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Der stille Helfer im Hintergrund

WATTWIL. Der pensionierte Wattwiler Sekundarlehrer Bernhard Schmid ist im Solidaritätsnetz Ostschweiz aktiv. Nebst seinem Engagement für Asylsuchende und Armutsbetroffene arbeitet er auch ehrenamtlich im Ortsarchiv.
Adi Lippuner
Der Wattwiler Bernhard Schmid setzt sich für Asylsuchende und Armutsbetroffene ein. Er wurde mit einer «Brodworscht» ausgezeichnet. (Bild: Adi Lippuner)

Der Wattwiler Bernhard Schmid setzt sich für Asylsuchende und Armutsbetroffene ein. Er wurde mit einer «Brodworscht» ausgezeichnet. (Bild: Adi Lippuner)

Die eigene Person steht für Bernhard Schmid nicht im Zentrum. Über sich zu reden ist ihm unwichtig. Dafür ist er bereit, über seine verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten, unter anderem im Ortsarchiv, zu sprechen. Dort befasst er sich mit der Wattwiler Geschichte und den damit verbundenen menschlichen Schicksalen. Zudem erfasst er die Kirchenbücher der evangelischen Kirchgemeinde elektronisch. Bei dieser Tätigkeit steht menschliches Werden und Vergehen im Mittelpunkt.

Um aktuelle menschliche Schicksale geht es bei der Tätigkeit im Ostschweizer Solidaritätsnetz. Dort werden Menschen unterstützt und betreut, die ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden oder verloren haben. «Menschenrechte sind mir wichtig, genauso wichtig wie das Anliegen, dass unser System von niemandem ausgenützt wird», sagt Bernhard Schmid. Will heissen: «Ich versuche mich an die Devise der Bewegung ATD Vierte Welt zu halten, die lautet: Wo immer Menschen dazu verurteilt sind, im Elend zu leben, werden Menschenrechte verletzt. Sich mit vereinten Kräften für ihre Achtung einzusetzen ist heilige Pflicht.»

Der Mensch im Mittelpunkt

Asylsuchende, auf deren Gesuch nicht eingetreten wird, werden seit dem 1. April 2004 von der Sozialhilfe ausgeschlossen. Vier Jahre später wurde der Ausschluss ausgedehnt und betrifft nun zusätzlich alle Personen, die nach einem durchlaufenen Asylverfahren einen negativen Entscheid erhalten haben. Sie können nur noch das in der Bundesverfassung festgeschriebene Recht auf Nothilfe geltend machen und erhalten acht Franken pro Tag.

Diese Gesetzeslage und damit verbunden das Wissen, dass dadurch Menschen in Notlage geraten, bewog Bernhard Schmid, sich zusammen mit anderen engagierten Personen aus Wattwil für abgewiesene Asylsuchende einzusetzen. Eines der Tätigkeitsfelder ist dabei die Betreuung der Menschen, welche an der Ebnaterstrasse 17 untergebracht sind. Aber auch der wöchentliche Mittagstisch, der aus dem Armutsprojekt entstand, ist ihm ein grosses Anliegen. «Dort erhalten Asylsuchende, aber auch von Armut betroffene Menschen, Gelegenheit, sich auszutauschen.» Armut sei aber auch heute noch weitgehend ein Tabuthema, dies stelle er bei seinem Engagement immer wieder fest.

Täglich im Einsatz

Und so verlässt Bernhard Schmid sein Zuhause jeden Tag, um die eine oder andere Aufgabe zu erfüllen. Sei es, dass er das Entfeuchtungsgerät im Kirchturm der evangelischen Kirche – dort ist das Ortsarchiv untergebracht – entleert, sei es, dass er sich zu Hause an den Computer setzt, um Daten zu erfassen oder was häufig vorkommt, wenn Menschen Hilfe brauchen. «Glücklicherweise kann ich vor allem bei letzterer Tätigkeit auf die Unterstützung durch Gleichgesinnte zählen. Ohne sie wäre es nicht möglich, den immer neuen Aufgaben gerecht zu werden», so Bernhard Schmid.

Dass es vor allem beim Engagement für abgewiesene Asylsuchende nicht immer ohne Rückschläge geht, wird nicht bestritten. «Doch ich lasse Enttäuschungen möglichst nicht zu nahe an mich herankommen. Dabei hilft mir das Wissen, dass die Menschen meist Mühe haben, sich bei uns zurecht zu finden und ihre Ablehnung nicht gegen mich persönlich gerichtet ist», sagt der pensionierte Sekundarlehrer. Und wenn er dann bei jemandem gar nicht mehr weiter wisse, ziehe er sich zurück. «Meine Frau, meine Familie und die Freunde bauen mich wieder auf, wohlwissend, dass ich schon immer für andere und nicht für mich gekämpft habe.»

Gute Vernetzung

Bernhard Schmid arbeitet lokal und regional vernetzt. So pflegt er den Kontakt zum Sozialamt in Wattwil. Dabei scheut er sich auch nicht, auf Missstände aufmerksam zu machen. Es sei ihm ein wichtiges Anliegen, dass Menschen gut betreut werden. «Sie sollen aber auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten kooperativ sein und ihre eigenen Beiträge leisten.»

Geht es um abgewiesene Asylsuchende, begleitet er diese zu Behördengängen, hilft bei der Beschaffung von Papieren und versucht auch, finanzielle Mittel zu beschaffen, falls es wirklich dringend ist. «Da dürfen wir immer wieder auf Unterstützung uns wohl gesinnter Menschen zählen und das ermutigt uns weiterzumachen», bekräftigt Bernhard Schmid.

Dass so viel Engagement auch weit über die lokalen Grenzen hinaus Anerkennung findet, beweisen die verschiedenen Auszeichnungen. Eine davon, die «Brodworscht», wird er heute Freitag anlässlich der Olma in St. Gallen geniessen können.

Bild: ADI LIPPUNER

Bild: ADI LIPPUNER

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