Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der tägliche Konkurrenzkampf der "Appenzeller Zeitung"

«Die Appenzeller Zeitung» verfügt über eine starke Stellung im regionalen Medienmarkt. Das war nicht jederzeit so. Mitbewerber gab es immer wieder – mit mehr oder weniger grossem Erfolg.
Jesko Calderara
Früher war die Pressevielfalt im Appenzellerland grösser. Die «Appenzeller Zeitung» hat verschiedene Blätter gekauft. (Bild: APZ)

Früher war die Pressevielfalt im Appenzellerland grösser. Die «Appenzeller Zeitung» hat verschiedene Blätter gekauft. (Bild: APZ)

In ihrer 190-jährigen Geschichte war die «Appenzeller Zeitung» ständig anderer Konkurrenz ausgesetzt. Gleich mehrere Anläufe unternahm der Herisauer Buchdrucker Michael Schläpfer. Sein drittes Projekt, das «Tagblatt für den Kanton Appenzell und die Umgebung», war 1848 die erste Tageszeitung im Appenzellerland. 1852 kaufte Schläpfer die «Appenzeller Zeitung» und brachte diese fortan täglich heraus. Der bisherige Verleger, sein Onkel Johannes Schläpfer, erhielt für die Verlagsrechte 2500 Gulden und versprach, kein politisches Blatt zu gründen, das die «Appenzeller Zeitung» konkurrenzieren könnte.

Während einige Lokalzeitungen schnell wieder verschwanden, hielten sich andere Blätter jahrzehntelang. Dazu gehören etwa der «Säntis» als Lokalblatt von Teufen, der «Appenzeller Anzeiger» als Hauptorgan des Vorderlandes, die «Appenzeller Landes-Zeitung» als Mitteilungsblatt für Trogen und Speicher sowie das «Anzeigeblatt» für Gais.

Ab 1969 veränderte sich die Presselandschaft in Ausserrhoden. Mit dem «Appenzeller Tagblatt», einem Kopfblatt des St. Galler Tagblatts, gab es eine neue Konkurrentin zur «Appenzeller Zeitung.» Hanspeter Spörri war als Redaktor ab 1974 zunächst für das «Tagblatt» und ab 1989 für die «Appenzeller Zeitung» tätig. Zwar hoben sich die beiden Zeitungen mit ihrem bürgerlichen Profil nicht grundsätzlich voneinander ab. Diese Zeit hat Spörri dennoch positiv in Erinnerung. «Ich habe die Ausgangslage als anregend und spannend empfunden», sagt der ehemalige Chefredaktor des «Bundes». Auf persönlicher Ebene habe man einen kollegialen Umgang gepflegt. Publizistische Konkurrenz hat für Spörri wesentliche Vorteile. Bei Unzufriedenheit mit dem einen Blatt könne das Publikum das andere abonnieren. «Konkurrenz stachelt zudem den Ehrgeiz der Journalistinnen und Journalisten an.» Ende der 60er Jahre setzte dann im Kanton die Pressekonzentration ein. Aus diesem Prozess ging die «Appenzeller Zeitung» zuerst als Siegerin hervor. Durch die Übernahme der Verlagsrechte an «Säntis», «Appenzeller Anzeiger» und «Appenzeller Landes-Zeitung» wurde sie zur Hauptzeitung in Appenzell Ausserrhoden.

Mit dem Einstieg des St. Galler Tagblatts verlor die «Appenzeller Zeitung» ab 1998 nach und nach ihre Unabhängigkeit. Die beiden Blätter wurden fusioniert. Ihre dominierende Stellung im regionalen Pressemarkt konnte die «Appenzeller Zeitung» dadurch behalten und gar ausbauen.

Gemeinden setzen auf neue Informationskanäle

Aufgrund sinkender Inserate- und Abo-einnahmen verfügen Tageszeitungen heute jedoch über weniger personelle Ressourcen. Diese Entwicklung und der dadurch entstandene freie Raum förderte die Entstehung der Gemeindeblätter und Dorfzeitungen. «Wenn diese journalistisch gemacht sind, wie etwa die Tüüfner Poscht, stellen sie für Zeitungen auch publizistisch eine Konkurrenz dar», sagt Spörri. Auf professionelle Hilfe setzt ferner die Gemeinde Waldstatt beim «De Waldstätter». Manche Gemeindeblätter drucken allerdings im Gegensatz zu Zeitungen Behördennachrichten unkritisch und unkommentiert eins-zu-eins ab.

Zumindest in Innerrhoden gibt es mit dem «Appenzeller Volksfreund» einen Mitbewerber. Dieser betreibt auch das Newsportal appenzell24.ch und gibt «De Herisauer» heraus. Das neue Magazin erscheint wie die Herisauer Nachrichten wöchentlich. Beide Produkte stellen deshalb für eine Tageszeitung kaum eine ernsthafte Konkurrenz dar. Gleiches trifft auf «Die Ostschweiz» zu. Die neue Online-Wochenzeitung berichtet nur am Rande über das Geschehen in den beiden Appenzeller Halbkantonen. Eine direkte Konkurrenz für klassische Medien sind dagegen soziale Netzwerke, wo Informationen gratis verfügbar sind. Sie können Neuigkeiten schnell verbreiten, jedoch keinen Mehrwert wie Hintergrundgeschichten, Analysen oder Kommentare bieten.

Quellen:

Walter Schläpfer, 1978, Pressegeschichte des Kantons AR,

Oscar Alder, 100 Jahre «Appenzeller Zeitung»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.