Die Anderen zählen nicht

«Ausserrhoden hätte wieder zwei Sitze» Ausgabe vom 5. November

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Der Repräsentant unseres Kantons (oder besser der 6394 Wahlberechtigten die ihm ihre Stimme gaben) findet es am wichtigsten, als erste Handlung im Parlament dafür zu sorgen, dass die Berechnungsgrundlage für den kantonalen Anspruch auf den oder die Nationalratssitze geändert wird. Ihn stört, dass Ausländer auch mitgezählt werden.

Er findet, mit einer Berechnung ohne Ausländer sollen Kantone Sitzansprüche verlieren, die es nicht schaffen oder nicht willens sind, ihren Ausländeranteil tief zu halten. Wir in Ausserrhoden gehörten dann zu den Gewinnern, weil wir dann zwei Nationalratssitze zugut hätten (ich habe das so nicht geprüft). Ich war immer der Ansicht, ein Nationalrat mache nationale Politik. Er bemüht sich bei Lösungen mitzuhelfen, die die Schweizerische Eidgenossenschaft betreffen, also die Bundesebene. Dass er sich Gedanken macht über den demographischen Wandel mit den Konsequenzen für die Altersvorsorge, dass er mitdenkt, wenn es darum geht, gute Rahmenbedingungen für unsere Exportindustrie zu schaffen oder bei Unternehmens- und Steuerreformen die gesamtschweizerischen Interessen in den Vordergrund stellt. Ich erwarte von einem Nationalrat, dass er sich mit überlegt, wie etwa EDV-Beschaffungsdesaster in Millionenhöhe vermieden werden können und wie Infrastrukturen, Armee, Auslandbeziehungen oder Bildung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickelt werden müssen. Er könnte sich auch andere wirklich kreative Gedanken machen, wie sich die Schweiz entwickeln soll. Die Schweiz hat acht Millionen Einwohner, davon sind zwei Millionen zwei Millionen Ausländer. So viele wie kaum ein anderes Land. Die Schweiz hat einer der oder die höchsten, wenn nicht den oder die höchsten Lebensstandards, politische Stabilität, Rechtssicherheit, Bildungs- und Vorsorgesystem, Infrastrukturen usw. Dies wegen oder trotz der vielen Ausländer in unserem Land ? Sehr geehrter Herr Zuberbühler, Sie setzten sich dafür ein, dass Ausländer nicht zählen. Als echter Schweizer mit dem einzig richtigen Parteibüchlein dürfen, müssen Sie das ja sogar. Vielleicht hat Ihnen aber einfach noch niemand gesagt: «Ohne den tagtäglichen Einsatz Hunderttausender Ausländer für den Wohlstand der Schweiz würde unser Land still stehen.» Ich zähle auf und rechne mit den Ausländern gemeinsam für eine lebenswerte Schweiz.

Benno Jud,

Oberstall 1, 9043 Trogen