«Die Bürokratie hat zugenommen»

Der Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden hat einen neuen Präsidenten. René Rohner wurde gestern zum Nachfolger von Adrian Künzli gewählt. Im Interview sagt der selbständige Schreiner, was dem Gewerbe Sorgen bereitet.

Jesko Calderara
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Der neue Präsident des Gewerbeverbands Appenzell Ausserrhoden, René Rohner, will die steigende Bürokratie bekämpfen. (Bild: cal)

Der neue Präsident des Gewerbeverbands Appenzell Ausserrhoden, René Rohner, will die steigende Bürokratie bekämpfen. (Bild: cal)

Herr Rohner, was reizt Sie am Präsidium des Ausserrhoder Gewerbeverbands?

René Rohner: Ich bin in einer Schreinerei aufgewachsen. Das Gewerbe in Appenzell Ausserrhodern bedeutet mir viel. Zudem bin ich der Meinung, dass wir zusammen mit den örtlichen Gewerbevereinen einiges bewegen können.

Was meinen Sie damit konkret?

Rohner: Wir müssen auf politischer Ebene Einfluss nehmen. Ein Beispiel ist die Steuerstrategie. Von den tiefen Steuersätzen profitieren nicht nur die neu angesiedelten Firmen und Grossunternehmen. Auch die bestehenden KMU, die zum Teil schon über mehrere Generationen erfolgreich in unserem Kanton Arbeitsplätze sichern, haben etwas davon.

Im Kanton vertritt der Industrieverein die Interessen der Wirtschaft. Braucht es da den Gewerbeverband überhaupt noch?

Rohner: Ja, auf jeden Fall. Der Industrieverein ist für die grösseren Unternehmen da. Wir hingegen vertreten Gewerbler und kleinere KMU.

Täuscht der Eindruck, dass die beiden Wirtschaftsverbände oft dieselben Positionen vertreten?

Rohner: Bis zu einem gewissen Punkt stimmt das. Wir arbeiten eng zusammen und haben mit Ruedi Arni den selben Geschäftsführer. Es gibt Probleme, welche die Wirtschaft insgesamt beschäftigen. Ich denke an die steigende bürokratische Belastung.

Ist die Bürokratie für das Gewerbe wirklich so ein Problem, wie immer wieder behauptet wird?

Rohner: Ja, sie beschäftigt uns sehr. Ein Unternehmer mit fünf bis sechs Angestellten braucht heute schon fast jemanden nur für das Büro. Oder der Chef ist selbst stark mit diesen Aufgaben beschäftigt. Die Bürokratie hat zugenommen. Und zwar in allen Bereichen. Beispiele dafür sind das Steuerrecht oder die zahlreichen Statistiken, die wir für Bundesämter erstellen müssen.

Sie bekleideten jahrelang verschiedene politische Ämter. Alle beklagen den bürokratischen Aufwand und dennoch geschieht nichts. Warum ist das so?

Rohner: Es wird nicht dereguliert und unnötige Vorschriften werden nie abgebaut. So kommen die neuen Gesetze zusätzlich zu den alten dazu.

Fehlt den Politikern das Verständnis für die Anliegen des Gewerbes?

Rohner: In diesem Punkt schon. Die FDP hat mal vergeblich die Bürokratie-Stop-Initiative lanciert. Von den anderen Parteien gab es dafür keine Unterstützung.

Was kann der Gewerbeverband gegen die Bürokratie unternehmen?

Rohner: Wichtig ist, dass wir unsere Haltung zu Gesetzesvorlagen bereits in den Vernehmlassungen klar äussern. Der Gewerbeverband muss kämpferischer werden und auch mal das Referendum ergreifen. Es ist zudem unser Ziel, dass sich mehr Gewerbevertreter in der Politik engagieren.

Das Gewerbe hat sich gegen einen zehntägigen Vaterschaftsurlaub beim Kanton ausgesprochen. Wie ist Ihre Haltung zu diesem Thema?

Rohner: Das Anliegen steht quer in der Landschaft. Ich teile die Meinung des Gewerbeverbandes. Wir behalten uns vor, das Referendum zu ergreifen. Persönlich könnte ich mit dem Vorschlag leben, zu den zwei Freitagen für die Geburt noch drei Tage Vaterschaftsurlaub zu gewähren.

Wo drückt sonst noch der Schuh?

Rohner: Weil die Gewerbebetriebe weniger exportorientiert sind, ist die Auftragslage gut. Herausforderungen sind das hohe Lohnniveau und die kurze Aufgabe- und Vergabefristen bei Aufträgen. Auch spüren wir die Konkurrenz aus den umliegenden Kantonen.

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