alle Verwandten und Freunde auf Geburtstage und Weihnachten Geschichten als Geschenke bekommen, fügt sie an und lacht.

Zeitintensiv

Dass sie mit der Sprache später einmal ihr Geld verdienen will, war für die in Wald aufgewachsene 24-Jährige klar. Daher folgte nach der Kanti Trogen der logischste aller Studiengänge – Germanistik. Dafür zog sie nach Bern und studierte zusätzlich Theaterwissenschaften. Als sie allerdings anfangs 2008 als Regieassistentin am Theater Bern eine Stelle fand, «hat sich das mit dem Studium erledigt», wie Schnyder sagt.

Dennoch habe sie von der intensiven Auseinandersetzung mit der Literatur viel für ihr Schreiben profitiert. Seit 2009 ist sie freischaffende Autorin, die sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Es sei schwer, mit dem Schreiben Geld zu verdienen. Denn es müsse sehr viel Zeit investiert werden, sagt sie. Zeit, die sich lohne. Erste Texte der Autorin sind bereits veröffentlicht worden. Dazu gehört auch «Schiffbruch», mit dem Schnyder letzten Sommer an das Interplay Europe Festival in die Türkei eingeladen wurde.

Fragen zum Leben

Mit dem Werkbeitrag der Ausserrhodischen Kulturstiftung kann sich Rebecca Christine Schnyder sechs Monate lang aufs Schreiben konzentrieren. «Mit den Nebenjobs und sehr bescheiden lebend, funktioniert das», sagt sie. Über den positiven Bescheid hat sie sich derart gefreut, dass sie in die Apotheke in ihrem Wohnhaus geeilt ist, um ihre Freude mit jemandem zu teilen. «Es war sonst niemand da, aber ich musste es einfach jemandem mitteilen.» Die Ausserrhodische Kulturstiftung schreibt, dass die 24-Jährige in ihren Theatertexten wie etwa «Schiffbruch» oder «Über dem Tal» in maximaler Lakonie die Menschen zusammenbringt. «Das liegt wohl daran, dass ich mir selber sehr viele Fragen zum Leben stelle. Es sind Fragen, die viele Menschen bewegen. So entsteht automatisch eine Verbindung zwischen den Figuren auf der Bühne und dem Publikum», sagt Rebecca Christine Schnyder. Zudem sei es für sie immer klar gewesen, dass bei ihren Texten die Figur als solches im Mittelpunkt stehe.

Nach Wald verschlägt es Schnyder nur noch gelegentlich. «Wald ist für mich ein nostalgischer Punkt aus der Vergangenheit.» Trotzdem verbringt sie wegen ihres Verlobten, der aus Teufen stammt, viel Zeit im Appenzellerland, das sie nach wie vor als «Heimat» bezeichnet.

Nächstes Projekt aufgegleist

Das nächste Projekt von Rebecca Christine Schnyder ist bereits in Bearbeitung. Hat die Ausserrhoderin zwischen Gelegenheitsjobs, Schreiben und Pendeln zwischen Bern und dem Appenzellerland eine Minute für sich, trifft man sie in einem Restaurant beim Kaffeetrinken mit Freunden – «meine grosse Leidenschaft.»

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