Der Schulknatsch im Vorderland

Reute beendet die Kooperation mit Heiden bei der Schule – ohne das Gegenüber vorab darüber zu informieren. Diese Vorgehensweise sorgt für Ärger und hat Konsequenzen.

Jesko Calderara
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Der Heidler Schulleiter wird ab dem Schuljahr 2019/2020 nicht mehr in Reute tätig sein. (Bild: Urs Bucher)

Der Heidler Schulleiter wird ab dem Schuljahr 2019/2020 nicht mehr in Reute tätig sein. (Bild: Urs Bucher)

Zwischen Heiden und Reute herrscht dicke Luft. Grund dafür ist die Zusammenarbeit der beiden Gemeinden im Bereich der Schule. So sind der Heidler Schulleiter Hans-Peter Hotz und die Schulsekretärin Marianne Scherrer in einem Teilpensum auch in Reute tätig. Nun hat der dortige Gemeinderat die seit 2004 bestehende Vereinbarung auf den 31. Juli 2019 gekündigt – ohne den Vertragspartner darüber vorab zu informieren.

Stattdessen soll die Schulleitung Reute nach Oberegg wechseln, wo bereits die Oberstufenschüler des 700 Einwohner zählenden Dorfes zur Schule gehen. Der entsprechende Vertrag wurde bereits abgeschlossen. Eine gemeinsame Schulleitung mit Oberegg sei aufgrund der engen Beziehungen seit jeher wünschenswert gewesen, heisst es in einer Medienmitteilung der Gemeindekanzlei Reute. Appenzell Innerrhoden hat aber erst nach Ausserrhoden Schulleitungen eingeführt.

Unterschiede in den Schulsysteme

Beim Gemeinderat Heiden kommt die Art und Weise, wie die Kooperation beendet wird, schlecht an. «So geht man nicht mit Partnern um», ärgert sich Gemeindepräsident Gallus Pfister. Vor so einem Entscheid hätte er zumindest ein Gespräch erwartet. Nun werde die Zusammenarbeit im Vorderland geschwächt, bedauert Pfister.

Für die Begründung der Gemeinde Reute zeigt er ein gewisses Verständnis. «Die schulgesetzlichen Vorgaben von Innerrhoden unterscheiden sich jedoch in vielen Punkten vom Ausserrhoder Schulsystem.» Auch würden die beiden Kantone den neuen Lehrplan 21 anders umsetzen, gibt Pfister zu bedenken. Er verweist zudem auf die bisherigen Erfolge. Als Beispiel nennt Pfister den Aufbau der altersdurchmischten Schule, die sich zu einem Vorbild entwickelt habe.

Seit längerem gibt es im Vorderland Bestrebungen, bei den Sekundarschulen stärker zusammenzuarbeiten. Eine Arbeitsgruppe der Standortorganisation Appenzellerland über dem Bodensee (AüB) beschäftigte sich mit dem Thema – bis anhin allerdings ohne Erfolg. Aufgrund der engen Zusammenarbeit in der Schulleitung hätte es Heiden seit jeher begrüsst, wenn die Schülerinnen und Schüler aus Reute die Oberstufe im Vorderländer Hauptort besuchen könnten. Doch daraus wird nun nichts.

Derweil müssen die Verantwortlichen in Heiden ein weiteres Problem lösen. Das Arbeitspensum ihres Schulleiters und der Schulsekretärin reduziert sich ab Sommer 2019 um insgesamt 30 Prozent. Ein Ausfall, der nicht so einfach kompensiert werden kann. «Für die Betroffenen sind solche Entscheidungen, wie sie Reute gefällt hat, einschneidend», sagt Pfister. Das Pensum an der Schule Heiden lasse sich nicht ohne weiteres erhöhen. Der Gemeinderat will nun entsprechende Möglichkeiten prüfen.

Strategische Überlegungen als Kündigungsgrund

Ernst Pletscher, Gemeindepräsident von Reute, schliesst in Zukunft Schullösungen mit weiteren Gemeinden nicht aus. Die im Rahmen von AüB ausgearbeiteten Ansätze seien jedoch nicht mehrheitsfähig gewesen.

Gleichzeitig verteidigt Pletscher die Vorgehensweise seiner Gemeinde. «Im Zusammenarbeitsvertrag mit Heiden war vorgesehen, dass bei Schwierigkeiten vorzeitig das Gespräch gesucht wird.» Zur Kündigung geführt hätten aber strategische Überlegungen. Diese sei abgesehen davon ordentlich ein Jahr im Voraus erfolgt.