Die Coronakrise gefährdet auch die Maturaprüfungen von diesem Sommer

Die Durchführung von Prüfungen ist für die Appenzeller Mittelschulen momentan ein schwieriges Unterfangen.

Yann Lengacher
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Ob und in welchem Rahmen die diesjährigen Maturaprüfungen stattfinden, ist noch unklar.

Ob und in welchem Rahmen die diesjährigen Maturaprüfungen stattfinden, ist noch unklar. 

Bild: Keystone/GAETAN BALLY

Ein Klassenzimmer gefüllt mit Schülerinnen und Schülern, die über ihre Prüfungen gebeugt nach Lösungen suchen: Eine solche Szene ist wegen der Coronakrise momentan weder an der Kantonsschule Trogen noch am Gymnasium St.Antonius zu sehen. Schüler müssen sich den Lernstoff momentan nicht nur selbst beibringen, sondern auch Prüfungen zu Hause schreiben.

«Ich habe bis jetzt eine Mathematikprüfung zu Hause gelöst», sagt Simon Ruppanner, der sein vorletztes Schuljahr an der Kantonsschule Trogen absolviert. Ob das nicht Schummeleien möglich macht? «Ja, im Prinzip schon», beantwortet der 18-Jährige aus Wolfhalden diese Frage. Theoretisch sei eine Zusammenarbeit mit Mitschülern möglich. «Die Lehrer haben uns aber gebeten, zu melden, wenn andere Schüler uns Fragen zu Prüfungsaufgaben stellen. Sie vertrauen uns grundsätzlich», sagt Ruppanner. Hilfsmittel wie der Taschenrechner seien bei der Mathematik-Prüfung erlaubt gewesen. Dementsprechend habe der Lehrer aber den Schwierigkeitsgrad angepasst.

Geringeres Lerntempo im Selbststudium

Mit dem Selbststudium habe Simon Ruppanner keine Mühe, trotz fehlendem Kontakt mit den Lehrpersonen. Von diesen gebe es Lernaufträge per E-Mail, manchmal müsse man diese zur Kontrolle schicken. «Am Anfang war es etwas ungewohnt, auch die Lehrpersonen wussten nicht, wie alles abläuft. Man arbeitet sehr selbstständig. Bei Fragen kann ich Mitschüler oder Lehrer per E-Mail fragen, das geht gut.» Auch Marc Kummer, der Rektor der Kantonsschule Trogen, sagt:

«Der Schulbetrieb läuft den Umständen entsprechend gut.»

Aufgrund der neuen Unterrichtsmethodik drossle man das Lerntempo etwas. Ende Woche habe die Schulleitung bei Lernenden und Lehrpersonen eine Umfrage durchgeführt, um allenfalls nötige Massnahmen ergreifen zu können.

Nationale Lösung für Matura-Prüfungen

Eine besondere Herausforderung stellen für die Appenzeller Mittelschulen und die Mittelschulämter neben der Gestaltung des Alltags auch die Organisation der Matura-Abschlussprüfungen im Sommer dar. «Die allgemeine Lage und die Bestimmungen des Bundes können sich extrem schnell ändern. Das erschwert die Planung», sagt Silvio Breitenmoser, der das Innerrhoder Amt für Mittel- und Hochschulen leitet. Sollten sich die Schüler für Prüfungen an einem bestimmten Ort einfinden, müssten die Hygienemassnahmen des BAG zwingend eingehalten werden.

Aktuell arbeitet die Schweizerische Mittelschulämterkonferenz (SMAK) an einer national gültigen Lösung für die Durchführung der Matura-Abschlussprüfungen. Sie spielt zu diesem Zweck verschiedene Szenarien durch. Wie genau diese aussehen und welche Prüfungsformen diese beinhalten würde, ist noch nicht bekannt. Egal in welcher Form die Maturaprüfungen stattfinden würden, an eine Bedingung werde sich die SMAK halten wollen: «Die oberste Maxime der SMAK ist es, dass alle Maturandinnen und Maturanden im Herbst den Übertritt an die Fachhochschulen und Universitäten vollziehen können», sagt Breitenmoser. Es gehe darum, den freien Hochschulzugang sicherzustellen.

Derweil muss sich Simon Ruppanner über die Matura von diesem Sommer noch keine Sorgen machen: Er schreibt seine Abschlussprüfungen erst nächstes Jahr.