Der richtige Schliff zählt

ST.PETERZELL. Die Nächte der kommenden Wochen wird Landwirt Hansruedi Aemisegger aus St.Peterzell wohl häufig zu einem grossen Teil im Stall verbringen, dann wenn seine Zuchtkühe kalben.

Katharina Rutz
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Bauer Hansruedi Aemisegger mit Stier Rino aus seiner Zucht. (Bild: pd)

Bauer Hansruedi Aemisegger mit Stier Rino aus seiner Zucht. (Bild: pd)

In der Regel ist Hansruedi Aemisegger bei jeder Geburt eines Kalbes in seinem Stall mit dabei. Seinen Zuchtstier begrüsst er am Morgen mit einer Portion Streicheleinheiten. «Will man einen umgänglichen Stier haben, ist das Pflicht», sagt er. Hansruedi Aemisegger ist Viehzüchter mit Leib und Seele. Und zwar von Vieh, das zu seinem Betrieb im Oberstofel in St. Peterzell passt. Er hat ihn als junger Landwirt von seinem Vater übernommen – mit einer Herde Holstein Kühen.

«Doch ich wollte meinen Betrieb nicht auf die Kuh einstellen müssen, sondern eine Rinderrasse, die auf meinen Betrieb passt», sagt der Bauer. So kam er auf das Original Braunvieh.

Eine richtige Alpkuh

Für die Alp im Glarnerland braucht Hansruedi Aemisegger eine ruhige und robuste Kuh. «Die Original Braune ist fruchtbar und die Kälber sind beim Schlachter etwas wert. Zudem haben die Tiere gute Klauen und gesunde Euter.

Schliesslich brauchen sie weniger Futter, um den eigenen Körper zu erhalten, da es eine mittelgrosse Rasse ist. Auch der Boden wird dadurch geschont», schwärmt Hansruedi Aemisegger. Er muss es wissen, gehört er doch zu den erfolgreichen Züchtern von Original Braunvieh (OB) in der Region. Eine Miss Toggenburg stammt aus seinem Stall, unzählige Preise zieren seine Küche im Oberstofel und als Krönung kann er Rino vorweisen.

Der Stier, der bei der Punktierung seiner Zuchtfamilie (25 Nachkommen des Stiers) in diesem Frühjahr schweizweit die höchste Punktzahl erreichte. Heute steht er in einem Zuchtstall in Schwellbrunn, gehört aber immer noch Hansruedi Aemisegger. Dieser züchtet auf dem eigenen Hof mit seinen 15 Kühen bereits wieder mit einem neuen Stier. «Ich suche mir meine Zuchtstiere sehr genau aus.

Bis ich ein Tier gefunden habe mit dessen Abstammung ich zufrieden bin, dauert es manchmal über ein Jahr. Der Stier muss zu meiner Herde passen», sagt er. Dann züchtet er mit seinem neuen Stier etwa drei Jahre, bis die ersten Töchter geschlechtsreif werden. «Dies ist riskant. Sollte ich den falschen Stier gewählt haben, sind alle Kälber eines Jahrgangs gleich betroffen», erklärt er.

Original Braune sind in

Für die Kälber hat er jeweils schon vor der Geburt Anfragen von Käufern. «Die Original Braune Kuh liegt im Trend», so Aemisegger. Eine Top-Schaukuh ist gut und gerne 4000 bis 5500 Franken wert. Was nicht heisst, dass Aemisegger nur solche in seinem Stall will. Für ihn zählt die Wirtschaftlichkeit und die Milchqualität einer Kuh. «Da ich auf meiner Alp selber Käse produziere, muss die Milch von ausgezeichneter Qualität sein.

Zudem sollte die Kuh über die ganze Periode, in der sie gemolken wird, ihre Milchleistung hoch halten können», erklärt er. Dennoch schlägt auch ein Züchterherz in seiner Brust: «Schon beim Kalb sieht man, ob es den richtigen Schliff mitbringt. Es muss einem einfach gefallen, feine Glieder und grosse Ohren sind zudem bereits Hinweise darauf, dass es eine gute Milchkuh wird». Da seine Kühe jeweils im Herbst – erst nach der Viehschau – kalben, seien sie zur Viehschau-Saison nicht in Topform.

Trotzdem zieht die Familie jedes Jahr an die Viehschau in St. Peterzell. «Dies ist für uns der krönende Abschluss der Alpsaison», sagt der Landwirt. Gekrönt, oder besser bekränzt, sind dabei auch seine Kühe. Und jede trägt eine Trychle. Dies ist zwar nicht typisch für die Sennen-Tradition im Toggenburg, jedoch gemäss Aemisegger bei den Zuschauern der Viehschau sehr beliebt. «Ausserdem passt es zur Glarner Tradition, wo meine Alp auch liegt», sagt er.