Die engagierte Rotkreuzhelferin

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Catharina Sturzenegger war Posthalterin in Grub und Wolfhalden. (Bild: PD)

Catharina Sturzenegger war Posthalterin in Grub und Wolfhalden. (Bild: PD)

Kämpferin In einer Zeit, da von Emanzipation und Frauenrechten noch lange nicht die Rede war, wurde Catharina Sturzenegger zu einer der bedeutendsten Appenzellerinnen der neueren Schweizer Geschichte. Sie kam 1854 als fünftes Kind armer Eltern in Speicher zu Welt. Sturzenegger besuchte das Lehrerseminar in Bern. Als Schulmeister war sie unter anderem im Kanton Schaffhausen tätig. Immer wieder kämpfte sie mit gesundheitlichen Problemen. Nach einem schweren Unfall musste sie gar den geliebten Beruf aufgeben. Sturzenegger kehrte schweren Herzens ins Appenzellerland zurück und übernahm die Postablage in Wolfhalden. In ihrer Freizeit stellte sie, oft zum Gespött der Einheimischen, ihren Mann bei Schiessübungen. Dabei trat sie oft als einzige Frau gegen die Appenzeller Männer an.

Im Bezirksspital Heiden lernte die Lehrerin und Posthalterin den Gründer des Roten Kreuzes, Henry Dunant, kennen. Dieser begeisterte Sturzenegger für seine Ideen und Visionen. Am 28. März 1904 verliess sie die Schweiz und übernahm als Beauftragte von Dunant Rotkreuz-Aufgaben in Japan. Nach fünf Jahren Aufenthalt in Asien kehrt sie heim. Später zog es die Rotkreuzhelferin erneut in die Ferne. Von 1912 bis 1913 besuchte sie im Balkankrieg verschiedene Kriegslazarette und beobachtete die Tätigkeiten vor allem des serbischen Roten Kreuzes. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete sie im Balkan wiederum als Zeitungskorrespondentin und setzte sich für das Wohl der Menschen in Serbien ein. Genährt wurde ihr Engagement von ihrem Vorbild Henry Dunant; sie wird bis an ihr Lebensende zur eifrigen Verfechterin seiner Ideale. Nach ihrer Heimkehr aus Serbien lebte Sturzenegger in Zürich. Fortan hielt sie in der Deutschschweiz Vorträge in Rotkreuz- und Samaritervereinen und war als Journalistin für verschiedene Zeitungen tätig.

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch