«Die Bikini-Zone bleibt bedeckt»

Eigentlich unterschrieb sie die Bewerbungsunterlagen, die ihre Schwestern für sie ausgefüllt hatten, nur aus Jux. Doch dann hat es Martina Scherrer aus Nesslau geschafft, sie ist eines von 14 Mädchen des Bauernkalenders 2011.

Gian Ehrenzeller
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Nesslau. Der Mai ist der Monat der Überraschungen für die 22jährige Martina Scherrer. Am Freitag erhielt sie die Einladung fürs Casting zum Bauernkalender (siehe Kasten). Und schon am Montag kam der definitive Bescheid: Sie wird in der Ausgabe 2011 zu sehen sein, zusammen mit 13 anderen Mädchen. Für das erotische Foto-Shooting hatte sie sich eigentlich aus Jux beworben. Ihre Schwestern legten ihr die fertig ausgefüllte Anmeldung vor. Das wäre doch «e glatti Sach», fand Martina. Und unterschrieb.

«Ich wollte einfach einmal sehen, wie weit ich komme. Es gibt schliesslich so viele hübsche Bauerntöchter.» Scheint so. Denn für die Ausgabe 2011 haben sich 350 Mädchen beworben. 48 davon wurden vergangenes Wochenende ans Casting ins Zürcher Oberland eingeladen – auch Martina Scherrer. «Erst konnte ich es nicht wirklich glauben», erzählt sie. Doch auch auf der Castingliste stand ihr Name – «es musste also wirklich so sein.»

Voller Körpereinsatz

Anfangs war Martina Scherrer etwas nervös ob der prominenten Jury – unter anderem Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal und Glanz&Gloria-Moderator Christian Franzoso. Doch das legte sich schnell. In fünf Minuten erzählte sie aus ihrem Leben. Dass sie auf dem Hof Egg ob Nesslau aufgewachsen ist. Dass sie schon als Kind mit anpackte und auch heute noch gerne mithilft, auch wenn sie mittlerweile im Tal wohnt.

Dass sie im Kindergarten die müden Geissen auf ihre Alp unter dem Säntis bugsierte und auch heute noch die Alpfahrt etwas vom Schönsten findet. Dass sie sich beim Turnverein Wattwil engagiert. Was sie auch gleich mit einem Spagat und einem Handstand belegte.

Klare Grenzen

Dann ging es um die Wurst, respektive um Probefotos. Erst noch mit Shirt, dann ohne.

«Für mich war aber von Anfang an klar, dass ich die Bikini-Zone bedeckt halten will», sagt Martina Scherrer. «Ich will nicht mit den Nachbarn reden und denken: Ich könnte ja gerade so gut nackt hinstehen», begründet sie. Schliesslich ist sie auch Filialleiterin in einem Blumengeschäft, hat mit Lehrlingen und Kunden zu tun und ihrem Freund wie auch ihren Eltern ist es lieber so. «Ich denke, sie kann auch mit anderen Reizen das Kalenderblatt füllen», findet Mutter Maja. Zum Beispiel mit ihrem Lachen.

Vater Jakob ist zwar stolz auf seine Tochter und darauf, dass sie im Juni ans Foto-Shooting kann. «Ich fragte mich aber schon: Ist das wohl gescheit? Sie muss es selber wissen.» Und Martina Scherrer weiss, was sie will. Keinen Modelvertrag in Amerika oder ein eigenes Parfum, wie ihre Mutter scherzend vorschlägt. Lieber bleibt sie Floristin. Schliesslich wollte sie schon als Kind «Blüemlifrau» werden. Nein, sie möchte eine einmalige Chance nutzen. Vielleicht eröffnen sich ja neue Wege, lernt sie neue Leute kennen.

Martina Scherrer lässt sich einfach einmal überraschen.