Die Fechtkarriere von Nevio Fux begann mit einem Holzstecken

Der 13-jährige Niederteufner Nevio Fux gehört zu den besten Schweizer Fechtern seiner Altersklasse.

Lukas Pfiffner
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Nevio Fux beim Training. (Bild: Lukas Pfiffner)

Nevio Fux beim Training. (Bild: Lukas Pfiffner)

«Ich besuchte die Waldschule und habe immer wieder Stecken nach Hause gebracht, mit denen ich herumgefuchtelt habe», erzählt Nevio Fux. Sechs Jahre alt war er da. Seine Mutter und er hätten dann geschaut, was sportlich vielleicht etwas für ihn wäre. So ergaben sich Kontakte zum Fechtclub St. Gallen. Er habe dort geschnuppert, und es habe ihm gefallen.

Technik, Beinarbeit und Kampfgeist

Nevio Fux (Bild: Lukas Pfiffner)

Nevio Fux (Bild: Lukas Pfiffner)

Jetzt ist Nevio 13 Jahre alt, und er gehört in seiner Altersklasse zu den besten Fechtern der Schweiz. Die grössten Erfolge waren die IBF-Gesamtsiege 2016 und 2018. IBF steht für Internationale Bodenseefechterschaft, dies ist der Zusammenschluss deutscher, österreichischer und schweizerischer Fechtvereine. «Du brauchst beim Fechten eine gute Technik und Beinarbeit, du kannst den Kampfgeist entwickeln. Das gefällt mir», sagt Nevio Fux. Mit dem Kader trainiert er in Zürich Drei Fechttrainings pro Woche absolviert der Nachwuchsmann aus Niederteufen. Am Montag- und Donnerstagabend steht er bei seinem Club in der St. Galler Volksbadturnhalle.

Kadertraining in Zürich

Am Mittwochnachmittag reist er mit einem Vereinskollegen im Zug nach Zürich und nimmt am Training des U14-Kaders des Schweizer Verbandes («Swiss Fencing») teil. Als Angehöriger der Sportlerschule Appenzellerland absolviert er vier zusätzliche wöchentliche Trainingseinheiten. «Da arbeiten wir vor allem im Kraftbereich, in der Athletik und in der Beweglichkeit.» Er besucht die zweite Oberstufe. Die Vereinbarung zwischen der Sportlerschule und der Sekundarschule Teufen ermöglicht es ihm, in gewissen Lektionen zu fehlen.

Verletzungen, nicht vom Fechten

Seine grösste Stärke? «Er hat immer noch Spass am Fechten, ist aber auch mit der nötigen Ernsthaftigkeit dabei», sagt Edwin Lachiga, Cheftrainer im Club. «Nevio ist in einem kritischen Alter. Leider hören manche Fechterinnen und Fechter früh auf, zu früh. Nevio weiss, dass es auch schwierige Momente geben kann. Die gehören dazu.» Quasi als Vorbereitung auf die nächsthöhere Kategorie (U17) trete er manchmal schon gegen deutlich ältere und grössere Fechter an, erzählt Trainer Lachiga. Fux musste auch gesundheitliche Rückschläge verkraften. Beim Sturz von einem Zaun hat er sich vor gut einem Jahr das eine Handgelenk gebrochen, bei einem Missgeschick als Snowboarder im Winter das andere. Vier respektive sechs Wochen musste der Nachwuchssportler pausieren. «Doch, ich fahre weiter Snowboard. Aber ich passe besser auf», sagt er.

Randsportart Ja, ein Exot Nein

Die Fechtsaison dauert von September bis Juni. Zwei oder drei Turniere bestreitet Fux pro Monat, meist begleitet und betreut von der Mutter. Sie und Nevio sind sich grössere Reisen an den Wochenenden gewohnt: Turniere finden nicht nur in Zug, Schaffhausen, Zürich oder Luzern statt, sondern auch in Orten wie Genf, Sion, Lausanne oder Morges.  «Für grössere Wettkämpfe bilden wir Fahrgemeinschaften. Dann ist Edwin Lachiga als Coach ebenfalls am Turnier anwesend, manchmal auch ein anderer Trainer des Clubs», erzählt Gabriele Fux. Sie gehört als Mitgliedervertretung und Elternrat dem Vorstand des Fechtclubs an. Nevios älterer Bruder betreibt die Sportart nicht.

Nein, als Exot fühle er sich nicht, auch wenn er eine Randsportart ausübe, die an der Schule wenig bekannt sei, sagt er. Die Kollegen und Kolleginnen interessieren sich eher für den «anderen» FCSG, jenen mit dem Ball am Fuss. «Fechten? Aha, das ist der Sport, bei dem man so herumfuchtelt», würden sie manchmal sagen. Diese Einschätzung wird zwar der Komplexität der Sportart nicht gerecht, sie lässt Nevio Fux aber immer wieder an seine Anfangszeit denken.