DICKEN: Gnömli wollte mit zum SRF

Er ist eines von über 300 Tieren, das auf dem Büsi- und Papageienhof in Dicken lebt. Doch Gnömli ist kein gewöhnlicher Kater. Er fährt gern als blinder Passagier im Motorraum von Autos mit. Damit ist jetzt Schluss.

Martina Signer
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Kater Gnömli ist zwischen acht und neun Jahre alt. Er wurde im Tierheim abgegeben, weil seine ehemaligen Besitzer an einer Strasse wohnten, wo das taube Tier in ständiger Gefahr lebte. Der abgelegene Büsi- und Papageienhof versprach mehr Sicherheit. (Bilder: Martina Signer)

Kater Gnömli ist zwischen acht und neun Jahre alt. Er wurde im Tierheim abgegeben, weil seine ehemaligen Besitzer an einer Strasse wohnten, wo das taube Tier in ständiger Gefahr lebte. Der abgelegene Büsi- und Papageienhof versprach mehr Sicherheit. (Bilder: Martina Signer)

Martina Signer

martina.signer@toggenburgmedien.ch

Aufmerksam beobachtet Gnömli die Menschen, die in den «Katzenraum 1» des Büsi- und Papageienhofs treten. Der weisse Kater, der zwischen acht und neun Jahre alt ist, lässt die Besucher nicht aus den blauen Augen. Er verlässt sich auf seine Sehkraft, denn er ist taub. Dies ist einem Gendefekt geschuldet, der weisse Katzen mit solch blauen Augen treffen kann. Doch das hält Gnömli nicht davon ab, sich in Abenteuer zu stürzen – die ihn allerdings das Leben kosten könnten. Denn Gnömli begibt sich regelmässig in Gefahr, wenn er in den Motorraum von parkierten Autos steigt. «Das ist jetzt schon mindestens fünfmal passiert», sagt Marcel Jung, Inhaber des Büsi- und Papageienhofs in Dicken. Denn Gnömli handelt nicht wie andere Katzen, die sich beim Geräusch des laufenden Motors schleunigst aus dem Staub machen würden. Er bleibt kuschlig eingerollt im Warmen sitzen und hört nichts vom Lärm ringsum. «Ich mag mir gar nicht vorstellen, was alles hätte passieren können», sagt Marcel Jung, hebt die Hände ans Gesicht und reibt sich die Augen bei der Vorstellung, wie oft Gnömli schon in Lebensgefahr war.

Im Rosenbergtunnel auf der A1 ausgestiegen

Erst vergangene Woche wollte der Kater wieder ausbüxen. Die Reise hätte ihn nach Zürich geführt. Ins Studio des SRF. Denn: «Ein ganzes Team rund um Monika Fasnacht ist dank Medienberichten auf Gnömli aufmerksam geworden und war hier, um ihn zu filmen.» Und tatsächlich hat ihn das Kamerateam nach den Dreharbeiten in Flagranti dabei erwischt, wie er unter die Motorhaube das SRF-Autos lief – im Begriff, einzusteigen. Das war am Dienstag. Eine Fahrt nach Zürich wäre für Gnömli wohl die bislang weiteste Autoreise geworden.

Knapp eine Woche vor den Dreharbeiten startete Gnömli zu seinem gefährlichsten Abenteuer. Er fuhr vom Tierheim, das abseits liegt, ins Dorf und von da aus in Richtung St. Gallen. Auf der A1, im Rosenbergtunnel und bei stockendem Verkehr, beschloss der weisse Vierbeiner, auszusteigen. Er trug wie durch ein Wunder keine Verletzungen davon und wurde von keinem Auto erfasst. Ausserdem fuhr er einmal mit dem Dachdecker nach Urnäsch. «Vorläufig lassen wir Gnömli nicht mehr aus dem Haus», sagt Marcel Jung. Sicherheit geht vor. Der Tierheimbesitzer hofft, Gnömli bald in einem grossen Freiluftgehege unterbringen zu können. Denn er plant, den jetzigen Standort des Büsi- und Papageienhofs im Hönenschwil in Dicken aufzugeben und den gesamten Betrieb mit derzeit mehr als 300 Tieren und zehn Arbeitsplätzen in die «Aachsäge» zu zügeln. «Viele Tiere – darunter auch Gnömli – können und wollen wir nicht mehr fremdplatzieren, sondern in unserer Obhut behalten. Wir wollen eine Art Altersheim einrichten», sagt Jung. Dazu sind grössere Räumlichkeiten nötig.

Gnömli schaut interessiert umher, benutzt kurz das Katzenklo und richtet danach seinen Blick wieder auf die Hände der Besucherin, der er um die Beine streicht. Er scheint richtiggehend darum zu betteln, gestreichelt zu werden. Der verschmuste Kater ahnt nichts davon, dass seine Bilder plötzlich in Zeitungen und am Fernseher zu sehen sind. Er legt sich in ein Körbchen, macht es sich gemütlich und schnurrt. Vielleicht träumt er schon von weiteren Abenteuern.