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Hansueli Reutegger: Der Überraschungskandidat

Sachlich, verlässlich und dossierfest: Hansueli Reutegger hat sich als Kantonsrat vor allem in finanzpolitischer Hinsicht einen Namen gemacht. Die Kritik an seiner Führungskompetenz im Gemeinderat ist mittlerweile verstummt. Nun möchte er in den Regierungsrat.
Alessia Pagani
Hansueli Reutegger ist nicht nur politisch aktiv, sondern ist unter anderem auch OK-Präsident Kantonalschützenfest AR 2019. (Bild: PD)

Hansueli Reutegger ist nicht nur politisch aktiv, sondern ist unter anderem auch OK-Präsident Kantonalschützenfest AR 2019. (Bild: PD)

Mit Hansueli Reutegger setzt die SVP auf einen Regierungsratskandidaten, den einige wohl nicht als ersten genannt hätten. So waren zu Beginn denn auch noch andere Namen – wie beispielsweise jene des Herisauer Gemeinde- und Kantonsrats Florian Hunziker oder des Teufner Kantonsrates Edgar Bischof – im Spiel. Doch am Schluss haben sich die Delegierten entschieden – für Reutegger. Dafür gibt es einen Grund. Die SVP Appenzell Ausserrhoden ist gespalten: Der Herisauer Flügel gegen den Rest, wie die Nominierungsversammlung gezeigt hat. Reutegger scheint ein Kompromisskandidat zu sein, mit dem alle Parteimitglieder leben können.

Zweifelsfrei gilt Hansueli Reutegger als Mann der Politik. Seit 2006 sitzt er im Gemeinderat von Schwellbrunn, seit sieben Jahren amtet er als Gemeindepräsident. Die vor vier Jahren publik gewordene Kritik an der Führungskompetenz des Gemeinderats hat Reutegger inzwischen vergessen lassen. Der ebenfalls laut gewordene Vorwurf, der Gemeindepräsident würde nicht immer für ein Gespräch zur Verfügung stehen, wenn Einwohner Probleme hätten, wies er von sich. Seither ist es Reutegger gelungen, die Gemeinde in ruhigere Gewässern zu führen. Die Steuerkraft hat in den letzten Jahren stark zugenommen, die Jahresrechnung schliesst wieder positiv ab.

Weder «Plauderi» noch «Polteri»

Bei Amtsantritt sagte Hansueli Reutegger, er wolle ein volksnaher Gemeindepräsident sein, der wisse, was den Leuten unter den Nägeln brenne. Und das hat er allem Anschein nach geschafft. Der 52-Jährige sei bei Anliegen immer zu Gesprächen bereit und versuche, lösungsorientierte Ansätze zu liefern, so ein Schwellbrunner Landwirt, der mit einem Problem auf den Gemeindepräsidenten zugegangen war. Und dies macht Reutegger mit seiner besonnenen und bodenständigen Art. Der ehemalige Feuerwehr-Vizekommandant scheint weder ein «Plauderi» noch ein «Polteri» zu sein. Was sicherlich auch ein Grund dafür ist, weshalb man ihn nicht als potenziellen Kandidaten auf dem Radar hatte.

Wenn Hansueli Reutegger etwas macht, dann richtig. So attestieren ihm viele eine grosse Verlässlichkeit: «Wenn er sagt, er kümmert sich um etwas, dann tut er das auch.» Seit 2015 politisiert Reutegger im Kantonsparlament. Er gilt als linientreuer SVPler, der Ideen zielführend anpackt. Stur sei er allerdings nicht, so ein Parteikollege. Und auch SP-Kantonsrat Jens Weber von der politischen Gegenseite bestätigt:

«Hansueli Reutegger ist ein fairer, gut überlegter Politiker.»

Wenn es allerdings hart auf hart komme, trete er selbstbewusst für seine Anliegen ein. Der Schwellbrunner ist kein SVP-Hardliner, sondern der Typ Exekutivpolitiker. Das Kollegialitätsprinzip steht über allem.

Im Kantonsrat fällt Reutegger selten mit Voten auf. Wenn er sich zu Wort meldet, dann vor allem zu finanz- und steuerpolitischen Vorlagen. In der parlamentarischen Kommission zur Revision des Steuergesetztes war Reutegger Präsident, in jener zur Steuergerechtigkeitsinitiative Mitglied. Nicht zuletzt durch seine «ausgezeichnete» und «fundierte» Arbeit in diesen Kommissionen hat er sich den Respekt der anderen Kantonsräte erarbeitet. Er sprach sich gegen die SP-Steuergerechtigkeitsinitiative aus, rechtfertigt den Finanzausgleich oder setzt sich für tiefe Unternehmenssteuern ein. Reutegger ist sehr auf einen sorgsamen Umgang mit Steuergeldern bedacht. In Sachen Finanzen ist er sattelfest. Dies kommt nicht von ungefähr: Reutegger ist Leiter des Steueramtes der Stadt Wil. Dort wird er von Mitarbeitern wie Vorgesetzten gleichermassen geschätzt:

«Er ist eine Person mit Vorbildfunktion. Hansueli Reutegger ist belastbar, krisenresistent und sehr weitsichtig. Auf ihn kann man sich verlassen.»

Im Kantonsrat werden vor allem auch seine fundierten Erfahrungen geschätzt, die er als Gemeinderat mitbringt. «Er sieht die Zusammenhänge auch aus der Sicht von kleinen, finanzschwachen Gemeinden und bringt grosses Vorwissen mit», so Jens Weber.

«Wir wollen das gleiche für den Kanton»

Eine, die Reutegger seit Jahren in der Behördentätigkeit begleitet, ist Monika Bodenmann-Odermatt. Die Kantonsrätin und Präsidentin der FDP AR arbeitete vor Jahren als Schulpräsidentin von Waldstatt oft ihrem Schwellbrunner Kollegen zusammen.

«Ich nehme ihn als ruhig, sachlich und überlegt war.»

Natürlich bestünden im Hinblick auf die Parteizugehörigkeit Diskrepanzen. «Aber man merkt, dass wir das Gleiche für den Kanton wollen.»

Hansueli Reutegger zeichnet sich nicht zuletzt wegen seines Berufs durch Dossierfestigkeit aus. So wäre er durchaus prädestiniert für das Finanzdepartement, das aktuell noch sein abtretender Parteikollege Köbi Frei innehat. Allerdings könnte man sich ihn im Hinblick auf seine Vergangenheit auch gut im Ressort Bildung und Kultur vorstellen.

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