Dicken vor der Kameralinse

Das Werk des Dickler Hobbyfilmers und Dorforiginals Johann Frei (1910–1990) ist auf einer DVD festgehalten. Jürg Bruderer und Roland Schärli haben dieses Projekt initiiert und umgesetzt – und mit aktuellem Filmmaterial ergänzt.

Gottfried Meier
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Dicken. Johann Frei war eine Art Dorforiginal. Man kannte ihn als Bauarbeiter und vor allem als Kranführer. Er war bereits beim Bau der Säntis-Schwebebahn (1933–1935) als junger Maurer dabei. In den 70er-Jahren entdeckte er ein neues Hobby – das Filmen. Mit seiner Super-8-Kamera brachte er alles, was ihm vor die Linse kam, auf Zelluloidstreifen.

Historisch wertvoll

Am letztjährigen Jubiläumsfest «550 Jahre Dicken» konnte sich das Publikum Ausschnitte aus Johann Freis Werken ansehen (siehe «Person»). Vorangehend war die Suche nach einem brauchbaren Filmprojektor für die Super-8-Filme fast ein Spiessrutenlauf. Die Filme sind in der Obhut von Lisa Pfändler-Frei, einer Nichte von Johann Frei.

Aufgrund des riesigen Interesses an diesen Vorführungen entwickelten Jürg Bruderer und Roland Schärli die Idee, dieses historisch wertvolle Filmmaterial auf einem heute gängigen Medium festzuhalten. Eine Spezialfirma in Walenstadt wandelte das alte Super-8-Filmmaterial in das heute gebräuchliche digitale Material um. Roland Schärli ist auf dem Gebiet EDV und in aktuellen Techniken für Bild und Ton sehr bewandert.

Dorf, Gewerbe, Landwirtschaft

Aus dem umfangreichen Filmmaterial schnitt er zuerst wieder alle von Johann Frei zusammengesetzten Teile auseinander und fügte danach Teil um Teil zu einem informativen Filmdokument über Dicken im Jahre 1980 zusammen, setzte Untertitel, spielte Hintergrundmusik ein und erstellte die DVD in professioneller Art und Weise.

Beim Ansehen des 64 Minuten dauernden Farbfilms wird dem Betrachter klar, welche Vielfalt und auch Einfachheit an Kleingewerbe und Landwirtschaftsbetrieben vor 30 Jahren dominierte. Mancher Zeitgenosse entdeckt sich selber als noch «junges Wesen». Einleitend präsentiert sich das Dorf aus verschiedenen Blickwinkeln, eigentlich erstaunlich, was für eine hohe Qualität der Hobbyfilmer mit seiner einfachen Kamera – ohne Stativ (!) – beibrachte.

«Ich musste allerdings viele Szenen herausnehmen, die entweder stark unterbelichtet oder zu schnell aufgenommen waren», sagt Roland Schärli. Am spannendsten sieht sich der dritte Teil des Films an. Dort griff der Filmredaktor selber zur Kamera und filmte im vergangenen Mai das Dorf genau von jenen Stellen aus, wo einst Johann Frei filmte.

Grosse Veränderungen

Aus diesen direkten Vergleichen kann die Entwicklung des Dorfes verfolgt werden. Die DVD ist deshalb von hohem historischem Wert und ist zugleich ein Andenken an Johann Frei, der 1990 – ebenfalls auf einer Filmpirsch – bei einem tragischen Verkehrsunfall das Leben verlor.

Die DVD kann bei Jürg Bruderer, Müli, 9115 Dicken (Tel. 071 377 17 77) oder bei Roland Schärli (www.protimer.ch/film) bezogen werden.

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