Der Wald liefert wertvolles Holz

LICHTENSTEIG. Das Kantonsforstamt stellt in der Aktion «Unser Wald. Nutzen für alle» die Funktionen des Waldes ins Zentrum. In der Waldregion 5 Toggenburg legt man den Fokus auf das Wertholz. Zum Start zeigt sie den Weg vom Holz zum Senngeschirr.

Sabine Schmid
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Informierten über Wertholznutzung: (von links) Ruedi Ehrbar, Vertreter der Ortsgemeinde Lichtensteig, Revierförster Urs Kern, Regionalförster Christof Gantner, Weissküfer Werner Stauffacher und Waldratspräsident Hansueli Scherrer mit Tochter Dorothea. (Bild: sas)

Informierten über Wertholznutzung: (von links) Ruedi Ehrbar, Vertreter der Ortsgemeinde Lichtensteig, Revierförster Urs Kern, Regionalförster Christof Gantner, Weissküfer Werner Stauffacher und Waldratspräsident Hansueli Scherrer mit Tochter Dorothea. (Bild: sas)

Den Tieren dient der Wald als Lebensraum, der Mensch sucht darin Erholung. Wald kann schützen und schliesslich ist er ein Rohstofflieferant. Baustoff, Brennstoff, Papier und vieles mehr wird aus Holz hergestellt. Die Waldregion 5 Toggenburg rückt in diesem Jahr die Produktion von Wertholz, also von Holz von überdurchschnittlicher Qualität, das im Möbelbau oder in der Weissküferei eingesetzt wird, ins Zentrum ihrer Tätigkeit.

Wichtige Einnahmequelle

Ohne die Holzerei wäre der Wald nicht in dem Zustand, wie er sich heute präsentiert. Mit dem Erlös aus dem Holzverkauf werden nicht nur die Aufwendungen der Holzerei, sondern auch weitere Arbeiten wie die Jungwaldpflege gedeckt. Der grösste Teil des genutzten Holzes ist Nadelholz, welches als Bauholz eingesetzt wird. «Mengenmässig ist das Wertholz im Toggenburg von geringer Bedeutung.

Jedoch liegen die Erlöse pro Kubikmeter um ein Mehrfaches über dem durchschnittlichen Erlös für Bau- oder Industrieholz», sagt Regionalförster Christof Gantner. Der Verkauf von Wertholz hat für den Waldbesitzer eine grosse Bedeutung. «Das wurde im Toggenburg schon lange erkannt», weiss der Regionalförster. Bereits bei der Jungwaldpflege wird das Augenmerk auf die Qualität gesetzt und auch bei der Bestandespflege ist das Ziel des Försters, die zukünftigen Bäume mit Wertholz zu begünstigen, damit der Wald einen möglichst grossen Ertrag abwirft.

Gantner betonte, dass die fachgerechte Pflege der Jungwälder eine Investition in die Zukunft sei. «Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Holz wird vorhanden sein.»

Musikinstrumente, Möbel…

Hansueli Scherrer, Präsident des Waldrats der Waldregion 5, zeigte am Beispiel des Bergahorns auf, was mit der Nutzung von Wertholz gemeint ist. Mengenmässig habe der Bergahorn durchaus eine wirtschaftliche Bedeutung, sagte er.

Besonders wertvoll sind Stämme, die eine so genannte Riegelung aufweisen, also Wellen, die strahlenförmig oder gekrümmt im Holz verlaufen. Wieso solche Riegel gebildet werden, kann man lediglich vermuten. Die Erklärungen gehen von einer genetischen Veranlagung über besondere Bodeneigenschaften bis hin zu Elektromagnetismus. «Erfahrungswerte aus anderen Landesteilen belegen, dass lediglich ein bis zwei Promille der Bergahorne eine Riegelung aufweisen. Möglicherweise ist der Anteil im Toggenburg höher», führte Hansueli Scherrer aus.

Genutzt wird solcher Riegelahorn vor allem als Fournier in der Möbelindustrie und im gehobenen Innenausbau. Zum anderen wird er im Instrumentenbau verwendet. Wichtig sei, dass Riegelahorne als solche erkannt und vermarktet werden, ist Hansueli Scherrer überzeugt. Und: «Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft». Hansueli Scherrer findet, dass die Forstwirtschaft das Laubholz und insbesondere den Bergahorn an den geeigneten Standorten erhalten und fördern sollte.

…und Weissküferarbeiten

Werner Stauffacher nannte noch einen anderen Bereich, in welchem das Holz von Bergahorn verwendet wird: die Weissküferei. Für einen Fahreimer braucht der Weissküfer Holz von einer grossen Dichte, das in einem dichten Bestand gewachsen ist. Für die Verzierungen greift er lieber auf Holz mit weiten Jahrringen zurück, das vom Waldrand stammt. Dieses sei biegsamer, erklärte Werner Stauffacher.

Wie es der Name des Handwerks sagt, wird in der Weissküferei feines und weisses Holz von Ahornen und Fichten verwendet. Das Geschirr wird mit geschnitzten, natursymbolischen Ornamenten wie Sonnen und Tulpen verziert. «Dem Toggenburger Senn ist die Schönheit seiner Gerätschaften von grosser Wichtigkeit», weiss Werner Stauffacher. Er glaubt, dass sein Handwerk Überlebenschancen hat.

Er stellt moderne, individuelle Holzgegenstände und Geschenke her, aber auch auf der Alp sind Holzgeschirre weiter in Verwendung. Die Vorschriften seien wieder gelockert worden, so dass in der Alpkäserei wieder Holzgeschirr eingesetzt werden könne, sagte Stauffacher. Der Toggenburger Weissküfer ist also noch weiterhin darauf angewiesen, Wertholz aus den Toggenburger Wäldern kaufen zu können.