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Die Fabrik am Rotbach in Bühler feiert ihr 30-jähriges Bestehen mit zahlreichen Gästen

Am Samstag konnte die Bevölkerung einen Blick hinter die Kulissen dieser besonderen Wohn- und Arbeitsform werfen.
Karin Erni
Architekturkritiker Benedikt Loderer fesselte die Zuschauer mit seinen Thesen.Bild: Karin Erni

Architekturkritiker Benedikt Loderer fesselte die Zuschauer mit seinen Thesen.Bild: Karin Erni

Zahlreiche Autos in der langen Kolonne Richtung Alpstein setzten am Samstagmorgen kurz vor dem Dorf Bühler den rechten Blinker und verliessen die Hauptstrasse. Blaue Ballone wiesen ihnen den Weg zur Fabrik am Rotbach. Diese feierte anlässlich des Tages des Denkmals ihr 30-jähriges Bestehen mit zahlreichen Aktivitäten auf dem Gelände.

Der bekannte Architekturkritiker Benedikt Loderer lockte mit seinem Vortrag zum Thema «Erblast der Moderne» trotz schönsten Wetters rund 50 Interessierte ins Festzelt. Mit einem Leuchtmarker, der stellvertretend für den ersten Menschen stand, führte er durch die Geschichte der Architektur von Babylon bis Berlin, die «bis vor 100 Jahren eine Geschichte von Innen-, Aussen- und Zwischenraum war», wie er unter Zuhilfenahme von Kartonschachteln erläuterte. Erst die Moderne habe den Zwischenraum abgeschafft. «Seither liegt jedes Haus wie eine gestrandete Arche auf dem Grundstück, jedes abgewandt vom Nachbarhaus.» Das nenne sich dann Agglomeration, sagte der 74-Jährige, der sich auch als ältester junger Grüner der Schweiz bezeichnet. «Die Agglomeration müssen wir akzeptieren. Sie ist vorhanden.» In den letzten 70 Jahren sei in der Schweiz mehr gebaut worden als in den Jahrhunderten seit der Römerzeit. Das sei Verschwendung und könne nicht so weitergehen. Sein Rezept heisst «Verdichten, und den Zwischenraum wieder einführen.» Die Agglomeration sei nur über den Zwischenraum zu retten, zeigte sich der Gründer Zeitschrift Hochparterre überzeugt.

Verdichtung könnte auch hier Thema werden

Guido Koller, der heutige Besitzer der Fabrik am Rotbach, würdigte das Werk des Gründers Ruedi Zwissler, der ebenfalls unter den Gästen weilte, als unglaubliche Leistung. Er rollte noch einmal die wechselvolle Geschichte der ehemaligen Bleicherei in der Au auf, die 1989 von Ruedi Zwissler in heruntergekommenem Zustand gekauft und mit grossem persönlichem und finanziellem Aufwand respekt- und schonungsvoll renoviert wurde. 1994 stellte die Denkmalpflege den Komplex als regional bedeutendes Bauwerk unter Schutz.

Die von Loderer angeregte innere Verdichtung des Fabrikareals werde er prüfen, versicherte Guido Koller. In den grossen und hohen Räumen, die teilweise nur von wenigen Personen bewohnt würden, gäbe es entsprechende Möglichkeiten. Als nächsten Schritt werde er eine zentrale Erdsondenheizung einbauen, sagte Koller. «Damit sparen wir 42000 Liter Heizöl pro Jahr ein.»

Interessantes über Internierte

In einem Vortrag des Historikers Thomas Fuchs erfuhren die Besucher Interessantes über die früheren Bewohner der Fabrik am Rotbach. Während des Zweiten Weltkriegs waren in den als Quarantänestation genutzten Räumlichkeiten für kurze Zeit mehrere Hundert ausländische Staatsangehörige interniert. Nebst Militärpersonen waren darunter auch Zivilpersonen, die vor den Nazis geflüchtet waren.

Eine gute Quelle bildete für Fuchs das Erinnerungsbuch des damaligen Lagerkommandanten Alois Eberhard, in welchem sich unter anderem vier Künstler mit hochstehenden Zeichnungen verewigt hatten. Der bekannteste unter ihnen ist der Flame Albert Servaes. Der Expressionist hat die grossformatigen Fresken in der ehemaligen Lagerkapelle geschaffen, die an diesem Tag öffentlich zugänglich waren. Auch eine Wand in der katholischen Kirche Teufen wurde von ihm gestaltet.

Neugierige konnten einen ersten Blick auf die In-Situ-Installation der Gebrüder Riklin werfen. Im Keller steht eine Badewanne im Bignik-Look, die diese Woche der Öffentlichkeit offiziell vorgestellt werden soll.

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