Dickler wechseln von Grau zu Rot

Trotz Dauerregen ist der Neckertaler Kreismusiktag gestern bei gutgelaunter Stimmung über die Bühne gegangen. Am Samstag schenkte sich die Musikgesellschaft Dicken eine neue, feuerrote Uniform.

Michael Hug
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DICKEN. Von 1500 Franken auf 90 000 Franken – eine happige Teuerungsrate. Doch dazwischen liegen 68 Jahre. So lange hat es für die MG Dicken von der ersten Uniform – eine gebrauchte von der MG Waldstatt – bis heute gedauert. Vor 1947 besass die Dickler Musik überhaupt keine einheitliche Kleidung, und das 75 Jahre lang. Doch wenn man so eine Uniform mal hat, hält sie keine Ewigkeit. Zwei weitere Male musste sich die MG einer Ersatzbeschaffung stellen, das letzte Mal 1982. 33 Jahre überdauerte die graue Uniform, die damals knapp 20 000 Franken kostete und bis vergangenen Samstag von den Damen und Herren der MG Dicken getragen wurde.

Eine mutige Farbe

Am Samstagabend um 20.30 Uhr war dann Schluss mit Grau. Rot ist der neue Trumpf, Feuerrot oder Blutrot, jedenfalls eine auffällige Farbe. «Eine mutige Farbe», sagte selbst Präsident Daniel Wagner, «doch man muss etwas wagen heutzutage!» Er war wohl der stolzeste aller Dickler Musikanten, eine grosse Last fiel ihm von seinen Schultern und liess sein Gesicht strahlen. Denn nicht nur die Neuuniformierung war auf dieses Wochenende zu organisieren, sondern auch der Neckertaler Kreismusiktag, der ja bekanntlich jedes Jahr von einem der Vereine im (Blasmusik-)Kreis Neckertal zu organisieren ist. Wagner: «Zwei Jahre Vorbereitung, und dann ist plötzlich alles durch!» Doch ein volles Zelt und beste Stimmung waren der verdiente Lohn für alle Vorbereitungen.

Letztes Ständchen

Doch bevor die Dickler im neuen Rot auf der Bühne erschienen, wurde das Grau mit einem letzten Ständchen – der «Dancing-Parade» – verabschiedet. Es war für die Dickler auch eine letzte Probe mit dem Stück, denn es war auch für den Marschmusikwettbewerb am Sonntag vorgesehen. Dann verschwanden sämtliche Musikantinnen und Musikanten in die Garderobe, die Pause überbrückte der Musikverein Harmonie aus Degersheim. Der zur MG Dicken nicht nur ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, sondern ihm unlängst den musikalischen Leiter abtrat: Benno Gemperle war 15 Jahre lang Dirigent der Degerscher, seit kurzem ist er es in Dicken. Die Degersheimer verpflichteten als Nachfolger Robert Buza.

Perfekt sitzendes Outfit

Frenetisch wurden die neuen, roten Dickler dann begrüsst. Diese erwiderten den Gruss nicht nur in einem perfekt sitzenden Outfit, sondern mit gleich sechs unterschiedlichen Musikstücken, darunter zwei Uraufführungen. Wobei das zweite, zum ersten Mal aufgeführte Stück von einem «halben» Dickler stammte. Silvio Veronese aus Wädenswil ist seit langer Zeit Ferienhausbesitzer in Dicken und wohl der treuste Fan der MG. Er schrieb das ursprünglich seiner Frau gewidmete Klavierstück «A Quarter past Seven» (Viertel nach sieben) für die MG Dicken kurzerhand um und schenkte es diesen zur Neuuniformierung. Der Festakt zur Neueinkleidung – bei zeitweise strömendem Regen ausserhalb des Festzelts auf dem Schulhausplatz – endete erst spät in der Nacht. Dennoch waren die Dickler Musikerinnen und Musiker, die allesamt noch einen Zweitjob in der Organisation hatten, plus die mehr als 100 Helfenden am Sonntagmorgen zu Beginn der Musikvorträge wieder auf den Beinen.

Die Mitglieder der Musikgesellschaft Hemberg stossen auf den gelungenen Auftritt an.

Die Mitglieder der Musikgesellschaft Hemberg stossen auf den gelungenen Auftritt an.

Die regionale Jugendmusik St. Peterzell bei ihrem Auftritt.

Die regionale Jugendmusik St. Peterzell bei ihrem Auftritt.

Die Musikgesellschaft Lütisburg nach ihrem Auftritt.

Die Musikgesellschaft Lütisburg nach ihrem Auftritt.

Die Dickler Musikantinnen und Musikanten traten bis zum vergangenen Samstag in Grau vor das Publikum, neu stellen sie sich in Rot zur Schau. (Bilder: Michael Hug)

Die Dickler Musikantinnen und Musikanten traten bis zum vergangenen Samstag in Grau vor das Publikum, neu stellen sie sich in Rot zur Schau. (Bilder: Michael Hug)

Die MG Brunnadern mit Nachwuchshornist und der Dirigentin Rahel Kunz (rechts) am Marschmusikwettbewerb im Festzelt.

Die MG Brunnadern mit Nachwuchshornist und der Dirigentin Rahel Kunz (rechts) am Marschmusikwettbewerb im Festzelt.

Die Präsidenten treffen sich zur Elefantenrunde.

Die Präsidenten treffen sich zur Elefantenrunde.

OK-Präsident Daniel Wagner wagte sich mutig in Rot vors Publikum.

OK-Präsident Daniel Wagner wagte sich mutig in Rot vors Publikum.

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