Deutliches Ja – Rehetobel führt Ausländerstimmrecht ein

REHETOBEL. Künftig dürfen in Rehetobel Ausländerinnen und Ausländer auf kommunaler Ebene abstimmen. Bei einer hohen Stimmbeteiligung von 59 Prozent fiel die Zustimmung gestern an der Urne mit einem Ja-Anteil von 59 Prozent deutlich aus. Lanciert hatte die Initiative die Lesegesellschaft Dorf.

Patrik Kobler
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1996 scheiterte der erste Anlauf, jetzt erhalten in Rehetobel die ausländischen Einwohner auf kommunaler Ebene das Stimm- und Wahlrecht. (Bild: sgt)

1996 scheiterte der erste Anlauf, jetzt erhalten in Rehetobel die ausländischen Einwohner auf kommunaler Ebene das Stimm- und Wahlrecht. (Bild: sgt)

REHETOBEL. Künftig dürfen in Rehetobel Ausländerinnen und Ausländer auf kommunaler Ebene abstimmen. Bei einer hohen Stimmbeteiligung von 59 Prozent fiel die Zustimmung gestern an der Urne mit einem Ja-Anteil von 59 Prozent deutlich aus. Lanciert hatte die Initiative die Lesegesellschaft Dorf. Mit diesem Schritt wolle man ein Zeichen setzen und einen weiteren Beitrag für eine gesunde Dorfgemeinschaft leisten, hatte deren Präsidentin Sarah Kohler im vergangenen März gegenüber unserer Zeitung zu Protokoll gegeben.

Gestern freute sie sich nun über den klaren Entscheid. «Es ist ein Willkommensgruss an alle Leute, die sich im Dorf engagieren wollen», sagt sie.

Interessenten vorhanden

Im Vorfeld der Abstimmung hatte Sarah Kohler Kontakt mit Ausländerinnen und Ausländern, die vom neuen Recht Gebrauch machen wollen. Einzelne hätten auch bereits Interesse an der Mitarbeit in Kommissionen signalisiert, so Kohler. Damit Ausländer auf kommunaler Ebene abstimmen und wählen dürfen, müssen sie seit zehn Jahren in der Schweiz und seit fünf Jahren im Kanton wohnen. In Rehetobel erfüllen gut 50 Personen diese Bedingungen.

Seit der Totalrevision der Kantonsverfassung im Jahr 1995 können Gemeinden ihren ausländischen Einwohnern das Stimm- und Wahlrecht erteilen. Rehetobel ist nach Wald, Speicher und Trogen die vierte Gemeinde, die das Ausländerstimmrecht einführt. Sechs Gemeinden haben das Begehren abgelehnt: Teufen, Grub, Lutzenberg, Walzenhausen, Reute und zuletzt im Jahr 2010 Bühler.

Zweiter Anlauf

Auch in Rehetobel scheiterte der erste Anlauf. 1996 sprach sich die Gemeinde mit 312 zu 272 Stimmen knapp dagegen aus. Damals wäre Rehetobel die erste Gemeinde mit Ausländerstimmrecht im Kanton gewesen. Diese Pionierrolle habe für Unsicherheiten gesorgt, sagt Sarah Kohler. Diesmal habe man auf die Erfahrung aus anderen Gemeinden zurückgreifen können. «Zudem hatten wir in der Gemeinde mehr Zeit, um uns mit dem Thema auseinanderzusetzen», erklärt die Präsidentin weiter. Sie erhofft sich nun viele engagierte Leute und positive Presse für die Gemeinde.

Sarah Kohler (Bild: mge)

Sarah Kohler (Bild: mge)