«Ich habe die Hoffnung auf Schnee aufgegeben»: Bei zahlreichen Skiliftbetreibern im Appenzellerland standen die Bügel bislang still

Die meisten Skilifte im Appenzellerland verzeichneten keinen einzigen Betriebstag – einer schloss die Saison sogar bereits ab.

Astrid Zysset
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Die Bügel standen bei den allermeisten Skiliften der Region bislang still.

Die Bügel standen bei den allermeisten Skiliften der Region bislang still.

Bild: Alexandra Wey/Keystone

«Ausser Spesen nichts gewesen», steht auf der Website des Skilifts Hörnli in Bächli-Hemberg bei Schönengrund geschrieben. Vor einigen Tagen hat der Skilift seine Saison beendet. Vorzeitig, aufgrund des ausbleibenden Schnees. Keinen Tag war der Lift in Betrieb. Für Besitzer Hans Brunner ein aussergewöhnlicher Umstand: «Seit den Achtzigerjahren kam dies vielleicht einmal vor», erinnert er sich. «Es fiel oft wenig Schnee. Aber dass gleich gar keiner kam, das ist selten.»

Durchschnittlich hat der Skilift Hörnli während fünf bis zehn Tagen pro Saison geöffnet. Jene dauert bis Anfang oder Mitte März. Normalerweise. Brunner sagt:

«Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass der Schnee heuer noch kommt. Darum habe ich die Bügel runtergenommen.»

Resignation ist bei den Skiliftbetreibern im Appenzellerland auszumachen. Die Hoffnung auf genügend Schneefall schwindet von Tag zu Tag. Allzu viel Zeit bleibt nicht. Wie viele Skiliftbetreiber ausführen, werde die Lust am Skifahren bei den Besucherinnen und Besuchern geringer je näher der Frühling rückt. Viele Betreiber rechnen daher mit einer Saison, in der die Anlage nicht einmal lief.

Finanziell mit blauem Auge davon gekommen

Beispiel: Skilift Grub-Kaien. Dieser wird durch eine Aktiengesellschaft (AG) betrieben. Deren Präsident René Lanker bestätigt auf Anfrage hin, dass bislang noch kein Betriebstag gezählt wurde. Anfang März geht die Saison zu Ende. Und die Wetterprognosen sagen bis dahin keinen ausserordentlichen Schneefall voraus.

Trotz aller Enttäuschung für die Wintersportfans: Zumindest finanziell kann die AG die Saison «mit einem akzeptablen Ergebnis beenden», so Lanker. Der Skilift wird durch die Einnahmen der Besenbeiz quersubventioniert. Die Fixkosten des Lifts seien überdies durch Sponsorenbeiträge, Werbeeinnahmen und Bügelpatenschaften gedeckt.

Die Skilift Urnäsch AG konnte den Lift bislang ebenfalls noch nicht in Betrieb nehmen. Ein frappanter Unterschied zum vergangenen Winter, als 50 Betriebstage gezählt wurden. Reto Rohner, Verwaltungsratspräsident: «Wir würden den Kindern aus dem Dorf nach wie vor gerne ermöglichen, ihre Saisontickets auszuschöpfen.» Darum sei man seitens Skiliftbetreiber im «Stand-by-Modus», wie Rohner ausführt. Wann der Saisonschluss sein wird, ist offen.

Sollte der Lift in dieser Saison nicht mehr in Betrieb genommen werden können, kommt die AG finanziell dennoch mit einem blauen Auge davon: Die Fixkosten für Revision und Versicherung seien über die Einnahmen der 79 Bügelpatenschaften gedeckt. Zusätzlich kommt der Pachtzins für das Berghaus Osteregg hinzu.

Beim Skilift Landscheide in Schwellbrunn spricht man davon, dass die Chance gering sei, dass der Lift in dieser Saison noch in Betrieb genommen wird. «Zirka 30 Zentimeter Schnee braucht es, um die Pisten zu präparieren», sagt Betriebsleiter Michael Fuchs. Unwahrscheinlich, dass ein solcher Schneefall bis zum ersten Märzwochenende eintrifft. Dann ist nämlich Saisonschluss in Schwellbrunn. Fuchs sagt:

«Die Hoffnung haben wir zwar, dass es mit den traumhaften Winterverhältnissen noch klappt. Aber sie ist sehr klein.»

Diesen Winter lief der Lift an keinem einzigen Tag. Finanziell verzeichnete die AG, die den Skilift betreibt, jedoch kaum Einbussen. Der Verkauf der Saisontickets am Weihnachtsmarkt lief gut. Kundinnen und Kunden konnten diese auch für ermässigte Fahrten mit den Pizolbahnen oder den vergünstigten Besuch des Skigebiets Ebenalp-Horn nutzen.

Saisonkarte in Speicher auch nächsten Winter noch gültig 

Lukas Betschon, Verwaltungsratspräsident der Skilift Heiden AG, tun die Kinder leid, welche nicht Skifahren können. Auch sei es schlecht, wenn der Lift nicht läuft, da er aus dem Bewusstsein der Bevölkerung entschwindet. Bislang wurden in Heiden aufgrund des Schneemangels keine Betriebstage gezählt. Der Lift werde in Betrieb genommen, sobald die Witterungsbedingungen es zulassen, so Betschon. Wann Saisonschluss sein wird, ist unklar. Finanziell sei ein solcher Winter «nicht kritisch» für die AG. Die Fixkosten sind durch Sponsorenbeiträge und die Einnahmen des Fondue-Beizlis gedeckt.

In Speicher dasselbe Bild: Beide Lifte waren diese Saison nie in Betrieb. Christof Chapuis, Präsident der Genossenschaft Skilift Vögelinsegg, führt aus, dass man an der Generalversammlung darum entschieden habe, dass die diesjährige Saisonkarte auch für den nächsten Winter gültig sein wird. Noch ist nicht definiert, wann Saisonschluss sein wird. «Wir hoffen, dass wir den Lift doch noch ein paar Tage laufen lassen können», so Chapuis. Klar ist aber bereits, dass die Saison mit einem Verlust enden wird. 4000 bis 6000 Franken dürfte dieser betragen und würde durch das Genossenschaftskapital gedeckt werden.

Den kleineren Skilift in Speicher, den Skilift Blatten, betreibt Familie Vetsch seit mittlerweile 27 Jahren. Silvia Vetsch erinnert sich gerne an den vergangenen Winter: «Damals herrschten traumhafte Verhältnisse.» Ende Februar lief der Lift zum letzten Mal. Wann heuer der Betrieb eingestellt wird, ist offen. «Wenn jetzt tatsächlich noch Schnee kommt, würden wir den Lift laufen lassen.» Finanziell hält sich der Verlust in Grenzen: Die Kosten für die Versicherung werden durch Sponsorengelder gedeckt.

Wenig Schnee auch in Innerrhoder Skigebieten

In Innerrhoden sieht es nicht besser aus. Der Skilift Appenzell-Sollegg lief bislang nicht. Betriebsleiter Richard Zeller: «Wir hoffen noch auf ein bisschen Schnee. Aber ein Wetterprophet bin ich leider nicht.» Die Fixkosten für den Lift werden durch Sponsoren, Bügelpatenschaften und Beiträge der öffentlichen Hand gedeckt.

Stillstand auch in Gonten: Beim Alpsteinblick wurde bislang ebenfalls kein Betriebstag gezählt. Aufgeben wolle man jedoch noch nicht. Sobald der Schnee kommt, laufe der Lift, heisst es auf Anfrage.

Und auch beim Skilift Oberegg-St.Anton wurde in dieser Saison noch kein Betriebstag verzeichnet. Zum Vergleich: Im Winter 2018/2019 hatte der Lift während 37 Tagen geöffnet. Gemäss Sonja Spirig, Aktuarin des Verwaltungsrats Skilift Oberegg-St.Anton AG, sei es früher auch schon vorgekommen, dass die Wetterverhältnisse nicht mitspielten, um den Betrieb zu ermöglichen. Die Kosten für die Instandsetzung des Lifts könnten mit den Einnahmen der Bügelliftpatenschaften, denjenigen aus den Anlässen in der Skilift-Beiz und dem Eigenkapital gedeckt werden.«Aber die Hoffnung auf Schnee haben wir nicht aufgegeben», so Spirig. Die Saison dauert bis zum 19. März.

Genügend Schnee nur an wenigen Orten

Vollkommen schneefrei blieb das Appenzellerland dennoch nicht. Wie Mario Koller, Geschäftsführer des Skigebiets Ebenalp-Horn, ausführt, verlief der Winter zwar «nicht wunschgemäss», aber ein Minimalangebot konnte man den Besucherinnen und Besuchern stetig bieten.

Der Skilift war bislang im Tal während 40 Tagen in Betrieb, auf dem Berg während 30. «Wir haben unser Möglichstes getan, um den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden», sagt Koller. Die Saison geht Ende März zu Ende, beim Skilift Horn wohl schon wenige Wochen früher. Finanziell werde dieser Winter leicht unterdurchschnittlich abschliessen.

Positiv blickt man auch beim Kinderskilift Bischofsberg auf die Saison. Der Januar lieferte ideale Witterungsbedingungen für den Einsatz des Kunstschnees. 40 Betriebstage wurden bislang gezählt. Die Saison dauert noch bis zum 22. März. Einziger Wermutstropfen: «Aktuell machen uns die Stürme und die lauen Nächte zu schaffen», sagt Betriebsleiter Johannes Solenthaler. «Das Schneedepot ist fast aufgebraucht.»

Bei den Skiliften in Gais und Brülisau war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.