Die AGG und die Heimkinder

An der Jahresversammlung der AGG entschuldigt sich die Präsidentin für Vorkommnisse, «auf die man nicht stolz sein könne». Die Mitgliederwerbung zeigt Wirkung.

Patrik Kobler
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Yves Demuth (l.), Christof Wamister (2.v.l.) und Heidi Eisenhut diskutieren unter der Leitung von Hanspeter Spörri über die Brüder Sonderegger. (Bild: pk)

Yves Demuth (l.), Christof Wamister (2.v.l.) und Heidi Eisenhut diskutieren unter der Leitung von Hanspeter Spörri über die Brüder Sonderegger. (Bild: pk)

GONTEN. 110 Mitglieder nahmen am Samstag im Restaurant Golf an der 183. Jahresversammlung der Appenzellisch Gemeinnützigen Gesellschaft (AGG) teil. In ihrem Jahresbericht kam Präsidentin Vreni Kölbener auf ein «dunkles Kapitel» zu sprechen. In den letzten Jahren sind in der Öffentlichkeit Diskussionen über die schwierige Vergangenheit der verdingten oder in Heimen «versorgten» Kinder entbrannt. Es seien zahlreiche Vorkommnisse bekanntgeworden, die einen wirklich nicht mit Stolz erfüllen können, so Kölbener.

«Manches war unrecht»

Auch die AGG habe sich in der Gründungszeit um die Waisen und «Verwahrlosten» unserer Gesellschaft gekümmert. Auf Initiative der AGG seien verschiedene Heime gegründet worden. Noch heute stehen einige unter deren Patronat. Sicher sei schon damals gute und jedenfalls wohlmeinende Arbeit geleistet worden. «Aber manches, was damals geschehen ist, war unrecht. Es kam zu Missbrauchsfällen. Und die körperliche Züchtigung gehörte leider zum gängigen Erziehungsstil», so die Präsidentin. Die Aufsicht habe versagt oder sei mit den angewandten Methoden einverstanden gewesen. Deshalb erscheine es ihr wichtig, dass die Geschichte aufgearbeitet werde. Kölbener: «Bei den noch lebenden Betroffenen müssen sich die Verantwortlichen – oder deren Nachfolger – in aller Form entschuldigen. Doch allen Wiedergutmachungsbemühungen zum Trotz – das Geschehene kann nicht ungeschehen gemacht werden.» Vreni Kölbener hatte an der Versammlung aber auch Erfreuliches zu berichten. Die Mitgliederwerbung zeigt Wirkung. Denn es konnte ein kleiner Zuwachs verzeichnet werden. Dennoch bleibe der Auftrag bestehen, da sich die AGG immer wieder verjüngen müsse.

Der Landwirtschaft gewidmet

Die AGG ist bestrebt, in Notsituationen unbürokratisch zu helfen. Wie an der Versammlung zu erfahren war, hat sie 14 Unterstützungsbeiträge zugesichert. «Wir stellen fest», so Vreni Kölbener, «dass soziale Institutionen besonders bei Neu- oder Renovationsbauten vor grossen finanziellen Herausforderungen stehen.» 2015 hat die AGG überdies beim Thema Landwirtschaft einen Schwerpunkt gesetzt. So war das Jahrbuch der Landwirtschaft gewidmet. Ausserdem sind mit dem Innerrhoder und Ausserrhoder Alpkataster zwei Werke entstanden, welche die AGG massgeblich unterstützt hat.

Rücktritte im Vorstand gab es keine zu verzeichnen; er setzt sich weiterhin aus folgenden Personen zusammen: Vreni Kölbener (Präsidentin), Michel Peter (Kassier), Gaby Bucher, Ueli Widmer, Hanspeter Spörri, Max Frischknecht, Ruedi Eberle, Katrin Alder.

Die Brüder Sonderegger

Das nächste Jahrbuch wird den 1930er Jahren, speziell den Brüdern Sonderegger von Heiden (s. Ausgabe vom 25.11.), gewidmet sein. Diesen war die Gesprächsrunde nach der Versammlung gewidmet. Unter der Leitung von Hanspeter Spörri diskutierten die Journalisten Yves Demuth und Christof Wamister sowie Kantonsbibliothekarin Heidi Eisenhut.