"Der Sturm kam zum richtigen Zeitpunkt": In Ausserrhoden sind die Schäden des Föhnsturms Vaia behoben

Acht Monate nachdem der Föhnsturm Vaia über das Appenzeller Hinterland fegte, sind die Aufräumarbeiten abgeschlossen. Teilweise wurde Sturmholz konsequent geräumt – teilweise liegengelassen.

Philipp Wolf
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Die Revierförster Stefan Holenstein (links) und Alexander Plaschy bei der Begehung des Schluchwalds. (Bild: Philipp Wolf)

Die Revierförster Stefan Holenstein (links) und Alexander Plaschy bei der Begehung des Schluchwalds. (Bild: Philipp Wolf)

In der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober wütete im vergangenen Herbst der Föhnsturm Vaia und verursachte im Wald erhebliche Schäden. In Ausserrhoden fielen 25000 Kubikmeter Sturmholz an; rund die Hälfte einer Jahresnutzung im Kanton.

Beat Fritsche, stellvertretender Oberförster von Ausserrhoden, sagt bei der Begehung des Schluchwalds: «Der Sturm kam zu einem günstigen Zeitpunkt zu Beginn der Holzereisaison. So konnten geplante ordentliche Holzschläge zurückgestellt werden.» Zudem habe man den Fokus voll auf die Sturmholzbewältigung legen können.

So wurden, laut Fritsche, schliesslich rund 80 Prozent der Sturmholzmenge verarbeitet, aus dem Wald entfernt und als Nutz- oder Brennholz verkauft. Die restliche Holzmenge liess man liegen.

Fichte als wichtiger Faktor

Ob man eine betroffene Fläche ganz, teilweise oder gar nicht geräumt hat, sei von verschiedenen Faktoren abhängig gewesen, sagt Fritsche. Es erfolgten Gefahrenbeurteilung, die Baumarten im Sturmholz wurden berücksichtig – wobei die Borkenkäferprävention bei Fichte eine wichtige Rolle spielte – und schliesslich wurden die Arbeitssicherheit und die Erschliessungsverhältnisse abgeschätzt. Der Schluchwald dient als Anschauungsbeispiel eines Waldstücks, in dem das Sturmholz vollständig geräumt werden konnte.

Die Fläche war einerseits gut zugänglich, konnte grösstenteils maschinell geräumt werden und andererseits bildeten Fichten einen beträchtlichen Teil des Sturmholzes. Die betroffenen Fichten waren grösstenteils nach einem Föhnsturm im Jahr 1919 gepflanzt worden.
Das Sturmholz musste nun geräumt werden, «um eine Massenvermehrung des Borkenkäfers zu verhindern», sagt Fritsche.

Die Bepflanzung nach der Räumung erfolgte mit standortgerechten Baumarten und im Hinblick auf den Klimawandel. So wurden unter anderem Lärchen, Föhren und Weissannen gepflanz – der Schluchwald soll ein Mischwald werden.

Bäume wegen Hitzesommer geschwächt

Der Nordwald an der Grenze zwischen Stein und Hundwil diente den Förstern um Fritsche als zweites Anschauungsbeispiel. Bei diesem Waldstück ist der Schaden, den Vaia angerichtet hat, nach wie vor gut zu sehen.

Man habe den Nordwald nur an den einfach zugänglichen Stellen geräumt, weil die Arbeitsbedingungen für die Forstarbeiter bei einer komplette Räumung schlichtweg zu gefährlich gewesen wären, sagt Fritsche. Zudem war das Risiko, dass sich der Borkenkäfer massenhaft vermehren könnte «aufgrund des kleinen Fichtenanteils im Sturmholz» nur gering.

Aufgrund des schlechten Wetters wurde darauf verzichtet, den südlichen Höggwald bei Hundwil zu begehen. Dieses Waldstück, so Fritsche musste wegen Gefahr der Borkenkäfervermehrung vollständig geräumt werden. Dazu wurde ein Seilkran eingesetzt. «Für diesen notwendigen aber nicht kostendeckenden Eingriff übernehmen Bund und Kanton eine Defizitgarantie», sagt Fritsche.

Nach dem trockenen Sommer 2018 müsse zudem mit höherem Borkenkäferbefall gerechnet werden, sagt Fritsche abschliessend. Die Trockenheit habe die Bäume geschwächt.