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Der Sommer ist da

Auch für mich, einen Pensionierten, ist der Sommer eine ganz tolle Zeit! Man kann leicht bekleidet durch die Altstadt streifen, abends beim ersten Einfunkeln der Sterne noch in ein Strassencafé gehen, dort sitzen und diskutieren, die Welt gibt sich vernünftig
Paul Gisi
Bild: Paul Gisi

Bild: Paul Gisi

Auch für mich, einen Pensionierten, ist der Sommer eine ganz tolle Zeit! Man kann leicht bekleidet durch die Altstadt streifen, abends beim ersten Einfunkeln der Sterne noch in ein Strassencafé gehen, dort sitzen und diskutieren, die Welt gibt sich vernünftig lauwarm, das Weissweinchen ist gekühlt, der Cigarillorauch tänzelt um die Nase, die Stimmung rundherum ist wohlig auf sanften Touren, der Imbiss mundet herrlich. Nach all den Monaten der grimmigen Kälte ist es wohltuend, nachts unter dem freien Himmel zu sitzen und zu plaudern. Man wird ein ganz neuer Mensch.

Ich erzähle meinem Vis-à-vis von meiner Lektüre, von Christoph Martin Wielands Roman «Der Sieg der Natur über die Schwärmerei oder Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva, eine Geschichte, worin alles Wunderbare natürlich zugeht» – Wieland stand in engem Verhältnis zu J. G. Herder und Goethe –, ein praller voluminöser Roman, der alle heutigen dürftigen psychologisierenden Bestsellerromänchen aushebelt.

Mein Vis-à-vis, ein Freund, lacht und nimmt seine Gitarre aus dem Futteral und beginnt, provenzalische Minnelieder zu singen, da taucht der «Regisseur» Mond aus den Wolken und beginnt geheimnisvoll zu strahlen. Im Strassenbistro wird es still, und alles lauscht meinem Freund, wie er Gitarre spielt und dazu Liebeslieder singt. Nach etwa einer Viertelstunde schweigt mein Freund, und das Leben im Strassencafé beginnt wieder zu glucksen und zu lachen, Lärm erhebt sich beim vielfältigen Gestikulieren, denn alle haben was zu berichten, das Eis ist gebrochen, die Nacht erfüllt von Leben und unbeschwerter Mitteilsamkeit.

Nun bin ich wieder zu Hause, doch es fällt mir nicht ein, ins Bett zu gehen, es ist Sommer. Ich lege noch die Schallplatte von Verdis erster Oper auf, «Oberto – Conte di San Bonifacio», zünde eine Kerze an, paffe seehundgenüsslich einen «Jacob-van-Meer»-Cigarillo und denke ketzerisch, es ist doch schön, wenn die Klimaerwärmung zunimmt, denn ich liebe es, nachts in einem Strassencafé zu sitzen, zu räucheln, ein Weissweinchen zu trinken und bei einem Freund zu sitzen, der Minnelieder singt. Und gebrutzelte Crevetten an Knoblauchöl zu essen, auch das ist Leben!

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