Die Attraktivität geht verloren

«Ein neuer Bahnhof für Trogen», Ausgabe vom 8. Juli

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Bei dem neulich in dieser Zei­tung präsentierten Projekt für eine neue Gestaltung des Bahnhofes Trogen frage ich mich: warum wieder so ein anonymer quadratischer «un­appenzellischer» Bau mit flachem Dach? Wird dieser Neubau das Dorf auf positive Weise ergänzen? Wird er eine Reklame für Trogen und das Appenzellerland sein? Ich zweifle daran. Einverstanden, das bestehende Gebäude ist altertümlich, nicht sehr gut erhalten, doch es hat Charme und passt in die Umgebung. Sieht man, welche Anziehungskraft gut gepflegte alte Dörfer und Städte überall in Europa auf Touristen der ganzen Welt ausüben und was das in Einnahmen für das lokale Gewerbe ausmacht, muss ich mich fra- ­­gen, ob es nicht besser wäre, das bestehende Gebäude in Stand zu setzen, evtl. zu vergrössern, zu verschönern, um es den heutigen Bedürfnissen anzupassen. Ich habe oft den Eindruck, dass die Behörden im Appenzellerland nicht richtig wissen, was sie wollen. Oder meinen sie, dass man alles mischen kann? Tourismus und Gesundheit gehen gut miteinander, Industrie und Wohnen schon weniger, Industrie und Gesundheit gar nicht. Soll der Kanton für Touristen attraktiv sein, so müssen die Dörfer ihre Eigenart behalten, ja steigern, nicht grosse Areale mit anonymen Wohnhäusern überbaut werden. So müssen Industrie, Gewerbe und Wohnhäuser natürlich nicht abgewiesen, sondern auf kantonaler Ebene, was Standort und Aussehen angeht, sorgfältig geplant werden. Diese Strategie würde das Image des Kantons als Ziel für Touristen und als «Gesundheitskanton» fördern. Erlauben die Behörden eine Entwicklung mit mehr «unappenzellischen» Bauten, wird der Kanton einen Teil seiner Attraktivität für Touristen verlieren. Schon heute gibt es eigentlich nur ein Dorf, das noch ein populäres Ziel für Touristen ist: Appenzell, das seinen alten Kern intakt behalten hat. Dieses Faktum sollte den Appenzeller Bahnen zu denken geben.

Lorenz Tanner, 9104 Waldstatt