Die Auserwählte der Herisauer Blochmannschaft thront auf dem Wagen

Das Bloch ist am Wochenende vorbereitet worden. Dazu helfen moderne Maschinen, am Umzug wird die Last dann aber mit reiner Manneskraft gestemmt.

Janine Bollhalder
Drucken
Teilen
Vorne am Wagen wird das Vereinsschild angebracht.

Vorne am Wagen wird das Vereinsschild angebracht.



Benjamin Manser

«Letztes Jahr hatte es Schnee», sagt Hanspeter Bischofberger, Kassierer der Blochmannschaft Herisau. «Wir haben zum ersten Mal Schneeketten für den Wagen gebraucht.» Dieses Jahr liegt kein Schnee. Dafür grassiert das Coronavirus. Wird beim Blochumzug darauf acht gegeben? «Nein. Wir sind auch beim Maskenball am Abend nach dem Blochumzug höchstens 400 Leute», sagt Bischofberger.

Bis zum Umzug galt es, noch einige Arbeiten zu erledigen. Das Bloch, der Stamm einer massiven Fichte, wird nun auf den Wagen geladen. «Das ist das Schwierigste», sagt einer der Männer. Er runzelt die Stirn. Nein, so passt es noch nicht. «Der Baum muss gerade liegen.» Der Traktor wird angeworfen, unter dem Stottern des Motors wird das Bloch angehoben. Die Männer knien hin, begutachten die leichte Vertiefung, in der das dickere, vordere Teil des Baumstamms auf dem Zugwagen zu liegen kommt. Da muss mit Sägearbeit nachgeholfen werden.

Der Fichtenstamm wird auf den Wagen gehievt.
9 Bilder
Das Bloch muss sicher und gerade auf de Zugwagen liegen.
Das Ende des Baumstammes muss flach sein, um was Vereinsschild anbringen zu können.
Der Wagen mitsamt Bloch wird bis am Umzug in einer Garage untergebracht.
Im Ofen wird der Schmied den silbernen Blochtaler anfertigen.
Die Schulrücksäcke und Kässeli der Kässelibuebe.
Mithilfe dieser Zugvorrichtung werden 22 Männer das 2 Tonnen schwere Bloch ziehen.
Der Tannenbaum wird mit bunten Tüchern geschmückt.
Das Vereinschild wird angebracht und verziert.

Der Fichtenstamm wird auf den Wagen gehievt.



Benjamin Manser

Verein will die Tradition erhalten

Die Blochmannschaft Herisau umfasst 45 Männer. Keine Frauen, sie erledigen Dinge im Hintergrund. Etwa während der Arbeiten der Männer den Landwirtschaftsbetrieb weiterführen. «Oder die Mitglieder für den Umzug schminken», sagt Bischofberger. Die Männer tragen Kostüme, einer trägt das Bärenkostüm – er schlüpft in die Haut des berüchtigten Tiers, das am Umzug mit den Passanten Schabernack treiben wird. Es sei der Gleiche, wie im vergangenen Jahr, verrät Bischofberger.

Der Fichtenstamm hat inzwischen einen sicheren Platz auf dem Wagen gefunden. Was früher von Hand bewerkstelligt wurde, wird heute mit Maschinen gemacht. Stotternde Kraftfahrzeuge, kreischende Motorsägen. Sägespäne fliegen, hie und da benötigt es noch einen Hammerschlag.

Die Vorrichtung für den Tannenbaum wird am Baumstamm befestigt.

Die Vorrichtung für den Tannenbaum wird am Baumstamm befestigt.



Benjamin Manser

Der Blochbrauch hat an Moderne gewonnen, das Image rostet nicht. Bischofberger sagt:

«Wir haben sogar eine Warteliste für angehende Mitglieder»

Um Mitglied des Vereins zu werden, muss man zwei Kriterien erfüllen: «Aus Herisau kommen und 18 Jahre alt sein.» Auf die Warteliste komme man aber schon ab 16 Jahren.

Mit Ketten wird das Bloch nun am Wagen festgemacht. Die Männer arbeiten eifrig, viel gesprochen wird nicht, die Handgriffe sitzen. Routiniert. Traditionsbewusst.

Der Brauch wurde 2011 von der Blochmannschaft Herisau wieder aufgenommen. «Ich freue mich auf einen schönen Tag», sagt Bischofberger. Der Montag werde für ihn und seine Vereinskollegen sehr früh beginnen, um vier Uhr, dann herrsche jeweils eine spezielle Stimmung. Unterwegs seien die Männer bis etwa acht Uhr abends, dann findet besagter Ball statt.

Zwei Tonnen werden mit Manneskraft gezogen

22 Männer werden den Wagen mitsamt dem Fichtenstamm aus eigener Kraft ziehen. Ganze zwei Tonnen. Nur an gewissen Stellen werden Pferde angespannt. Acht Reiter werden den Zug begleiten, auch acht Kässelibuebe. Sie sammeln Geld für die Arbeit der Blochmannschaft. Wie viel das jeweils durchschnittlich ist? Bischofberger zuckt die Achseln und schmunzelt. «Das sehe ich dann.»

Auch der Kanton hat seinen Beitrag geleistet und den Baum gespendet. Die Fichte sei mit dem Förster ausgesucht, aber von den Vereinsmitgliedern selbst gefällt worden.

Obwohl sie zur Vorbereitung auf maschinelle Hilfe zurückgreifen - am Blochumzug wird der Wagen traditionell von Hand gezogen.

Obwohl sie zur Vorbereitung auf maschinelle Hilfe zurückgreifen - am Blochumzug wird der Wagen traditionell von Hand gezogen.


Benjamin Manser

Der Wagen mitsamt dem Bloch ist nun in die Garage geschoben worden. Der Ofen des Schmieds, der den silbernen Blochtaler erstellt, wird am Stamm festgekettet. Das Vereinsschild wird am vorderen Teil der Fichte angebracht und mit Tannenreisig umgarnt. In den Fächern unter dem Wagen werden Regenschirme eingepackt, entlang des Baumstrunks werden alte Schulrucksäcke befestigt, Zeitungen für den Anfeuerungsprozess werden zerknüllt. Fehlt nur noch der Tannenbaum.

Dieser findet seinen Platz am hinteren Ende des massiven Fichtenstamms. «Das ist der Aufrichtebaum», sagt einer der Männer, der beim Schmücken mithalf, «wie, wenn ein Haus gebaut wird.» Geschmückt wird der Tannenbaum mit bunten Tüchern – «Weihnachten ist ja vorbei.» Die gelben, schwarzen, blauen und roten Stoffe werden sorgsam verteilt. Dabei entgeht den kritischen Augen nichts:

«Hoppla, hier hat es noch einen sehr gelben Ast.»
Der Tannenbaum wird mit bunten Tüchern geschmückt.

Der Tannenbaum wird mit bunten Tüchern geschmückt.



Benjamin Manser
Mehr zum Thema