Der Verkaufspreis als Streitpunkt

SPEICHER. Das Stimmvolk in Speicher entscheidet am 28. Februar über die Veräusserung der Liegenschaft Linde. Geplant ist ein Ärztehaus. Gegen die Vorlage hat Jürg Zürcher das Referendum ergriffen. Er kritisiert vor allem den tiefen Verkaufspreis.

Jesko Calderara
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Die Liegenschaft «Linde» gehört seit 2007 der Gemeinde. Nun will ein Investor auf dem Grundstück ein Ärztehaus realisieren. (Bild: cal)

Die Liegenschaft «Linde» gehört seit 2007 der Gemeinde. Nun will ein Investor auf dem Grundstück ein Ärztehaus realisieren. (Bild: cal)

Am Standort des ehemaligen Restaurants Linde in Speicher soll eine Gemeinschaftspraxis mit drei bis vier Hausärzten entstehen. Gegen die Veräusserung der Liegenschaft, welche die Gemeinde 2007 kaufte, hat Jürg Zürcher das Referendum ergriffen und dafür 63 Unterschriften gesammelt. Nun haben am 28. Februar die Stimmberechtigten das letzte Wort zum Geschäft. «Ich habe nichts gegen ein Ärztehaus», stellt Zürcher gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Vielmehr bemängelt er die finanziellen Rahmenbedingungen des Verkaufs. So ist in der Jahresrechnung 2014 der Verkehrswert des abbruchreifen Objekts, für das die Gemeinde einst 595 000 Franken bezahlte, mit 475 000 Franken angegeben. Der ausgehandelte Verkaufspreis zwischen der Gemeinde Speicher und der Investorin Avara Immobilien AG aus St. Gallen liegt aber bei nur 375 000 Franken. «Die Abschreibungen für die öffentliche Hand sind zu gross», kritisiert Zürcher. Der Verlust belaufe sich insgesamt auf annähernd 40 Prozent. Faktisch bedeute dies eine Subventionierung des Ärztehauses, gibt Zürcher zu bedenken. «Ganz abgesehen davon ist unklar, wer vom zu tiefen Verkaufspreis überhaupt profitiert.» Als Käuferin trete eine Immobiliengesellschaft auf, die das Projekt wohl nur entwickeln und dann weiterverkaufen werde, vermutet er.

Kritik an Vorgehensweise

Jürg Zürcher stört sich zudem daran, wie der Gemeinderat das Vorhaben Gemeinschaftspraxis aufgegleist hat. Die Liegenschaft sei nie zum Verkauf ausgeschrieben worden. «Obschon die Marktlage eigentlich ideal wäre und viel Anlagekapital vorhanden ist», sagt Zürcher. Letztlich wisse der Stimmbürger nicht, was verhandelt worden sei. Das Argument, dass die Investorin ein Stockwerk weniger als ursprünglich geplant bauen kann und der Preis deshalb so tief angesetzt wurde, ist für ihn nicht stichhaltig. Dies hätte man vor Beginn der Projektierung abklären müssen, sagt der Vertreter des Referendumskomitees. Der Idee, in Speicher eine Hausarzt-Gemeinschaftspraxis zu realisieren, steht Zürcher durchaus positiv gegenüber. Er fragt sich allerdings, was mit dem Gebäude geschieht, sollten sich nicht innert nützlicher Frist drei bis vier Hausärzte finden lassen. «Dieses Szenario ist nirgends geregelt.» Laut Zürcher hätte man eine Gemeinschaftspraxis in der Berit-Klinik einrichten können. Diese Lösung sei mal im Gespräch gewesen.

Gegen aktive Rolle des Staates

Seinen Entscheid, das Referendum zu ergreifen, begründet Jürg Zürcher auch mit grundsätzlichen Überlegungen. Er spricht sich gegen eine aktive Rolle der Gemeinde auf dem Liegenschaftenmarkt aus. Als Beispiel nennt er die zurzeit laufende Arealentwicklung Unterdorf. Weil die «Linde» jedoch bereits im öffentlichen Eigentum ist, sollte diese laut Zürcher bei einem Nein am 28. Februar zum Höchstpreis verkauft werden.

Jürg Zürcher hält den gebotenen Preis für nicht marktgerecht.

Jürg Zürcher hält den gebotenen Preis für nicht marktgerecht.

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