Des Nachts im Staatsarchiv

Interessante Einblicke bot die Archivnacht im Ausserrhoder Staatsarchiv in den Nachlass des Fotografen Werner Schoch und die Vielfalt der Archivgüter. Zudem erhielt die Öffentlichkeit erstmals Zutritt zum Magazin.

Roman Hertler
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Archivmitarbeiterin Myrta Gegenschatz erzählt Archivgeschichten. (Bild: Roman Hertler)

Archivmitarbeiterin Myrta Gegenschatz erzählt Archivgeschichten. (Bild: Roman Hertler)

HERISAU. Zur ersten Archivnacht im Ausserrhoder Staatsarchiv hatten sich 60 Personen für die Führung am Donnerstagabend angemeldet. Das Publikum erhielt Einblick in die Arbeit der Archivare. Jutta Hafner, Projektleiterin eArchiv, erzählte aus dem Leben des Waldstätter Fotografen Werner Schoch, der in Herisau zwei Fotogeschäfte betrieb. Über 100 000 Negative auf Glasplatten und Filmstreifen aus den Jahren von 1934 bis zu seinem Tod 1974 umfasst der Nachlass.

Die Einzelbilder werden dabei in der Datenbank erfasst, beschrieben, mit einer Signatur und zusätzlichen Informationen wie Datum, Bildgrösse, Aufnahmetechnik, Trägermaterial und Auftraggeber versehen. Schochs Fotografien sind meist in Schwarzweiss gehalten und zeigen grösstenteils Menschen.

Schillernde Figur

Als Auftragsfotograf lichtete Schoch häufig Hochzeiten, Konfirmationen oder einfache Portraits ab. Dabei verstiess er gerne auch gegen Konventionen, indem er etwa das Brautpaar schon vor der kirchlichen Trauung auf dem Standesamt fotografierte. Daneben erstellte er auch Bilder von Gewerbe und Industrie, wobei er nicht nur die Fabriken, Maschinen und Produkte, sondern auch den Alltag der kleinen Leute, der Arbeiter, abbildete und zu Bildreportagen zusammenstellte. Auch Traditionelles wie das Bloch, der Gidio-Umzug oder das Silvesterchlausen gehörten zu seinem Repertoire. Schoch galt als schillernde Figur in Herisau: Er war Pazifist, Vegetarier und Schlachthofgegner, einer der ersten Besitzer eines Autos, und er hielt ein Pferd, das er mit einem Lottogewinn finanzierte. Im Lesesaal des Staatsarchivs veranschaulichte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Myrta Gegenschatz die Vielfalt der Archivalien. Eindrücklich war etwa der 56 mal 82 Zentimeter grosse Landteilungsbrief von 1597. Es ist das älteste Dokument im Staatsarchiv, denn darin ist unter anderem festgehalten, dass die älteren Urkunden und Akten von vor der Landteilung in Appenzell aufbewahrt werden sollen. Die Ausserrhoder hatten einen Schlüssel dazu erhalten, der allerdings irgendwann verloren ging. Interessant waren etwa auch die mittlerweile vollständig digitalisierten Kirchenbücher, die weitaus populärsten Archivalien des Staatsarchivs. Familienforscher müssen nun nicht mehr extra ins Archiv kommen.

Das Herzstück des Archivs

Renate Bieg führte die Gäste schliesslich ins Magazin, wo die Öffentlichkeit sonst keinen Einblick hat. Schön anzusehen, ist dieser auf 14 Grad gekühlte Betonraum voller Regale nicht. Interessant wird es, wenn man weiss, dass hier Archivalien im Umfang von etwa 4,8 Laufkilometern lagern.