Dichtestress in Ausserrhoden

Jetzt ist es offiziell. Eine Jury krönte Dichtestress zum Unwort 2014. Dieser Modebegriff, der ursprünglich aus der Tierwelt stammt, geisterte letztes Jahr im Zusammenhang mit den Masseneinwanderungs- und Ecopop-Initiativen inflationär durch den Blätterwald.

Jesko Calderara
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St. Gallen - Jesko Calderara Redaktion Appenzell (Bild: Jesko Calderara)

St. Gallen - Jesko Calderara Redaktion Appenzell (Bild: Jesko Calderara)

Jetzt ist es offiziell. Eine Jury krönte Dichtestress zum Unwort 2014. Dieser Modebegriff, der ursprünglich aus der Tierwelt stammt, geisterte letztes Jahr im Zusammenhang mit den Masseneinwanderungs- und Ecopop-Initiativen inflationär durch den Blätterwald. Was unter dem Schlagwort genau zu verstehen ist, bleibt für mich bis heute unklar, obschon ich als Pendler auch gelegentlich um meinen Sitzplatz kämpfen muss. Angeblich leiden ja viele Schweizer unter Dichtestress, wie uns politische Kreise von links bis rechts weismachen wollen. Die hohe Einwanderung führe zu überfüllten Zügen, verstopften Autobahnen und Wohnungsnot. Es wird eng im Land, befürchten viele Eidgenossen.

Diese Diskussionen stiessen im Ausland auf Unverständnis. Der Gebrauch dieses sprachlich diffus benutzten Unworts ist eine Schweizer Eigenart. Was wir darunter verstehen, dürfte den Einwohnern der benachbarten Grenzstädte bewusst geworden sein, als nach der Aufhebung des Franken-Mindestkurses noch mehr Einkaufstouristen als üblich ihre Geschäfte in Beschlag nahmen.

Zum Glück ist Ausserrhoden von solchen Phänomenen bis anhin verschont geblieben. Anzeichen von Dichtestress gibt es aber selbst im Appenzellerland. Besonders aktuell sind die Beispiele in Walzenhausen und Wald. Die hitzigen Auseinandersetzungen an den Gemeindeversammlungen zeigen exemplarisch, was in der Verhaltensbiologie mit Stress durch Dichte gemeint ist. Dieser tritt auf, wenn zu viele Individuen der gleichen Art – in den beiden Gemeinden sind es streitlustige Zeitgenossen – auf engstem Raum aufeinandertreffen und sich das Leben gegenseitig schwermachen. Dumm nur, dass bei uns Menschen in solchen Fällen nicht der gleiche Effekt eintritt wie bei Tieren. Dort sorgt Dichtestress für eine natürliche Regulation, wodurch sich sich so manches Problem von alleine löst.

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