DICKEN: Alles so unhygienisch auf der Alp

Sommerferien sind später, erst wird geprobt, damit im Herbst das Stück steht und an der Premiere alles glattläuft. Die Theatergruppe Dicken studiert zurzeit in der alten Dickler Turnhalle das Lustspiel «Älplerläbe» ein.

Michael Hug
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Immer weniger Arbeit für Souffleur Willy Fischer mit den Älplern Seppli und Resi (Rolf Helg und Vreni Schläpfer), in der Mitte Model Clarissa de la Fleur (Conny Bräker). (Bilder: Michael Hug)

Immer weniger Arbeit für Souffleur Willy Fischer mit den Älplern Seppli und Resi (Rolf Helg und Vreni Schläpfer), in der Mitte Model Clarissa de la Fleur (Conny Bräker). (Bilder: Michael Hug)

DICKEN. «Ach wie unhygienisch!» Dem selbstgefälligen Fotomodell Clarissa de la Fleur gefällt's auf der Alp ganz und gar nicht. Statt unberührter Natur inmitten friedlich grasender Kühe riecht es schrecklich, ist alles schmierig und schmutzig, und eine angemessene Garderobe gibt es auch nicht. Und wo bleibt der Champagner? Stattdessen gibt es Kuhmilch, wie schrecklich, wie unhygienisch. Clarissa ist ausser sich, stöckelt in ihren High Heels im klebrigen Morast herum und schreit hysterisch Zeter und Mordio. Dem Älpler Seppli und seiner Frau Resi bleibt derweil der Alpkäse im Hals stecken, denn mit Clarissa stehen plötzlich noch ganz andere Gestalten, die es aus verschiedensten Gründen auf ihre Alp verschlagen hat, vor ihrer Hütte.

Mannstolle Schwestern

Da sind die mannstollen Schwestern Berti und Trudi, die Gauner Poldi und Edi, das Hippiemädchen Kalina, und würde der erste Akt noch etwas dauern, kämen noch mehr so schräge Typen daher. Das Chaos auf Sepplis Alp nimmt seinen Lauf, und zwischenzeitlich weiss Hans nicht mehr, was Heiri, was Spiel und was Spass ist. Doch Regisseurin Conny Schönenberger lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie hat die Sache fest im Griff und greift ein, wenn es auf der Bühne aus dem Ruder läuft.

Wenn der Probenbesucher im zweiten Akt nicht mehr weiss, was Chaos nach Drehbuch und was reales Durcheinander ist, wenn er ob der Lachausbrüche auf der Bühne geplante Pointe und ungeplante Versprecher nicht mehr auseinanderhalten kann, behält die Regisseurin kühles Blut. Auch dann, als plötzlich klar wird, dass jemand fehlt – wo ist Kalina?

Gut im Plan

Kalina hat den Probetermin verschwitzt. Man kann nur hoffen, dass sie zu Hause ihren Text lernt. Und trotzdem, zur Premiere Ende Oktober wird «Älplerläbe» wie geschmiert von der Bühne im Dickler Mehrzwecksaal flutschen. Man liege gut im Plan, sagt Schönenberger, die beiden Probetermine während der Sommerferien seien nicht als Nachhilfe gedacht, sondern von Anfang an so geplant gewesen. Ein Dreiakter wie «Älplerläbe» brauche viel Zeit für Einarbeitung und Proben. An Motivation fehlt es dem Ensemble der Theatergruppe Dicken gewiss nicht. Im Gegenteil, man hat Spass am Spielen, und es wird viel gelacht und improvisiert. Auch wenn der Text bei manchem noch nicht ganz sitzt. Schönenberger: «Nach den Ferien sind die Texte drin, dann können sie so richtig mit Spielen beginnen.»

Ernsthaftigkeit trotz Spass

Die Dickler Theatergruppe kämpfte mit vielen Wechseln im Ensemble. Auch diesmal sind neue Darstellerinnen und Darsteller dabei, auch solche, die noch nie auf der Bühne gestanden haben. Das macht es der Regisseurin nicht einfacher, zumal sie selbst auch Debütantin in ihrer Aufgabe ist (siehe Befragt). Mit viel Einfühlungsvermögen und Übersicht führt sie zum ersten Mal Regie und kämpft dabei mit den Tücken einer Aufgabe, die trotz allem Spass und amüsanten Zwischenfällen auch Ernsthaftigkeit und Durchsetzungsvermögen verlangt. Die Verantwortung liege bei ihr, so die Neo-Regisseurin, und der – erhoffte – Erfolg an den drei Aufführungen werde für alle strengen Worte entschädigen.

Premiere von «Älplerläbe» von Lukas Bühler ist am Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr, in der Turnhalle Dicken.

So viele Tausenderscheine in Bündeln passen nicht ins Sparschwein: Die Geschwister Berti und Trudi (Margrit Böni und Luzia Eicher, von links).

So viele Tausenderscheine in Bündeln passen nicht ins Sparschwein: Die Geschwister Berti und Trudi (Margrit Böni und Luzia Eicher, von links).