DICKEN: Er ist nämlich ämtligeil

Das Appenzeller Comedy-Duo Messer & Gabel unterhielt am Donnerstagabend über 500 Personen in der Turnhalle mit seinem Unterhaltungsprogramm «fiirobet».

Michael Hug
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Mal unter, mal über der Gürtellinie. (Bilder: Michael Hug)

Mal unter, mal über der Gürtellinie. (Bilder: Michael Hug)

Michael Hug

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«Är isch nemmli ämtligeil!», sagt Köbi über Jock, als der grad nochmals kurz rausging, weil er etwas vergessen hatte. Doch genau dasselbe sagt Jock über Köbi: Unbedingt wolle er Präsident des Firrobig-Vereins werden. Jetzt da der alte Präsident auf dem Sterbebett seinen Wunschnachfolger nicht mehr bestimmen konnte, weil er zwei Sekunden zu früh von dannen ging. An dieser denkwürdigen HV wird deshalb Köbi, der Schlauere, nicht unbedingt Gescheitere, zumindest Gerissenere Präsident, weil er mit seiner verkappten Wahlformel «Wer ist dafür, dass Jock nicht als neuer Präsident gewählt wird?» das Publikum auf seine Seite bringt. Jock bleibt damit Vizepräsident, was er schon seit zehn Jahren ist, und tut das, was ein Vizepräsident macht – dem Präsidenten unter die Arme greifen.

Nicht unbedingt der Hellste

Und das ist auch nötig. Denn auch der neue Präsident ist nicht unbedingt der Hellste. Auf die Frage von Jock, was Köbi denn so mache am Feierabend, antwortet der: «Fernseh luege, vor allem die Programm wome cha aalüüte, uf die Nullhondertnünzgernummere. Letschti hani tenkt, die chönnt jo au mol zrogglüüte, die hätt doch jetzt mini Nummere, choge Baabe die!» So geht das den ganzen Abend bei «Messer & Gabel», dem Comedy-Duo aus dem Ausserrhodischen. Deftig, heftig, mal über, mal unter der Gürtellinie, ganz so wie es das Publikum mag und manchmal selbst so handhabt, immer voll im Zeitgeist der Geschlechter-Stereotypen und dumm-doof-deppert-Plattitüden.

An dieser Stelle nicht zitierbar

Vieles, was die beiden von sich geben, ist an dieser Stelle nicht zitierbar. Doch nicht alle Dialoge sind auf nur Sexismen und Gender-Klischees gebaut: «Lueg di emol aa: No vier Kilo mee und du chunnsch en aigni Poschtleitzahl öbe!» Manche Pointen sind doch recht kreativ entworfen, auch wenn sie stets auf Stereotypen zielen: «Und du, du magere Hogge? Dini Frau moss jedesmol mitcho mit deer is Badzimmer und de Bewegigsmelder vös Liecht usloöse!» Fast zweieinhalb Stunden Unterhaltung auf mittlerem Niveau. Nicht jedermanns Sache, aber die, deren Sache dies nicht war, die sind nicht gekommen. Dafür kamen die wahren Fans von weiter her, selten gab es im Dorf Dicken kurz vor acht Uhr soviel Autoverkehr.

Dass das mittlerweile bekannt gewordene Duo Messer & Gabel, das sich von Firmenjubiläumsunterhaltungen und Hochzeitsfesten zu nationaler Berühmtheit hochgearbeitet hat und problemlos grössere Säle zu füllen imstande ist, überhaupt ins Nest Dicken gekommen ist, hat zwei Gründe, wie Thomas Mutti, Präsident des Dickler Verkehrsvereins, sagt: «Mit Jock habe ich schon im Sandkasten gesändelt, und wir haben vor einiger Zeit mit der Idee gespielt, dass sie mal bei uns in der Turnhalle auftreten könnten. Nun hat es schon zum zweiten Mal geklappt.» Der zweite Grund sei, so Mutti stellvertretend für René Sulser (Köbi) und Rolf Kern (Jock), dass die beiden viel lieber in übersichtlichen Sälen statt grossen Hallen spielen würden.

Ausserrhoder Gehirngänge

«Fiirobet» ist das dritte Comedy-Programm von Messer & Gabel. Längst ist die Show den Kinderschuhen der Freizeit-Stegreifkomik entwachsen. Mittlerweile beschäftigt man einen Regisseur und einen Manager. Die Handschrift des Regisseurs Philipp Langenegger – daselbst selber ein Ausserrhoder mit Komiker-Attitüden – ist deutlich zu spüren. Eine gewisse Verwandtschaft im Ausdruck und Gebaren mit zwei anderen Appenzeller Komödianten – Dani Ziegler und Simon Enzler – ist nicht von der Hand zu weisen. Bleibt eventuell die Frage, ob denn aus Ausserrhoder Gehirngängen – diesen «Schaltzentralen des Wahnsinns» (Zitat Jock) – überhaupt etwas anderes als solche Art Komik kommen kann.