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Kantönligeist oder doch wohlwollende Neckerei? Die Unterschiede der beiden Appenzell

Das Appenzellerland teilte sich um 1597 in die Kantone Ausserrhoden und Innerrhoden. Unterschiede sind insbesondere im Dialekt und bei den Trachten sichtbar. Gleichzeitig fungieren beide Beispiele als gemeinsames Kulturgut, das es zu bewahren gilt.
Salome Bartolomeoli
Die Vielfalt beider Appenzell spiegelt sich auch in der Bekleidung wieder. Je nach Anlass und Wochentag wählen die Trachtenträgerinnen und Trachtenträger ihre traditionelle Kleidung. (Bild: APZ)

Die Vielfalt beider Appenzell spiegelt sich auch in der Bekleidung wieder. Je nach Anlass und Wochentag wählen die Trachtenträgerinnen und Trachtenträger ihre traditionelle Kleidung. (Bild: APZ)

Die Unterschiede von Ausserrhoden und Innerrhoden führen immer wieder zu klischeehaften Abgrenzungen der beiden Kantone. Der gemeinsame Nenner – Brauchtum, Musik und der Alpstein – schweisst sie hingegen wieder zusammen. Sei es nun ein Miteinander oder Nebeneinander; die Vielfalt ist eine Eigenheit des Appenzellerlandes, die sich gerade durch das Bestehen der zwei Kantone entfaltet. In verschiedenen Bereichen setzen sich Leute für das Bewahren der Appenzeller Kulturgüter wie beispielsweise den Dialekt oder die Trachten ein.

Einer davon ist Hanueli Zuberbühler. Seit dem Jahr 1962 befasst er sich mit den Eigenheiten des Ausserrhoder Dialekts. Sein Schaffen erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Begonnen hat er ursprünglich mit dem Sammeln von Sprüchli und Liedern in der Mundart. Ein Blick in die Sprüchlisammlung, die vor ihm liegt, zaubert dem 87-Jährigen ein Lächeln ins Gesicht: «Auswendig kann ich sie nicht mehr alle aber einige kenne ich noch.» Lange arbeitete er daraufhin an seiner «Appenzeller Grammatik»; einer Sammlung, die die Vielfalt der Ausserrhoder Mundart festhalten und unterscheiden soll.

«Ich hatte immer zum Ziel, den Dialekt zu erhalten und die Vielseitigkeit zu pflegen», sagt Zuberbühler.

Wer eine Affinität zu Appenzeller Dialekten hat, kann in Appenzell Ausserrhoden zwischen Hinterländer-, Mittelländer-, Vorderländer- und Kurzenberger-Dialekt unterscheiden. Zuberbühler erkennt im Gespräch anhand sprachlicher Besonderheiten den groben Herkunftsort seines Gegenübers:

«Den Kurzenberger-Dialekt erkenne ich sofort. Er weist besonders viele abweichende Eigentümlichkeiten auf.»

Auffällig ist beispielsweise die Breite der Sprache aufgrund des langgezogene Vokals «a». Die Dialekte einzelner Dörfer zu unterscheiden, sei aufgrund von Uneinheitlichkeiten wesentlich schwieriger.

Im Rahmen der «Weiterbildung Vorderland AR» bot Zuberbühler einen Appenzeller Mundart-Kurs an. An vier Abenden standen die Lektüre und die Schreibweise der Mundarten des Hinter-, Mittel- und Vorderlandes im Fokus. «Die richtige Schreibweise ist ein stets diskutiertes Problem», gibt Zuberbühler zu. Trotz diverser Publikationen seien die Dialekt-Laute nicht immer einfach auf Papier zu bringen. Dass solche Kurse für Neuzuzügler angeboten werden können, glaubt Zuberbühler nicht: «An dem Kurs nahmen mehrheitlich Dialektinteressierte und Bekannte teil.»

Auch er musste sich schon anpassen

Nicht sein ganzes Leben wohnte der 87-Jährige im Appenzellerland. Zusammen mit seiner Frau Hedi Zuberbühler verbrachte er einige Zeit in den USA. Er sammelte Erfahrungen mit einer Sprache, die er zu Beginn seines Aufenthaltes kaum verstand. Davon geprägt, entwickelte sich sein Bewusstsein, dass der sprachliche Ausdruck ein wichtiger Faktor von Kultur und Identität ist. Einmal musste sich aber auch der Appenzeller anpassen:

«Als ich einige Zeit in Zürich wohnte, verstanden einige Leute den Begriff «Mektig» für «Mittwoch» nicht oder haben gar gelacht.»

Ein bisschen an die Region angleichen müsse man sich darum schon. Unterdessen sind die Dialekt-Arbeiten bei Zuberbühler, aufgrund seines Älterwerdens, in den Hintergrund gerückt. Einen Teil seiner Sammlung habe er dem Appenzeller Schauspieler Philipp Langenegger vermacht, der heute auf seine Art den Dialekt pflege. Die Erhaltung des Dialekts büsste nicht an Wichtigkeit ein obwohl heute immer weniger Leute Ausserrhoder Dialekt sprechen würden, meint Zuberbühler. Er erklärt sich die rückläufige Tendenz mit der zunehmenden Orientierung an den Städten:

«Besonders in Herisau ist der Dialekt deutlich von St. Gallen geprägt».

Auch die Schulen würden eine grosse Rolle spielen: «Die Jungen sprechen untereinander St. Galler Dialekt.» Seine Frau ist optimistischer, was die Zukunft des Ausserrhoder Dialekts angeht: «Ich denke nicht, dass er aussterben wird», so Hedi Zuberbühler. Es gebe auch heute immer wieder junge Leute, die die Tradition pflegen.

In Innerrhoden sei die Problematik weniger aktuell und der Dialekt in der Bevölkerung präsenter. Er sei prägnanter und dadurch einfacher vom St. Galler Dialekt abzugrenzen.

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