Dialog zwischen Musik und Wasser

Am Samstagabend konnten die rund 150 Zuhörer und Zuschauer in der katholischen Kirche in Alt St. Johann Zeugen eines vielschichtigen Konzerts werden.

Christiana Sutter
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Alexander Lauterwasser

Alexander Lauterwasser

Am Samstagabend konnten die rund 150 Zuhörer und Zuschauer in der katholischen Kirche in Alt St. Johann Zeugen eines vielschichtigen Konzerts werden. Mit den Worten: «Diese Referat-Film-Live-Wasser-Vorführung ist ein Erlebnis zwischen Chaos und Ordnung», begrüsste der Präsident des Kulturvereins Oberstes Toggenburg, Stefan Gubler, die Besucher.

Vom Klangwirbel zur Eintönigkeit

Gespannt nahmen die Gäste in den Bänken der Kirche Platz und warteten auf das, was unter dem angekündigten Namen «Water Sound Scape» auf sie zukommen würde. In der Ausschreibung konnte man nachlesen, dass es sich um projizierte Landschaftsbilder handle, die zu den improvisierten Klängen der Musiker Töbi Tobler, Ferdinand Rauber und Heinz Bürgin zum Klingen gebracht werden. Die Klangwellen der Instrumente wiederum wurden in anschauliche Bilder transformiert, die der Philosoph und Psychologe Alexander Lauterwasser mit modernster Technik auf die Leinwand projizierte. Die Einstimmung auf das Konzert begann mit monotonen Klängen auf dem Hackbrett, gespielt von Töbi Tobler. Weiter dazu kam Obertongesang von Ferdinand Rauber und die gleichmässigen Klänge der Klangmühle. Auf der Leinwand erschien ein Landschaftsbild aus dem Toggenburg von René Güttinger. Langsam wurde die Musik lauter, die Klänge differenzierter und das Ganze steigerte sich zu einem Klangwirbel, wie in «Boléro» von Maurice Ravel. Auf der Leinwand erschienen die auf das Wasser transformierten Klänge in Bildern, je nach Höhe und Tempo der Töne wechselten sich die Bilder in Form und Grösse ab. Die Besucher schauten fasziniert auf die Leinwand und hörten den Klängen der Musik zu, als sich die Musik beruhigte und wieder in die Eintönigkeit zurückkehrte.

Alexander Lauterwasser

Alexander Lauterwasser

Springende Tropfen

Nach diesem ersten Erlebnis in der Welt der Wasser-Klang-Bilder erklärte Lauterwasser die Beziehung zwischen Wasser und Klang. Weit ausholend sagte er, dass bereits in der Mythologie der Götter die Göttin Shiva mit ihrer Trommel in der linken Hand Wellen im Meer auslöste. Dass die Welt der Musik und der Mathematik unzertrennlich sind, sagte er weiter. Damit könne ganz technisch die Beziehung zwischen Wasser und Schwingung erklärt werden. Denn Wasser reagiere sehr sensibel auf Schwingungen, «und die Musikinstrumente mit ihren Resonanzkörpern können ein sensibles Chaos im Wasser erzeugen.» Die Bilder, die so entstehen, können von einer Knospe über eine Blüte bis hin zu einer Spirale alle Formen annehmen. «Das Bild der Spirale habe ich jedoch noch nicht so oft gesehen», sagte Lauterwasser. Ein weiteres Bild, das der Betrachter der Leinwand leider nicht sehen konnte, waren die springenden Wassertropfen, die auf der Wasseroberfläche bei der Kamera entstanden. «Diese Tropfen springen bei schnellen Klangfolgen und eher tieferen Tönen.»

Im geistigen Auge die Churfirsten

Die Besucher in der katholischen Kirche waren nun gespannt, was sie noch zu sehen und hören bekommen. Ferdinand Rauber eröffnete mit Klängen der Klangschalen ein weiteres Musikstück und gab seinen Kollegen den Anstoss zum Einstieg. Heinz Bürgin am Polychord und Töbi Tobler stimmten mit ein. Wie tönen die Churfirsten? Die sieben Firste zeigen sich wie aufeinanderfolgende Wellen auf dem Wasser. Dann erschien auf der Leinwand ein Schwarzweiss-Foto der Churfirsten. Die Musiker spielten auf den Instrumenten Naturtöne, die der Musiktradition im Toggenburg sehr nahe kam. Langsam überschnitt ein Wasser-Klang-Bild das Foto. Wer noch die Churfirsten im geistigen Auge vor sich hatte, konnte möglicherweise etwas ähnliches im Wasserbild erkennen.

Abenteuerliche Vorführung

Dass sie improvisieren, bestätigte Töbi Tobler nach dem Konzert. Darauf angesprochen, ob er auf dem Hackbrett ein Musikstück von Harry Belafonte gespielt habe, sagte er amüsiert: «Das stimmt. Es ist mir während dem Spielen in den Sinn gekommen. Da habe ich ein paar Akkorde daraus in mein Spiel aufgenommen.» Zum Schluss sagte Alexander Lauterwasser, dass sie am Anfang nie wissen, wie das Konzert sein werde. «Jede Vorführung ist ein Abenteuer.»

Die Kamera projiziert die Schallwellen auf dem Wasser auf die Leinwand.

Die Kamera projiziert die Schallwellen auf dem Wasser auf die Leinwand.

Die Klänge der Naturklang-Instrumente werden auf das Mischpult (rechts) bei Alexander Lauterwasser transformiert, bevor die Kamera die Schallwellen auf dem Wasser erfassen kann. (Bilder: Christiana Sutter)

Die Klänge der Naturklang-Instrumente werden auf das Mischpult (rechts) bei Alexander Lauterwasser transformiert, bevor die Kamera die Schallwellen auf dem Wasser erfassen kann. (Bilder: Christiana Sutter)

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