Die Erfahrung macht es möglich

Beim neuen Hauptsitz der Swatch-Group in Biel kommt Appenzeller Holzbau-Know-how zum Einsatz: Hermann Blumer hilft dem japanischen Architekten Shigeru Ban, seine ausgefallenen Pläne zu verwirklichen. Das Duo hat bereits mit dem Centre Pompidou eine Attraktion geschaffen.

Johannes Wey
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Das geschwungene Dach aus einem Holzgeflecht soll das Wahrzeichen des neuen 150 Mio. Franken teuren Swatch-Hauptquartiers in Biel werden. (Bild: pd)

Das geschwungene Dach aus einem Holzgeflecht soll das Wahrzeichen des neuen 150 Mio. Franken teuren Swatch-Hauptquartiers in Biel werden. (Bild: pd)

HERISAU. Ein grosser Wurf für Hermann Blumer von der Création Holz GmbH in Herisau: Zusammen mit dem japanischen Architekten Shigeru Ban soll er in Biel das neue Hauptquartier der Swatch Group bauen. «Das ist mein bisher mit Abstand grösster Auftrag», sagt der Holzbauingenieur, obwohl er schon an zahlreichen spektakulären Projekten mitgewirkt hat: Das Centre Pompidou im französischen Metz, das Golfclubhaus Haesley in Korea oder die Princess-Elisabeth-Forschungsstation in der Antarktis. Gegenwärtig beschäftigt sich Blumer ausserdem mit dem Neubau des Tamedia-Sitzes in Zürich.

Das Zweimannbüro von Hermann Blumer und Heinz Jucker wäre ohne Unterstützung von aussen nicht in der Lage, den Swatch-Grossauftrag zu bewältigen. «Wir haben ein gutes Umfeld, auf das wir zurückgreifen können. Auf diesem Gebiet sind wir weit über die Landesgrenzen hinaus ausserordentlich gut vernetzt», erklärt Blumer. Für die Holzbau-Ingenieurarbeiten bei diesem Projekt ist deshalb die SJB.Kempter.Fitze AG aus Herisau verantwortlich.

Der Mann für das Unmögliche

Mit dem japanischen Architekten hat Blumer bereits beim Bau des Centre Pompidou zusammengearbeitet: «Damals war man der Meinung, dass Bans Pläne für das Holzdach unmöglich umzusetzen seien. Da hat mich die beteiligte deutsche Holzbaufirma angerufen, ob ich mich nicht mit Ban treffen könnte.» Seine Lösung rettete schliesslich das ursprüngliche Konzept, erklärt Blumer sichtlich stolz. Dem Holzbauingenieur war es dank seiner Erfahrung gelungen, die auf den ersten Blick unmöglich zu verwirklichenden Zeichnungen Bans in die Tat umzusetzen, und dabei nahe an der ursprünglichen Idee des Architekten zu bleiben. «Meine Erfahrung erlaubt es mir, Dinge zu tun, die neu sind.» Dabei reizt er stets neue Grenzen aus: «Wir bewegen uns in einem Gebiet, in dem man kaum ahnt, was mit Holz wirklich alles möglich ist», sagt Blumer.

Hayek schnell überzeugt

So wollte der japanische Architekt den Ausserrhoder mit im Boot haben, als er am Architekturwettbewerb für den neuen Swatch-Hauptsitz teilnahm. Nach der ersten Präsentation war die Jury derart überzeugt, dass das Vergabeverfahren sogar abgekürzt wurde.

Offenbar habe Nick Hayek junior sehr spontan mitentschieden. «Er ist immer sehr pragmatisch. Wenn er von einer Idee überzeugt ist, setzt er diese in die Tat um.»

Die grösste Herausforderung für die Planer stellt beim Swatch-Gebäude die Netzkonstruktion aus Holz dar, die den Bau umhüllen soll: «Auf diesem Dach wird es keine einzige ebene Fläche geben. Der Planungsaufwand wird dadurch nicht doppelt, sondern um ein Mehrfaches grösser, erklärt Blumer. Trotz aller Extravaganzen müssen Shigeru Ban und Hermann Blumer bei ihrem Projekt ein Auge auf die Kosten haben, auch wenn sie für einen Milliardenkonzern bauen. «Im Mai werden wir eine genauere Kostenschätzung einreichen. Dann wird sich zeigen, ob Einsparungen gemacht werden müssen.»