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Die 68er

Als Ollis Postkarte mit den Zitaten von Rudi Dutschke im Institut für Lebenstauglichkeit eintrudelte, war ich noch nicht in der Lage, die Bedeutung der 68er-Bewegung auch für mein persönliches Leben zu würdigen.
Lars Syring

Als Ollis Postkarte mit den Zitaten von Rudi Dutschke im Institut für Lebenstauglichkeit eintrudelte, war ich noch nicht in der Lage, die Bedeutung der 68er-Bewegung auch für mein persönliches Leben zu würdigen. Erst später wurde mir klar, dass ich ohne sie vermutlich niemals hätte studieren können. Das Widukind-Gymnasium in Enger wurde erst in den 70er-Jahren gegründet, gerade früh genug, dass ich es besuchen konnte. Auch die nächstgelegene Universität in Bielefeld entstand erst 1969. Und ich kann mich noch gut an die Diskussionen bei meiner Cousine erinnern. Ihre Eltern meinten noch, Studieren sei total überbewertet und für eine Frau doch gar nicht nötig. Durch die Impulse von Rudi Dutschke und der Studentenbewegung setzte im Nachkriegsdeutschland und in weiten Teilen Europas eine grosse Demokratisierung der Bildung ein. Plötzlich hatten auch Arbeiterkinder die Chance auf eine akademische Ausbildung. Während das Nachkriegsdeutschland mühsam Demokratie einübte, erfolgte der lange Marsch durch die Institutionen. Die Kinder der Nazis waren meine Lehrer und Lehrerinnen und vielen war das Trauma anzumerken. Sie arbeiteten an und mit uns ihre eigene Familiengeschichte ab und auf. So lernten wir im Wesentlichen kaum Fakten, sondern vor allem Zusammenhänge kennen, im Besonderen die Zusammenhänge, die zur Katastrophe des Dritten Reichs geführt hatten. Dreimal habe ich in meiner Schulzeit den Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik besprochen – die vielen entsprechenden Bücher im Deutschunterricht nicht mitgezählt. Wir wurden geimpft: So etwas darf nicht wieder passieren. Statt von Kollektivschuld sprachen meine Lehrkräfte so lange mit uns, bis uns klar war: Wir haben die Verantwortung, genau dafür einzustehen, dass das nie wieder passieren darf.

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