«Das Gesundheitsdepartement interessiert mich»: Nach dem angekündigten Rücktritt von Statthalterin Fässler nennen die Spitzen von Parteien und Verbänden erste Namen

Die Leitungen von Parteien und Verbänden in Innerrhoden sähen gerne eine Frau als Nachfolgerin für Statthalterin Antonia Fässler.

Mea McGhee
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Antonia Faessler verlässt die Innerrhoder Regierung auf die kommende Landsgemeinde.

Antonia Faessler verlässt die Innerrhoder Regierung auf die kommende Landsgemeinde.

Gian Ehrenzeller/ KEYSTONE

Mit ihrer Ankündigung, auf die Landsgemeinde vom 26. April hin aus der Standeskommission zurückzutreten, hat Frau Statthalter Antonia Fässler das Politjahr in Appenzell Innerrhoden mit einem Paukenschlag eröffnet.

«Sie hat das politisch anspruchsvolle Departement mit sicherer Hand geführt. Sachlich und unaufgeregt.»

Dies sagt Angela Koller, Präsidentin der kantonalen Arbeitnehmervereinigung. Überrascht sei sie nicht, habe doch Antonia Fässler doch letztes Jahr kommuniziert, dass sie sich im Falle einer Nichtwahl in den Nationalrat allenfalls neu orientieren werde. «Mir ist es ein grosses Anliegen, eine Kandidatin zu präsentieren», sagt Koller.

Angela Koller, Präsidentin Arbeitnehmervereinigung AI.

Angela Koller, Präsidentin Arbeitnehmervereinigung AI.

Bild: PD

Die stellvertretende Departementssekretärin des Ausserrhoder Gesundheitsdepartements bestätigt ihr Interesse am Amt des Statthalters und schliesst eine Kandidatur nicht aus. Sie nennt jedoch mit Grossratspräsidentin Monika Rüegg Bless eine andere mögliche Kandidatin aus der Arbeitnehmervereinigung. «Sie bringt die nötige Führungs- und Politerfahrung mit. Zudem ist sie in der Spitallandschaft gut vernetzt.» Als Präsidentin der mitgliederstarken Arbeitnehmervereinigung werde sie vieles daran setzen, dass die Standeskommission nach der Landsgemeinde kein reines Männergremium sein wird, so Koller.

Entscheid unbelastet umsetzen

Stefan Ledergerber, Präsident der kantonalen CVP, der Fässler angehört, hat am Dienstagabend von Fässlers Entscheid erfahren.

«Wir verlieren eine engagierte und kompetente Regierungsrätin.»

Er beschreibt Fässler als «loyal und gesellig». Durch ihre vormalige berufliche Tätigkeit beim Generalsekretariat der CVP Schweiz habe sie viel Verständnis für die Anliegen und die Arbeit der Kantonalpartei gehabt.

Stefan Ledergerber, Präsident CVP AI.

Stefan Ledergerber, Präsident CVP AI.

Bild: PD

Die Standeskommission stellt in den kommenden Wochen die Weichen zur Spitalzukunft in Innerrhoden. Es sei wichtig, dass der Entscheid über den geplanten Spitalneubau nicht dem Gesundheitsdepartement alleine zugewiesen sei, findet Ledergerber. Eine neue Person im Statthalteramt könne die Konsequenzen des Entscheids unbelastet umsetzen und einen neuen Blickwinkel einbringen.

Der Vorstand der CVP AI werde nun Anfang Februar eine Auslegeordnung machen und geeignete Personen für eine Kandidatur aus den eigenen Reihen ansprechen. Natürlich wolle die Partei den Sitz in der Standeskommission halten. Auch die Geschlechterthematik müsse bei der Suche nach einem Kandidaten, einer Kandidatin berücksichtigt werden, denn: «Ich bin der Auffassung, dass Frauen ein Gremium bereichern. Es wäre wünschenswert, eine Kandidatin für das Amt zu finden.» Die CVP Innerrhoden hat nun bis zur Landsgemeindeversammlung Ende März Zeit, eine Nachfolge für Antonia Fässler zu präsentieren.

Eine Kandidatin wäre im Vorteil

Martin Ebneter, Präsident SVP AI.

Martin Ebneter, Präsident SVP AI.

Bild: PD

«Der Zeitpunkt des Rücktritts überrascht mich», sagt Martin Ebneter, Präsident der Innerrhoder SVP. Angesichts Fässlers zehnjähriger Tätigkeit in der Standeskommission habe er jedoch Verständnis. Seine Partei sei bestrebt, ein Parteimitglied ins Rennen zu schicken. «Ob wir jemanden finden, ist eine andere Frage», so Ebneter. Er geht davon aus, dass eine Kandidatin gegenüber einem gleichwertigen Kandidaten den Wahlkampf mit einem Vorteil angehen könnte. Wichtiger als das Geschlecht seien aber die Fähigkeiten, die jemand mitbringe.

Der SVP-Präsident kann sich vorstellen, dass Fässlers Rücktritt mit dem anstehenden Entscheid der Standeskommission zur Spitalzukunft zusammenhängt, dies sei aber Spekulation. In zwei Wochen hält die Partei ihre Hauptversammlung ab, aus diesem Anlass könne die Nachfolge für das Amt des Statthalters ein Thema sein. Bis zur Landsgemeinde in vier Monaten sei aber noch viel Zeit.

Zweierkandidatur erwünscht

Albert Manser, Präsident Gewerbeverband AI.

Albert Manser, Präsident Gewerbeverband AI.

Bild: PD

Er habe gehofft, Antonia Fässler würde ein, zwei Jahre länger in der Standeskommission bleiben, bis die Spitalthematik ausgereift sei, sagt Albert Manser. Nach ihrer Nichtwahl in den Nationalrat sei es aber legitim, dass sie sich beruflich neu orientieren möchte. Manser präsidiert den Innerrhoder Gewerbeverband, der in der kantonalen Politik eine gewichtige Stimme hat. «Wünschenswert wäre eine Zweierkandidatur, die der Bevölkerung eine Auswahl bieten würde.» Der Fokus bei der Kandidatensuche liege auf einer Frau, wichtig seien aber die Fähigkeiten der Person. Seitens des Gewerbes werde man sich Gedanken machen, wer aus den eigenen Reihen für das Amt des Statthalters in Frage komme. Landsgemeindeversammlung des Gewerbeverbandes ist am 1. April.

Keine Kandidatur der SP 

Martin Pfister, Präsident der SP AI.

Martin Pfister, Präsident der SP AI.

Bild: Roger Fuchs

Die SP Innerrhoden werde aus ihren Reihen keine Kandidatur präsentieren, sagt deren Präsident Martin Pfister. Im Zentrum stehe die Gesundheitspolitik. Der Statthalter müsse jemand sein, der über die Kantonsgrenzen hinaus denke.

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